Berliner Food Festival: Interview mit eat! berlin Initiator Bernhard Moser

February 27, 2018

Das Berliner Food Festival eat! berlin tagt 2018 zum siebten Mal. Es findet jährlich statt und zählt inzwischen zu den kulinarischen Highlights der Hauptstadt. Rund 50 Veranstaltungen mit mehr als 60 KöchInnen in den besten Restaurants summieren 30 Michelin Sterne und 496 Punkte im Gault&Millau. Auch das Luxusreise- und Lifestyle Magazin Travellers’ World hat das Festival 2016 ausgezeichnet und es zu den 10 Besten der Food Festivals der Welt nominiert. Kooperationen wie etwa das mit dem Tipi am Kanzleramt und Frau Luna machen die Veranstaltung nicht nur dem Berliner Publikum schmackhaft. Auch Tim Raue oder Sebastian Frank um nur zwei der bekannten Köche nennen – zählen zu den Highlights von eat! berlin. Miriam Bers sprach mit dem Initiator des Berliner Food Festivals, Bernhard Moser.

MB: Was hat Sie 2011 motiviert das Berliner Food Festival ins Leben zu rufen und wie kamen Sie zum Essen?

BM: Ich komme aus einem Dorf in Österreich. Da gab es nur zwei Berufsmöglichkeiten: Landwirtschaft oder Gastronomie. Da wir keinen Bauernhof hatten, wurde ich Koch/Kellner, habe danach die Ausbildung zum Diplom-Sommelier gemacht. So entdeckte ich nach und nach den Genuss für mich. Die Motivation das Festival zu gründen kam daher, dass ich Berlin seit langem als Gourmetmetropole wahrnehme, außerhalb Berlins wurden wir aber in der Zeit noch als Currywurststadt wahrgenommen. Das hat mich und viele befreundete Spitzenköche genervt. Eines Abends saß ich mit einer netten Runde zusammen, darunter die Inhaber der Mattheis-Werbeagentur und ein bekannter Journalist. An diesem Abend wurde die eat! berlin gegründet.

MB: Welches sind die Auswahlkriterien für eine Teilnahme an dem Berliner Food Festival eat!berlin?

BM: Ich arbeite gerne mit herausragenden Köchen und Gastronomen zusammen. Dabei orientiere ich mich an eigenen Erfahrungen und am Gault&Millau. Idealerweise hat das Restaurant mit dem wir arbeiten mindestens 15 Punkte und steht für irgendwas. Also nicht nur so eine 08/15 Pinzettenküchen-Nachkocherei, sondern eine herausragende Stellung in der Gastronomie. Da wir im Rahmen des Festivals sehr eng mit den Menschen arbeiten, ist es auch wichtig, dass ich die- oder denjenigen mag. Für mein Team versuche ich die Egomanen vorher zu erkennen. J
MB: Kann man von kulinarischen Trends, von Moden sprechen?

BM: Ja, aber wir versuchen sie zu meiden. Gutes Essen und Trinken sind unser Trend, aber Dinge wie „Superfood“ und ähnlicher Humbug interessiert uns nicht.
MB: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei den Köchen?

BM: Bei uns eine riesige, bei den Köchen eine wachsende. Der Feinschmecker genießt ja nicht nur, er übernimmt im Idealfall auch Verantwortung für seinen Konsum. Regionalität der Lebensmittel, E-Mobilität etc. sind uns enorm wichtig. Zudem sind wir das weltweit einzige Feinschmeckerfestival, das ausschließlich mit Leitungswasser versorgt wird.

MB: Welches sind die diesjährigen Berliner Food Festival Highlights, was ist neu?

BM: Bei uns ist fast immer alles neu, weil ich Wiederholungen nicht so gerne mag. Die Entwicklung des Programmes ist mir total wichtig, insofern kann ich auch keine Highlights benennen. Ich stehe hinter jeder meiner Veranstaltungen und freue mich auf jede einzelne.
MB: Mit wie vielen Besuchern rechnen Sie dieses Jahr und kann man sagen, dass das Festival inzwischen internationales Publikum anzieht?

BM: Wir werden in diesem Jahr ca. 7.000 Besucher haben, genau kann ich das nicht sagen, da wir bei den „Berliner Käsetage“ eine relativ lange Zeit offene Türen haben und die Besucherzahl nur geschätzt werden kann. Es könne so auch 9.000 werden. Als ich heute da war, war es jedenfalls rappevoll.
International erfahren wir, vor allem seit der Wahl unter die 10 besten Foodfestivals der Welt, enorm viel Aufmerksamkeit. Das ist gut, weil nur so der Imagewandel in Berlin vollzogen werden kann. Wir sind eben nicht nur Partystadt.

MB: Ihr Lieblingsort in Berlin?

BM: Gastronomisch kann ich ihn nicht benennen. Mein liebster Ort ist auf der Couch, mit meiner Tochter im Arm, Zeichentrickfilme schauend.

MB: Ihr Sehnsuchtstort?

BM: Ich möchte unbedingt 2019 zu Heston Blumenthal ins „The Fat Duck“.

MB: Kochen Sie privat?

BM: Darf ich nur, wenn wir Gäste haben. Köche kochen anders, wir brauchen zu viele Töpfe und machen zu viel Unordnung. Da gibt’s Ärger.

MB: Eine Rezeptidee?

BM: Nehmen Sie ein wachsweich gekochtes Bio-Ei, hauen Sie einen Klecks Schmand drauf und nehmen Sie Malossol-Kaviar dazu, so viel wie Sie sich leisten wollen. Aber bitte aus guten Zuchtbetrieben in Ihrer Nähe. Ich schätze den Brandenburger Kaviar von der Forellen- und Störfarm Rottstock, betrieben von Susanne und Matthias Engels. Genuss braucht oft nur 3 Komponenten.

Fotos: courtesy of eat! Berlin

GoArt! Food Touren

Art Night mit Tracey Snelling

February 13, 2018

Miriams Künstlerauswahl des Monats

Tracey Snelling ist eine U.S. amerikanische zeitgenössische Multimedia Künstlerin. Sie wurde 1970 in Oakland (Kalifornien) geboren und hat Bildende Kunst an der University of New Mexico studiert. Ihre Environments spiegeln häufig das Verhältnis von Architektur und deren soziologischer Kontextualisierung wider. Sie bestehen aus teils lebensgroßen, teils miniaturhaften architektonischen ‚Skulpturen’, die mit Videos bzw. Performances bespielt werden und dem Betrachter einen voyeuristischen Blick in die dort angesiedelte Nachbarschaft gestattet. Snellings aktuelle Arbeit ist während ihres noch bis zum April 2018 andauernden Stipendiums im renommierten Künstlerhaus Bethanien entstanden, in Kreuzberg in Kottbusser Tor Nähe gelegen. Die Künstlerin hatte u.a. Ausstellungen im MAD New York, im Palazzo Reale in Mailand und dem Königlichen Museum der Schönen Künste Belgien. Im Jahr 2015 erhielt sie den Preis der Joan Mitchell Foundation für Maler und Bildhauer. Miriam Bers traf Tracey Snelling zu einer Art Night in ihrem Kreuzberger Atelier.

MB: Du lebst seit fast einem Jahr in Berlin. Bist Du hier angekommen, fühlst Dich zugehörig, als Teil der Stadt?

TS: Das erste Mal in Berlin war ich im Februar 2016 – dort blieb ich sieben Monate und ging zurück nach Oakland. Als ich dort ankam, wurde mir klar, dass ich nach Berlin gehöre. Im April 2017 bin ich erneut nach Berlin gereist, um mit dem Historischen Museum in Frankfurt eine skulpturale Auftragsarbeit zu realisieren und Berlin noch besser kennenzulernen. Ich fühle mich hier integriert. Es fühlt sich einerseits an wie ein Zuhause, gleichzeitig ist alles aufregend und neu für mich. Berlin bedeutet Freiheit. Hier kannst du sein, wer du wirklich bist, und niemand schaut dich komisch an. Berliner sind einiges gewohnt und deshalb gelassener was das anders Sein angeht.

MB: In Deiner aktuellen Ausstellung im Künstlerhaus Bethanien, insbesondere den in Lebensgröße arrangierten fast romantisch anmutenden ‘Living Room’ und ‘Bedroom’ sind Wrestler, eine Punk Band und Du, die tätowiert wird die Protagonisten der Life-Performance. Hier kommt mir Nan Goldin in den Sinn. Oder ist Deine Arbeit vielmehr eine konzeptuelle, eine Art sympathisierender Vereinnahmung von mehr oder weniger marginalisierten Gruppen? Die Vorlagen Deiner Archiktekturskulpturen sind Sozialbauten am Kottbusser Tor.

TS: Viele der Raumkontexte, Objekte und Performances sind Referenzen aus meinem Leben; viele stammen noch aus meiner Jugendzeit. Ich habe die Band Hertzangst letztes Jahr zum ersten Mal in Wedding spielen hören – der Schlagzeuger ist ein Freund von mir. Ich liebte sie von Beginn an und hatte sofort ein Bild in meinem Kopf, wie sie in einer meiner Installationen auftreten. Was das Tattoo betrifft, habe ich zwar schon drei, aber ich wollte bereits seit einiger Zeit ein Tigertattoo haben. Den Tätowierer kenne ich von einer früheren Residency im ZKU in Berlin. Ich mache Muay Thai Kickboxen und habe den Sport in der Eröffnungsnacht sowie den abendlichen Aufführungen aufgegriffen. Die Räume stellen eine Hommage an meine Vergangenheit dar, meine Gegenwart und auch meine Fantasien.

 

MB: Wie bist Du zu Deiner künstlerischen Sprache gelangt? Und wie versteht man das Verhältnis zwischen kleinformatigen Wohnhausmodellen und lebensgroßen Räumen in Deinen Installationen?

TS: Ich habe als Fotografin angefangen und immer mit dem Mix von Medien gespielt. Dann produzierte ich eine Reihe von Collagen, eine trug den Namen 1881 Chestnut Stree. Hierbei handelt es sich um ein Backstein-Apartment-Gebäude, bei dem die Vorderwand fehlt, sodass alle Zimmer zu sehen sind. Dieses Haus lieferte mir die Idee dazu, ein Miniatur-Haus zu bauen, das collagiert wurde. Von hier aus wuchs die Arbeit organisch weiter und wurde 2004 um ein Video erweitert. Der Größenunterschied ist sehr interessant für mich. Die Maßstabsverschiebungen zeigen, wie sich die Realität aufgrund ihrer Wahrnehmung ständig verändert.

MB: Was hast Du für Gewohnheiten, lebst Du hier in Berlin so wie in Oakland, Deiner Heimatstadt?

TS: Hier bin ich mehr unterwegs! Es fühlt sich viel einfacher an, hier in der Stadt herumzukommen. In Oakland fühlt es sich oft an wie eine Wanderung zur Nacht der Eröffnungen nach San Francisco. Hier gibt es so viel zu unternehmen!

MB: Welche Orte magst Du besonders in Berlin? Hast Du ein Lieblingsrestaurant, eine coole Bar, die Du abends besuchst? Oder kochst Du selbst?

TS: Berlin ist im Sommer natürlich am schönsten. Als ich 2016 im Wedding lebte, fuhr ich sonntagmorgens mit dem Fahrrad zum Mauerpark, aß etwas, shoppte ein bisschen auf dem Flohmarkt und fuhr zurück in mein Studio, um zu arbeiten. Ich mag den Humboldthain Park, die verrückten kleinen Läden in der Karl-Marx-Straße, den türkischen Markt in der Nähe des Bethanien. Ich liebe das türkische Essen hier – so viel Auswahl. Ich bekomme nie genug von Lamm Kebab.

MB: Welches sind Deine Pläne für die Zeit nach dem Stipendium?

TS: Ich nehme bald an einer einmonatigen Residency in New Orleans teil, dann folgt eine Ausstellung zu Hause – dort werde ich Familie und Freunde besuchen und im Anschluss kehre ich zurück nach Berlin.

MB: Vielen Dank für das tolle Künstlerinterview, Tracey!

Tracey Snelling

Aktuelle Ausstellung

GoArt! Studio Visit

 

Studio Visit: Working Title

February 2, 2018

Studio Visit bei Working Title

Noch überwältigt ist das brandneu gegründete Label Working Title von seinem Erfolg auf dem diesjährigen Vogue Salon. Als logische Konsequenz geht es aus 12 Jahren Zusammenarbeit der längst bekannten Antonia Goy mit Ihrem Partner und Architekten Björn Kubeja hervor, der zunehmend auch in stilistische Fragen involviert war. Ihre Kollektionen, ein Mix aus hochqualitativem Schneiderhandwerk im Bereich der Haute Couture mit Avantgarde-Elementen, Applikationen, Schleppen oder Prints, präsentieren sich nunmehr auch in vollständig nachhaltigem Gewand. Miriam Bers traf das Designer-Duo bei einem Studio Visit.

 

MB: Wie beginnt Euer Tag?
WT: Caffè!

MB: Wie kommt es zum Mix aus Haute Couture, Avantgarde Elementen und Minimalismus?
WT: Uns hat die künstlerische Ausrichtung der Kunsthochschulen, die wir besucht haben maßgeblich beeinflusst. Le Corbusier, Mies van der Rohe, Bauhaus, Kunst, Kultur und Designgeschichte. Von den Alten Meistern bis zur Moderne bietet sich ein Fundus an Formen, Farben, Stimmungen und Konzepten vor dessen Hintergrund sich eine eigene Handschrift entwickelt. Die Liebe zum Weglassen, zu den klaren Formen und spannenden Details ist uns beiden eigen: Antonia kam mit den Kollektionen von Jil Sander im Pressebüro Karla Otto in Berührung. Björn ist großer Fan von Rem Koolhaas, Tadao Ando und dem japanischen Architekturduo Sanaa.

 

MB: Euer Stil in drei Sätzen zusammengefasst:
WT: Minimaler Down-to-Earth Luxury für moderne selbstbewusste Frauen. Lässigkeit und Eleganz in einer coolen zeitgenössischen Mischung. Zudem komplett polyesterfrei und aus nachhaltigen ehrlichen Materialien!

MB: Welche Epoche inspiriert Euch am meisten (Design, Architektur, Kunst)?
WT: Am meisten inspirieren uns die klassische Moderne und die Renaissance. Aber grundsätzlich sind wir offen für alles, denn so Vieles ist inspirierend!

MB: Welchen KInofilm habt ihr zuletzt gesehen?
WT: Suburbicon.

MB: Wie ist Eure Wohnung gestylt, was für Möbel bevorzugt ihr?
WT: Unsere Wohnung ist schon eher modern und minimalistisch eingerichtet. Alt und neu, geerbt, gefunden sind bei uns gemischt… Es ist eher in Mix von Dingen und Gegenständen die uns gefallen und kein übergeordneter Stil.

MB: Welcher ist Euer Lieblingsort in Berlin?
WT: Der Weg entlang der Havel unterm Grunewaldturm.

MB: Euer Sehnsuchtsort?
WT: Das Meer.

MB: Wie endet Euer Tag? Selber Kochen oder Essen gehen?
WT: Egal wann wir nach Hause kommen, wir kochen noch etwas Leckeres – das entspannt…

MB: Rezeptidee?
WT: Spaghetti Carbonara mit Zucchini Julienne anstatt Speck. Spaghetti al dente kochen, Zucchini in feinen Streifen geschnitten in Olivenöl und Knoblauch anbraten. Eier, Sahne, Parmesan, frischen Pfeffer verquirlen und alles in einer angewärmten Keramikschüssel vermengen. Voilà!

 

Working Title

GoArt! Studio Visit