GoArt! besucht das CCA Andratx auf Mallorca

April 16, 2019

Im März besuchte GoArt! das CCA Andratx auf Mallorca und interviewte die Inhaberin und Gründerin Patricia Asbaek zu ihrer Kunstinstitution. 

Miriam Bers (MB): Lebst Du auf Mallorca? Wie beginnt dein Tag?

Patricia Asbæk (PA): Ich lebe etwa die Hälfte des Jahres hier – ca. 5 Monate. Ich pendle zwischen Kopenhagen und der Insel, bin zu Ostern wieder da und dann im August und September. Mein Mann Jacob ist das ganze Jahr über in Andratx. Und wie Du eben sehen konntest beginnt mein Tag mit Aufräumen.

Miriam Bers und Patricia Asbaek

MB: Ihr hattet über 40 Jahre eine Galerie in Kopenhagen. Sie wird heute von einem eurer Söhne geführt. Vor knapp 20 Jahren habt ihr euch entschieden dieses wundervolle Zentrum für zeitgenössische Kunst CCA Andratx auf Mallorca ins Leben zu rufen. Kannst Du mir mehr über die Idee und den Prozess erzählen, der dahinter steckt?

PA: Wir hatten 45 Jahre lang eine Galerie, aber es ist nicht dieselbe, die mein Sohn hat, seine heißt Martin Asbaek Galerie. Bis auf 3 Künstler von uns, die er in sein Portfolio übernommen hat, ist sie unabhängig von unserer. Martin ist unser mittlerer Sohn, mein älterer Sohn ist Kunstberater und eröffnete 2018 gemeinsam mit seiner Frau Tania auch eine eigene Galerie  – sie heißt ’Collaborations’ und befindet sich in Kopenhagen. Martin Asbæk zeigt die beste Fotokunst in Skandinavien und Thomas’ ‘Collaborations’ arbeitet mit Johann König, Esther Schipper und vielen anderen zusammen. Er hat unter anderem Ausstellungen mit Alicja Kwade kuratiert.
Alicja und Gregor Hildebrandt waren auch schon in Andratx. Gregor ist ein absoluter Filmfan. Mein jüngster Sohn Pilou ist Schauspieler und als Gregor hier war spielte er gerade in der dänischen TV Serie ’Borgen’, die Gregor kannte. Erst danach  wurde Pilou mit Game of Thrones zum Weltstar.
Alicja und Gregor sind mit die nettesten Künstlern die wir hier hatten. Kürzlich besuchte ich Alicjas Atelier in Berlin. Es ist größer als das CCA, und sie hat mehr Mitarbeite als wir jemals hier in Andratx hatten.

 

Über das CCA Andratx: 1989 kauften wir ein Stück Land auf Mallorca, das ursprünglich nur für uns selbst gedacht war – eine alte Finca die Jacob renovierte und die unser Sommerhaus werden sollte. Aber es war zu schön, um es nur für uns zu behalten und so entschieden wir, es mit Künstlern, Kunstliebhabern und Sammlern zu teilen. Wir hatten den Wunsch eine Mischform zu schaffen, die es so nicht gab: einen Ort für Stipendiaten, eine Kunsthalle und zugleich eine Galerie.

Das Land war eine sogenannte ’zona rustica’ und wurde dann in eine ‚zona social’ umbenannt, was bedeutet dass man außer Krankenhäusern, militärischen Einrichtungen oder Kulturorten nichts bauen durfte; dennoch hat es 5 Jahre gedauert, die Erlaubnis zu erhalten mit dem Projekt zu beginnen. Die Leute aus der Umgebung dachten, es sei ein Ort um Geld zu waschen. Aber wie mein Buchhalter so treffend sagte, muss es ein sehr tiefes Loch sein aus dem das Geld nicht wieder heraus kommt.
Wir haben das CCA aus Überzeugung geschaffen. Es ist mit viel Leidenschaft zur Kunst entstanden – wir wollten nach 35 Jahren in Dänemark eine internationale Plattform und einen Treffpunkt für Kunstschaffende unterschiedlicher Nationen schaffen – zur gegenseitigen Inspiration und um die Zusammenarbeit zu fördern – nicht Konkurrenzdenken.

CCA Andratx

MB: Wie wurde der Ort genutzt, bevor er von Euch in das CCA transformiert wurde? Wer hat dieses schöne Gebäude entworfen? Es gibt soviel Platz hier, mit vielen Sitzecken und sogar zum Spazierengehen, zum Nachdenken, zum Diskutieren – es ist viel mehr als ein reiner Ausstellungsort.

PA: Mein Ehemann Jacob Asbæk ist der Architekt des CCA – er fertigte die Konstruktionszeichnungen gemeinsam mit einem Fachmann aus Mallorca an. Und die Person, die die Steinmauer errichtet hat, ist ein wahrer Künstler, er ist der Beste auf der ganzen Insel aber auch der Teuerste. Zu Beginn hatten wir viel Geld, aber nachdem wir mit dem Bauen begannen, war keines mehr übrig.
Wir konnten das CCA 2001 eröffnen, dank vieler guter Freunde die uns unterstützten. Aus der Kunstwelt waren es Karola Grässlin und Christian Nagel. Heute ist es immer noch Jochen Hempel, der uns zur Seite steht. Und wir sind sehr dankbar dafür.
Kurios ist, dass die Galerien, die uns unterstützen, ausländische Galerien waren. Jetzt nach 18 Jahren möchten endlich auch lokale Galerien mit uns kooperieren – damals kamen sie noch nicht einmal mal zu unseren Abendessen.

Ich habe diesen Platz auch aus der Befürchtung heraus geschaffen, dass der Kunstbetrieb immer mehr an Leidenschaft verliert und Kunst immer kommerzieller und zu einer Art Sport wird. In diesem Punkt möchte ich, dass wir alle zusammenhalten. Als Vorsitzende des Zulassungsausschusses vom Art Forum in Berlin beispielsweise erlebte ich extrem viel Konkurrenz seitens der ansässigen Galerien. Sie führte letztlich zum ‚Aus’ der Messe.
Unser Ziel war es Grenzen zwischen Galerien und Institutionen zu überwinden. Die Galerien sind die, die Wagnisse gerade mit jüngeren Künstlern eingehen und dafür verdienen sie höchsten Respekt.

CCA Andratx

MB: Das CCA arbeitet mit internationalen Künstlern wie etwa Shiharu Shiota und Claus Rottenbacher, aber auch mit mallorquinischen Talenten. Und Ihr habt ein Stipendiaten-programm mit vier Studios kreiert. Nach welchen Kriterien werden dort die Künstler ausgesucht?

PA: Das CCA ist wie ein kleines Kloster gestaltet und sein Herz sind die Künstlerstudios. Wir erhalten über 600 Bewerbungen jährlich (davon 50% aus Berlin), aber können nur 48 Künstler aufnehmen. Von diesen sind dann auch etwa 50% aus Berlin. Mein guter Freund Christian Nagel sagte einmal, Berlin ist die einzige Stadt der Welt mit 8000 Künstlern, 800 Galerien und 80 Sammlern.
Die Auswahl der 100 Interessantesten und Professionellsten ist recht einfach. Aber dann wird die Entscheidung sehr schwierig. Das Problem ist auch, dass Künstler oft ein zweites Mal kommen möchten: und wir lieben sie natürlich und möchten dass sie noch einmal zurückkehren!
Bei der Auswahl helfen mir unsere Koordinatorin und Kunstmanagerin Jacky und Malou, Kuratorin und Artist Liaison Managerin. Manchmal berate ich mich auch mit meinem guten Freund Barry Schwabsky.

Wenn Leute behaupten, die Qualität von Kunst sei reine Geschmackssache, stimme ich nicht zu. Es ist einfach nicht wahr. Wenn man mehrere unabhängige Kunstprofis zur Qualität von Künstlerarbeiten befragt werden die meisten auf einen Nenner kommen. Natürlich hat jeder seine Vorlieben, ich mag Minimalismus, andere mögen Expressionismus oder Konzeptkunst, aber ich verstehe trotzdem immer, was in den anderen Genres gut ist. Was wir nicht wollen sind Epigonen und das reduziert die Auswahl erheblich. Ein Künstler muss seine eigene Handschrift haben. Nach so vielen Jahren der Auseinandersetzung mit Kunst erkennt man das sehr schnell.

Qualitätskriterien erlangt man durch das Studium der Kunst aber auch Intuition, ein Mix aus beidem. Ich bekomme plötzlich so eine Gänsehaut im Nacken und frage mich: warum macht der Künstler das, es ist so anders. Aber wie kann man das jemandem erklären, der das nicht fühlt?
Zugleich muss man gründlich und methodisch Schauen. Ich habe das als junge Frau von einem Freund unserer Familie, dem dänischen Verleger Jarl Borgen gelernt.

MB: Mir gefällt Eure Ausstellung “Arrels. Art Ceramic in Mallorca” sehr, die noch bis zum 09. Juni 2019 zu sehen ist. Im CCA zeigt Ihr Konzeptkunst und Malerei neben Keramikarbeiten. Ist das ein persönliches Statement oder beruht es vielmehr auf der Idee, das Zentrum für ein breiteres Publikum zu öffnen?

PA: Die Stipendiaten, die hierher kommen, wollen am Wesen der Kunst arbeiten, zur Essenz kommen und das heißt sie tauchen gleichfalls in die Genre Zeichnung und Keramik ein. Abgesehen davon habe ich noch nie einen guten Künstler gesehen, der nicht auch gute Zeichnungen macht. Und auch wenn man Keramik vor 10 Jahren tot gesagt hat, lieben die Künstler sie heute immer noch, vielleicht sogar mehr als zuvor.
Wie bereits gesagt, gibt es kein ‚schlechtes’ Kunstgenre und wir haben immer Photographie, Malerei, Skulptur, Keramik, Video- und Installationskunst ausgestellt.

Für einige Leute sind wir zu konzeptuell, aber unser Ziel ist es immer aktuellste zeitgenössische Kunst zu zeigen. Eine der schönsten Ausstellungen die ich je gesehen habe ist Oxalis: sie ist wie eine Zeichnung im Raum. Ihre Künstler Shane Bradford, Benedikt Hipp, Mary McDonnell and Sissel Marie Tonnsind jung aber sie sind wirklich gut. Während der Gestaltung der Ausstellung haben sie die Galerie bewohnt und dadurch ein Gefühl für alle Blickwinkel und den Umgang mit Licht und Schatten bekommen. Das ist wohl der Grund warum sie in der Lage waren mehr den Raum und weniger die Wände zu nutzen. Wenn Du lernen möchtest wie du sehen musst, ist das eine wundervolles Beispiel, die ganze Harmonie  – nicht eine Linie, nicht ein Schatten sind nicht durchdacht! In Oxalis kannst Du diese Vielfalt erspüren: die Ausstellung ist fast wie ein von der Art Povera inspiriertes Theater.
Manche Besucher gehen in einen Raum und sagen: „Das gefällt mir nicht“. Meiner Meinung nach ist es unsere Verantwortung, Menschen das Sehen beizubringen wenn es um Kunst geht.

courtesy: CCA Andratx

courtesy: CCA Andratx

MB: Wie haben die Mallorquiner auf diese renommierte Kunsthalle reagiert? Gibt es Kollaborationen mit politischen Akteuren oder der Stadt Palma? Erhaltet Ihr finanziellen Support von der Insel?

PA: Wir eröffneten 2001 und die einzigen, die uns von Beginn an unterstützten und an uns glaubten war die Stadtverwaltung von Andratx. Letztes Jahr erhielten wir vom Präsidenten der Insel die Goldmedaille für Kultur die erstmalig an Ausländer verliehen wurde. Wir sind sehr stolz und dankbar darüber.
Zudem hat sich unser Sohn Pilou, der den Bösen Euron Greyjoy in Game of Thronesspielt, als guter Held herausgestellt. Letztes Jahr wurde er – ebenfalls vom Präsidenten – an Stelle von Michael Douglas als Kulturbotschafter der Insel benannt.

Nach diesen beiden Ereignissen erhielten wir schließlich die wunderschöne Einladung, in der Pelaires Galerie in Palma anlässlich unserer neuen Mitgliedschaft der Art Palma Association auszustellen.  Die Ausstellung heißt ‘A Landscape of the Nature within’ und zeigt Arbeiten desDeutschen Malers  Carsten Fock (der inzwischen in Berlin lebt), sowie zweier Dänen, Absalon Kirkeby und Karl Troels Sandegaard. Alle Drei waren CCA Stipendiaten der letzten Jahre. Die Ausstellung wurde am 23. März eröffnet und läuft 3 Monate lang.
All die positiven Entwicklungen lassen mich an das Bild des Pelikan denken: man schaut ihn an und denkt er kann nicht fliegen weil er so schwer ist, aber dann plötzlich hebt er seine Flügel und schwebt in die Lüfte. Alle sagten, wir würden es nicht schaffen, aber wir sind immer noch da!
Heute haben wir mehr Besucher und verkaufen auch mehr Werke als noch vor zwei Jahren. Das heißt, alles geht definitiv in die richtige Richtung. Unsere Söhne unterstützen uns sehr aber sie sind natürlich mit ihren eigenen Karrieren beschäftigt – wir müssen Partner finden bevor ich 80 werde. Jemanden, der versteht, was wir da aufgebaut haben. Die Qualität unserer Ausstellungen ist nie gesunken. Ich könnte mir vorstellen, dass es Deutsche sein sollen, denn sie haben eine bessere Kunsterziehung als Dänen, schon aufgrund all der Kunsthallen und Kunstvereine.

MB: Kannst Du mir etwas über die bevorstehenden Projekte erzählen?

PA: Unsere derzeitigen Fellows Kristian Kragelund, Karl Monies, Elisabeth Molin und Nathan Peter haben ihre Ausstellungen am 29. März eröffnet und wir werden zu Ostern – wenn mehr Leute auf der Insel sind – eine offiziellere Eröffnung haben. Am 18. April zeigen wir Le hasard et la nécessicité. Er bezieht sich auf den Nobelpreisträger Jaques Monod, aber zeigt letztlich Arbeiten von vier Künstler*innen, die auf die eine oder andere Weise die Spannung zwischen Veränderung und Notwendigkeit im Leben thematisieren. Am selben Tag eröffnen wir ALL INCLUSIVE, eine Ausstellung die Werke von unseren aktuellen Künstler Residenzen Ditte Ejlerskov und Johan Furåker zeigt.
Im Mai freuen wir uns einige meiner Lieblingskünstler*innen begrüßen zu dürfen die bereits vor vielen Jahren hier waren: Matthias Bitzer, Sebastian Hammwöhner and Gabriel Vormstein. Unser vierter Künstler wird Michael Sailstorfer sein, den ich auch sehr mag – für ihn ist es das erste Mal hier in Andratx. Es wird eine richtige gute Gruppe!

CCA Andratx

Coleccionar Arte Contemporáneo spricht mit GoArt über Tendenzen des Kunstmarktes

March 19, 2019

Vanessa Garcia-Osuna interviewte Miriam Bers zu ‚Tendencias des Mercato del Arte‘ für coleccionar arte contemporáneo.

Miriam, wie bist du Kunstberaterin geworden?

Bereits während meines auf moderne und zeitgenössische Kunst spezialisierten Kunstgeschichtsstudiums haben mich künstlerische Werdegänge und ihre sukzessive Positionierung auf dem Kunstmarkt interessiert. Ich begann damals journalistisch tätig zu sein. Nach ersten Arbeitserfahrungen in kommerziellen Galerien wurde ich Leiterin der Galerie K&S in Berlin, eines institutionellen Ausstellungraums und Schaufensters der Akademie Schloss Solitude Stuttgart, des Künstlerhauses Bethanien Berlin sowie des ZKM Karlsruhe. Als Kuratorin begleitete ich dort Stipendiaten aus aller Welt, aber auch ausgesuchte in Berlin ansässige internationale Künstler auf dem Weg in ihre Karriere. 2006 gründete ich schließlich GoArt!, eine Kunstvermittlungs- und Beratungsagentur.

Miriam Bers, Kunstberaterin und Gründerin von GoArt! Berlin.

Wie würdest du den wachsenden Einfluss einer Kunstberaterin auf das Kunstsystem erklären? 

Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Die Zahl der Sammler, aber auch Künstler hat sich multipliziert. Internationalisierung, der asiatische Markt, dabei insbesondere China, Osteuropa oder Investoren aus arabischen Ländern haben Angebot und Nachfrage verändert. Hinzu kommt, dass in Zeiten niedriger Zinspolitik bei klassischen Kapitalanlagen vermehrt in Kunst investiert wird. Nicht alle Berater kommen aus dem Kunstbereich, und auch Sammler, die Kunstkäufe vor allem unter dem Aspekt einer Geldanalage betrachten, sind mitunter im Finanzbereich tätig. Hier spielt der secondary market eine große Rolle. Auf der anderen Seite stehen Sammler, Kunstliebhaber mit nachhaltigen Vorstellungen, die sich in einem immer größer werdenden Kunstdschungel Überblick verschaffen möchten und auch inhaltliche Expertise suchen. Hier greift der Berater aus dem Kunstfach – zu dem auch ich mich zähle – in erster Linie mit Fokus auf den primary market, d.h. Galerien und Künstler.

Was sind die Vorteile wenn man mit einer Kunstberaterin arbeitet? Was machst du genau?

Das ist von Fall zu Fall verschieden und hängt immer vom Kunden ab. Mit Newcomern, die auch inhaltlichen Mehrwert suchen, verbringe ichmöglichst viel Zeit um herauszufinden was sie interessiert und wie ihre zukünftige Sammlung aussehen kann. Das ist auch einer der Gründe, warum ich seit kurzem an einem Konzept für „art classes“ arbeite: Kunstverständnis, Qualitätskriterien und  Marktzusammenhänge sind komplexe Themen. Für Kunden, die bereits sammeln und mitunter von weit her nach Berlin reisen – den weltweit größten Produktionsort zeitgenössischer Kunst –  treffe ich häufig eine an sie angepasste Vorauswahl – aufwandsabhängig auch mit Portfolio- bzw. digitaler Montage/Renderings in Abbildungen von den Räumen, die ausgestattet werden sollen. Das ist eine immense Zeitersparnis und kann auch vor den persönlichen Treffen mit Galerien und Künstlern stattfinden. (M)ein Beraternetzwerk ermöglicht bei der persönlichen Begegnung dann selbstverständlich den Blick hinter die Kulissen. Advisor vertreten ja nicht Künstler oder Galerien, sondern den Kunden und sind daher neutral. Mein Team und ich kümmern uns um alle Dienstleistungen, die mit einem Erwerb zu tun haben  – besuchen Messen im Auftrag des Sammlers und begleiten auf Wunsch auch den Transport und die Hängung der Werke.

Was sind die Herausforderungen, die einer Kunstberaterin heute begegnen?

Das Zurechtfinden in einem immer größer werdenden Markt, und daran geknüpft auch dem anwachsenden online Angebot und Verkauf. Da Kunst ja von einer Vielzahl an Aspekten bestimmt wird ist es vor allem bei emerging artists schwierig sich nur an Zahlen zu orientieren. Fragen nach dem Bestand, der Kontinuität, aber auch dem Stellenwert einzelner Werke spielen dabei eine wichtige Rolle – keiner möchte Arbeiten kaufen, die bereits an Wert verlieren; Entscheidungen, ob eine Sammlung eine mittel-bis langfristige Anlage werden oder vielmehr Mainstream repräsentieren soll. Und ganz wichtig, welche Konsequenzen resultieren aus welchen Vorlieben, aus der Entscheidung für eine Gattung wie Fotografie, Videokunstoder Performancebeispielsweise. Das geht bis hin zu konservatorischen Fragen.

photo credit: goart!berlin

Wie können sich Entscheidungen einzelner Sammler auf den Kunstmarkt auswirken?

Eine Sammlung ist ja zumeist auch ein Prestigeobjekt. Ein Sammler, der die von ihm erworbenen Gemälde, Photoarbeiten, Objekte usw. öffentlich macht kann natürlich auch Trends setzen. Und ein großer einflussreicher Kollektor verfügt über mehr Kapital als die meisten Museen und kann auf diese Weise schneller junge Künstler etablieren, als staatlich betriebene Kunstinstitutionen. Noch nie wurden so viele private Ausstellungshäuser oder auch öffentlich zugängige Sammlungen wie heute gegründet. Denken Sie an Christian Boros, der sich für seine Sammlung einen WW2-Bunker in Berlin als Ausstellungsort umbauen ließ und einer der ersten war, der sich für Künstler wie Olafur Eliasson interessierte; oder an die bereits über zwei Generationen etablierte Sammlung Maramotti, den Eigentümern des Label Max Mara. Luigi Maramotti entdeckte Künstler wie Jacob Kassay längst bevor er auf dem Markt umkämpft war. Mythischen Status genießt Charles Saatchi, Kunstmäzen und –spekulant, der in den 1990ern junge britische Talente wie Damien Hirst oder Sarah Lukas förderte, sie aber auch in Mengen kaufte und verkaufte und damit sowohl Preise als auch Kuratoren und andere Sammler beeinflusste.

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Der Kunstmarkt hat ungeahnte Level erreicht. Welche Aspekte erklären dieses exponentielle Wachstum?

Es gibt mehr wohlhabende Menschen auf der Welt als früher. Klassische Kunst bis hin zur klassischen Moderne ist auf Auktionen inzwischen heiß umkämpft, die Rezeption zeitgenössischer Kunst im Zeitalter der Wissensgesellschaft hingegen leichter und populärer geworden. Neue Märkte haben sich entwickelt: asiatische oder arabische Länder, etwa Hong Kong sowie Dubai und Abu Dhabi als Zentren der nahöstlichen Kunstwelt. Kunst öffnet Türen und ist zugleich öffentlich,  und mit diesem Mehrwert ‚bemerkenswerter’ als zum Beispiel  Gold, das nur im Safe liegt. Darüberhinaus verbindet Kunst Menschen verschiedenster Kulturen und Herkunft, schafft internationale Identität, Netzwerke und sowie einennicht zu unterschätzenden Mehrwert.

photo credit: goart!berlin

Was waren wichtige Veränderungen, die den Kunstmarkt die letzten Jahre beeinflusst haben? (Zum Beispiel das Aufkommen des INternets, Globalisierung, etc.)

Das Phänomen der Globalisierung prägt selbstverständlich auch die Kunstwelt. So gibt es Bluechip-Galerien, aber auch Messen, die Dependancen in Berlin, London, Los Angeles oder Singapur eröffnen. Oder Galerien, die sich in Agenturen umwandeln, um flexibler internationale Projekte und Kooperationen schaffen zu können. Es gibt auch Galeristen, die umsatteln und für Auktionshäuser arbeiten. Jüngere Trends sind Finanzberater aus dem Immobilien-Bereich, die nunmehr auch Kunst in ihrem Portfolio haben. Ein Makrotrend ist der spekulative und damit größer werdende secondary market, der auch die Preise für zeitgenössische Kunst in die Höhe treibt. Hinzu kommt eine junge Sammlerschaft, die mit der Digitalisierung der Gesellschaft groß geworden ist. Marktangebote über das Internet, Künstler, die sich direkt auf Internetportalen anbieten, stellen eine weitere Herausforderung für den Sammler dar. Er kann hier optisch Vorsondieren, was ihm gefällt.

photo credit: goart!berlin

Kann Kunst ein gutes Investment sein? Kannst du uns Beispiele dafür nennen?

Ja, dafür gibt es eine Vielzahl an Beispielen auch aus dem zeitgenössischen Kunstbereich. Kunst ist zunächst ja grundsätzlich eine Mehrwert und Ansehen schaffende Investition. Und eine Künstlerkarriere entsteht in komplexen Zusammenhängen: hinter den emerging Künstlern stehen ja Galeristen, Fachleute aus Museen, Kunstvereinen, Kritiker und Kuratoren, die viele Ressourcen das Oeuvre investieren. Wir leben in einer Zeit des Bilderkonsums und Auswahlkriterien sind daher wichtiger denn je. Ich beobachte Künstlerkarrieren seit über zwei Jahrzehnten. Denken Sie an Thomas Demand, der 1992 seine erste Einzelausstellung in München hatte und nunmehr längst im Guggenheim Museum Bilbao oder dem Museum of Modern Art in New York zu sehen war. Shiharu Shiota, die ich 1999 noch als Meisterschülern von Rebecca Horn ausstellte, ist seit kurzem eine der Stars der Galerie Blain Southern, letztere übrigens mit Sitz in London und Berlin. Gleiches gilt für die unkonventionelle Performance – und Videokünstlerin Katarzyna Kozyra, die heute zu den wichtigsten zeitgenössischen polnischen Künstlerinnen zählt. Einer der erfolgreichsten und international bekannten Maler Deutschlands ist Jonas Burgert, der 2004, vor 15 Jahren  Probleme hatte, für seine Werke Käufer zu finden.

Shiharu Shiota, The Key in the Hand, Japanese Pavillon, Biennale 2015, photo credit: goart!berlin

Gibt es spezifische Regionen, Bewegungen und/oder Künstler*innen, denen du momentan besondere Beachtung schenken würdest?

Eine spannende neue Tendenz ist Street Art. Das hat viel mit dem aktuellen Zeitgeist zu tun, und der Begeisterung für Hip-Hop-Subkultur.Berlin als Stadt des Auf- und Umbruchs mit all ihren Freiheiten, beherbergt eine viele Urban Artists. Inzwischen gibt es Messen und Galerien, die sich diesem Trend widmen. Auch für junge Sammler ist er attraktiv, da die Preise zumeist noch im vierstelligen Bereich liegen. Gleichsam wird mehr Fotografie gekauft als früher. Generell denke ich, dass Europa mit Themen wie Nachhaltigkeit und Migration weiterhin ein sehr bedeutender Hub für Künstler und Sammler ist. Berlin hat eines der größten weltweiten Künstlernetzwerke, offizielle Zahlen belegen über 20.000 internationale Kunstschaffende in der deutschen Metropole. Hier sind Protagonisten wie Olafur Eliasson, Thomas Demand, Thomás Saraceno oder Katharina Grosse bekannt geworden. Kunst ist wie eine Pflanze die da wächst, wo sie geeigneten Humus findet. Die Anziehungskraft, die Paris oder New York vormals auf Künstler ausübte, hat heute Berlin, auch am Drehpunkt zu Osteuropa befindlich. Spanien wiederum ist seit Jahrzehnten das Tor zu Südamerika, wie nicht nur die Arco in Madrid belegt.

 

photo credit: goart!berlin

Tautes Heim – Leben im UNESCO Weltkulturerbe

February 12, 2019

Das Ferienhaus „Tautes Heim“ ist ein Projekt der Landschaftsarchitektin Katrin Lesser und des Grafik-Designers Ben Buschfeld. Von Bruno Taut geplant, befindet es sich in dem Unesco Welterbe „Hufeisensiedlung“ und gewann 2013 den „EU Preis für das Kulturerbe/Europa-Nostra-Preis“. Katrin Lesser und Ben Buschfeld hatten das 65 qm große Haus 2010 erworben und im Laufe von zwei Jahren denkmalschutzgerecht saniert. Besucher der Stadt und Architekturfans können „Tautes Heim“ temporär mieten.

Miriam hat die beiden für ein Interview getroffen:

MB: Wie beginnt Euer Tag?

BB: Wir sind beide selbständig und Frühaufsteher, brauchen also glücklicherweise keinen Wecker. Der Tag beginnt dann natürlich erstmal mit einem entspannten Frühstück, frischer Dusche und Obstsalat, aber dann geht es in aller Regel auch gleich an die Arbeit.

MB: Wo befindet sich das ‘Tautes Heim“ und wie kam es überhaupt zu der Idee?

KL: Wir wohnen privat bereits seit rund 20 Jahren in der Hufeisensiedlung, nur knapp 100 Meter von „Tautes Heim“ entfernt. Wir fühlen uns hier sehr wohl, engagieren uns im Denkmalschutz, haben beide mehrfach zu der Siedlung publiziert und geben auch selber Führungen. Eine solche Führung ist meines Erachtens komplett, wenn auch Innenräume besichtigt werden. Der Grund ist simpel: Erst im Inneren der Häuser und Gärten lässt sich die hohe Wohn- und Lebensqualität hinter den farbenfrohen Fassaden zumindest schon mal erahnen. „Licht, Luft und Sonne“ war damals das Credo der Planer. Man wollte der Enge der Mietskasernen etwas entgegensetzen.

Tautes Heim, Außenansicht (www.tautes-heim.de)

MB: Wie wurde es möglich ein unter Weltkulturerbe stehendes Gebäude tageweise zu vermieten?

KL: Das hat wesentlich damit zu tun, dass die Hufeisensiedlung – anders als die anderen fünf als Welterbe geführten „Siedlungen der Berliner Moderne“ – zu großen Teilen in Einzeleigentum umgewandelt wurde, was ihren homogenen denkmalgerechten Erhalt deutlich erschwert. Aus dieser Situation heraus haben wir mehrere Projekte gestartet, die sich der Denkmalvermittlung widmen und gleichermaßen an Nachbarn, Politik und Außenstehende richten. Vor Ort gut vernetzt, kennen wir viele Häuser der Siedlung von innen. Eines Tages haben wir Freunde von Nachbarn bei der Besichtigung eines zum Verkauf stehenden Reihenendhauses begleitet. Das zuletzt von einer alten Dame bewohnte Haus war sehr verwohnt und extrem restaurierungsbedürftig. Die Freunde haben schnell abgewunken, aber wir waren sofort begeistert und haben nach einer Möglichkeit gesucht, das zu sichern und auch Außenstehenden zugänglich zu machen. Nachdem wir uns vergebens um Fördermittel bemüht hatten, kamen wir auf die Idee eines nach Museumsstandards möblierten Ferienhauses. Wir haben uns ins Risiko und in die Arbeit gestürzt und hoffen jetzt, über die Vermietung diese rein privaten Auslagen wieder zu refinanzieren. Das macht Spaß ist aber auch ein langer, von viel Idealismus getragener Prozess, der nur möglich war, weil wir bereits viel Vorwissen mitbrachten.

Hufeisensiedlung (www.tautes-heim.de)

Hufeisensiedlung Luftansicht, (www.tautes-heim.de)

MB: Ihr seid ein Paar; wie habt Ihr bei diesem Projekt die Aufgaben verteilt? Ich weiß zum Beispiel dass Du, Katrin Landschaftsarchitektin bist und erwirkt hast, dass die Hufeisensiedlung auch als Gartendenkmal eingetragen ist. Und Ben, welcher war Dein Part? Habt Ihr das Haus gemeinsam eingerichtet?

BB: Ich bin Grafik-, Web- und Ausstellungsdesigner mit Schwerpunkt Architektur- und Zeitgeschichte, also insofern auch einigermaßen vom Fach. Die gesamten Restaurierungs- und Planungsarbeiten sind ein echtes „Paar-Projekt“. Über zwei Jahre waren wir fast jedes Wochenende zugange und haben alles gemeinsam entschieden, ausgewählt und entworfen. Erst später sind wir arbeitsteilig vorgegangen, denn natürlich ist Katrin nicht nur viel versierter in Gartendingen, sondern außerdem auch eine super Bauleiterin. Ich hingegen konnte und kann meine beruflichen Qualitäten bei Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ausspielen und habe mich stärker um Fotos, Website, Networking und ähnliches gekümmert.

Tautes Heim, Wohnzimmer, (www.tautes-heim.de)

MB: Die temporären Bewohner und Architekturfans können im „Tautes Heim“ ja übernachten und arbeiten. Es gibt einen Schreibtisch und Wlan. Wie sieht es mit Kochen aus, kann ich das Haus mieten und Gäste zum Essen einladen?

KL: Prinzipiell ja, das Haus ist zwar voll mit Originalen aus der Bauzeit, gleichzeitig aber auch mit einer rundum funktionsfähigen Küche ausgestattet. Moderner Komfort wie Kühlschrank oder Spülmaschine haben wir einfach diskret hinter den Küchenfronten integriert. Auch der charmante kleine „Backofix“-Herd tut seinen Dienst. Allerdings ist das alles kein Highend-Equipment und das Haus ist mit nur 65qm ja recht klein. Insofern ist es sicher nicht der richtige Ort für ausgiebige Koch-Events. Aber bis zu vier Personen lassen sich gut verpflegen. Besonders schön sitzt man natürlich im Frühjahr und Sommer auch auf der Terrasse vorm Haus.

 

Tautes Heim, Küche, (www.tautes-heim.de)

Tautes Heim, Schlafzimmer, (www.tautes-heim.de)

MB: Wie klingt dann Euer Tag aus, kocht ihr gerne?

BB: Ja, ich koche sehr gerne. Katrin nicht ganz so sehr. Aber wir essen und kochen schon sehr regelmäßig, gut und bewusst – nicht nur für uns, sondern auch für Freunde und Gäste. Allerdings braucht man dazu natürlich auch Zeit. Und an der mangelt es aktuell leider ein wenig…

MB: Rezeptidee?

BB: Jetzt am Wochenende sind wir zum Geburtstag einer Freundin eingeladen und sollen etwas fürs Buffet mitbringen. Ich denke, es wird eine Mousse au chocolat und ein asiatisch-exotischer Salat – beides aber kein typisches Essen der Zwanziger Jahre…

Tautes Heim, Kammer (www.tautes-heim.de)

Römer + Römer zeigen neue Ausstellung im Haus am Lützowplatz

February 8, 2019

Die Ausstellung ‚Burning man – Electric Sky’ von Römer + Römer im Haus am Lützowplatz läuft vom 18.01.-10.03.2019. Nina und Torsten Römer sind ein deutsch-russisches Künstlerpaar. Beide studierten Malerei an der Kunstkademie Düsseldorf und waren Meisterschüler von A.R. Penck.  Bereits 1998, während ihres Studiums arbeiten sie zusammen. Sie hatten eine Vielzahl an internationalen  Ausstellungen und waren unter anderem zur Manifestina, im CCA Andratx Mallorca,  im Bröhan-Museum und im Palais de Tokyo zu Shows eingeladen. Das Paar lebt in Berlin.

Römer + Römer at Burning Man 2017

Miriam von GoArt! sprach mit Römer + Römer über ihre neue Ausstellung:

MB: Wie beginnt Euer Tag?

R+R: Wir öffnen das Fenster und schauen, dass hoffentlich das Dong Xuan Center nicht noch einmal brennt, wie wir es aus unserer Kreuzberger Wohnung einmal am Horizont gesehen haben.

MB: Ihr seid ein Künstlerpaar, lebt und arbeitet zusammen. Wie entstehen Eure Werke – entwickelt Ihr alles gemeinsam oder teilt ihr Arbeitsschritte untereinander auf?

R+R: Ping Pong! Wir entwickeln alles gemeinsam, schon seit 1998, als wir noch bei A. R. Penck in Düsseldorf studiert haben. Dort haben wir auch mit gemeinsamen Arbeiten den Meisterschüler und den Abschluss gemacht. Es gibt keine getrennten Werke. Von der Konzeption über die Recherche bis zur Umsetzung der Ideen findet alles im Dialog statt. An der Leinwand stehen wir „die Pinsel schwingend“ nebeneinander.

MB: Im Haus am Lützowplatz eröffnet ihr gerade die Ausstellung „Burning Man / Electric Sky“  deren Arbeiten aus Eurem Besuch des Burning Man Festivals in Nevada 2017 hervorgehen. Was zeigt Ihr?

R+R: Bis auf eine, sind alle Malereien über die Nacht in Black Rock City, der temporären Stadt des Burning Man. Im Fokus unserer Bildserie stehen Art Cars, LED-Lichtinstallationen sowie das Feuer und im Speziellen die Interaktion der Burner mit diesen Erscheinungen. Wir haben nicht den Anspruch das gesamte Festival zu repräsentieren, unser Interesse galt mit der Malerei vor allem diesen Aspekten. Die Bilder sind überwiegend recht großformatig, das größte ist ein Diptychon – 2,30 x 6 Meter.

exhibition view at Haus am Lützowplatz, photo: Eric Tschernow

MB: Was im Speziellen hat Euch an diesem Festival begeistert und wie setzt ihr Emotion künstlerisch um?

R+R: Emotion spricht wahrscheinlich am meisten durch die Farben die aus unseren Bildern leuchten. Begeistert hat uns vieles an Burning Man, das ja im herkömmlichen Sinne kein Festival ist sondern ein großes interaktiv-utopisch-hedonistisches Kunstspektakel-Abenteuer in der Wüste. Die Kultur des Schenkens ist toll, man kann nichts kaufen (außer Eis und Kaffee) und versucht sich gegenseitig Freude zu bereiten. Es wird ein alternativer gesellschaftlicher Umgang miteinander praktiziert.

Rabbit Transit, 2017, oil and acrylic on canvas, 230 x 300 cm, photo: Eric Tschernow

House of Enlightenment, 2018, oil on canvas, diameter: 120 cm, photo: Eric Tschernow

MB: Leitfaden Eures Oeuvres ist die Auseinandersetzung mit politisch und gesellschaftlich relevanten Großereignissen, etwa dem Karneval von Rio. Bauen Eure Arbeiten der letzten Jahre aufeinander auf: Kulturkommunismus, Partysträfling? Was genau bewegt Euch an diesen kollektiven Ausnahmezuständen? Könnt Ihr Euch damit identifizieren oder geht ihr analytisch vor?

R+R: Den Karneval in Rio erlebt man aus der Distanz als eine große sexy Samba-Party. Dass vieles daran sehr politisch ist, erlebt man dann vor Ort. Jede Sambagruppe hat ein Thema ihres Umzuges und der einzelnen Wagen. Eine Gruppe hatte zum Beispiel das Thema Rassismus und Sklaverei ziemlich extrem umgesetzt. Das Zusammenkommen der Teilnehmer aus allen verschiedenen Regionen und Vierteln, wie zum Beispiel auch vielen Favelas in der Vorbereitungszone vor dem Sambódromo, der Concentracao, mitzuerleben war sehr spannend.

Eine Bildserie entwickelt sich aus der nächsten. Nach „Sambódromo“ haben wir mehrere Jahre über das Festival FUSION gearbeitet, in das wir zur Recherche 5 mal eingetaucht sind. An kollektiven Ausnahmezuständen interessiert uns der entstehende eigene Kosmos der temporären Gemeinschaften. Es herrschen andere Spielregeln als „draussen“. Für uns ist die künstlerische Auseinandersetzung damit eine Kombination von Analyse und einfühlendes Miterleben.

LED-Bus, 2018, oil and acrylic on canvas, diameter: 100 cm, photo: Eric Tschernow

MB: Ein paar Worte zu Eurer Technik:

R+R: In unseren aktuellen Bildern sind gesprayte und lasierend gemalte Flächen mit tausenden von mit kleinem Pinsel getupften Dots kombiniert.

MB: Spannend finde ich Eure malerische Umsetzung von Fotografie. Das auf dem Foto Pixelige, das bei Euch in Handarbeit mit Tausenden von ‚dots’ vollzogen wird. Vertieft die Malerei den fotografischen Schnappschuss und bekommt dadurch etwas Kontemplatives?

R+R: Die Punkte sind zum Einen eine Referenz auf die Pixel, aber es geht zum Anderen auch darum, durch das Auflösen von Konturen und dem „Flirren“ eine Lebendigkeit und Bewegung ins Bild zu bekommen. Es ist dann nicht so eingefroren und bekommt etwas Filmisches. Der Prozess des Malens der tausend Tupfer ist sehr konzentriert und bringt Energie.

Art, 2017, oil on canvas, 100 x 130 cm, photo: Eric Tschernow

7:30 between GlamCocks and Contraptionists, 2018, oil and acrylic on canvas, 230 x 300 cm, photo: Eric Tschernow

MB: Wie endet Euer Tag, kocht ihr gerne und habt eine Rezeptidee?

R+R: Ja! Eine einfache Version von Okonomiyaki (japanisches Omelett):
100 g Kohl in feine Streifen und ein wenig Frühlingszwiebel in Ringe schneiden. Zusammen mit den 100 g Garnelen in den Teig geben und verrühren. Zwei Omeletts jeweils von zwei Seiten anbraten, dass diese durch sind. Warm mit Mayonnaise und Soja essen.

Hexagon Lounge, 2017, oil on canvas, 150 x 180 cm, photo: Eric Tschernow

Berlin Art Week 2018

October 5, 2018

Die Berliner Kunstszene startet in den Herbst. Vom 26.-30.9. bot die Berlin Art Week 2018 ein umfangreiches Programm etablierter und aufstrebender Künstlerinnen und Künstler. Mehr denn je lockte sie zahlreiche internationale Besucher in Ausstellungen Berliner Institutionen, privater Sammlungen, Galerien und Projekträume zeitgenössischer Kunst.

So ist ‚Open House for Open Minds‘ das Motto der Deutschen Bank Kunsthalle im neu eröffneten Palais Populaire im ehemaligen Prinzessinnenpalais Unter den Linden. Auch die kürzlich benannte Leiterin des Martin-Gropius-Bau Stephanie Rosenthal gab bereits im Frühjahr bekannt, das Programm verstärkt zeitgenössischen, auch experimentellen Tendenzen zu widmen. Zufolge ist mit der Ausstellung „Crash“ dort die erste Solo Show der in Südkorea geborenen Künstlerin Lee Bul in Deutschland zu sehen (bis 13. Januar 2019). In „Crash“ zeigt sie Skulpturen, Gemälde, Zeichnungen und raumgreifende Installationen.

Weitere Schwer- und Höhepunkte der Berlin Art Week sind die EMOP – Eröffnung (European Month of Photography) im C/O Berlin und Agnieszka Polska im Hamburger Bahnhof.

Vor Allem die art berlin und Positions Berlin sind Dreh- und Angelpunkt der Berlin Art Week 2018. Neuerdings zeigten beide Messen ihre Galerien  in den Hangars des ehemaligen Flughafengebäudes Tempelhof.

GoArt! zeigt einen kleinen Ausschnitt seines Berlin Art Week Hoppings mit Kunden. Was uns gefiel: zunehmend Keramik- und Glasarbeiten in der bildenden Kunst. Einer der seit über 25 Jahren mit dieser Gattung arbeitende Galeristen ist Trendsetter Geer Pouls. Er war mit Brutto Gusto Fine Arts zum ersten Mal auf der art berlin vertreten. 

GoArt! Berlin art consulting 

 

Paloma Proudfoot @Soy Capitán, Art Berlin

Carole Feuerman @Galerie Hübner+Hübner, Positions Berlin

Ashley Scott & H.M. Davringhausen @White Square Gallery, Positions Berlin

Brutto Gusto Fine Arts, Art Berlin

Julius Weiland @Lorch+Seidel Contemporary, Positions Berlin

Jelena Bulajic's Arbeit spiegelt sich im Werk von Tarik Kiswanson @carliergebauer, Art Berlin

Šejla Kameriç @Galerie Tanja Wagner, Art Berlin

Karin Sander @Esther Schipper, Art Berlin

Eva & Adele vor dem Stand der Galerie Neu mit Arbeiten von M.C. Chaimowicz, Art Berlin

Christian Hoosen @Tore Süssbier, Art Berlin

Zilla Leutenberger @Palais Populaire

Alicja Kwade @Galerie König

Alexander Golder @Fuchs Galerie

Matthew Brandt @C/O Berlin

Studio Visit mit Klaus Killisch

Klaus Killisch
September 4, 2018

GoArt! studio visit bei Klaus Killisch

Das Gemälde “Mann vor Mauer“ von Künstler Klaus Killisch aus dem Jahr 1988 ist noch bis zum 28.10.2018 in der Sonderausstellung „Die Schönheit der großen Stadt“ im Ephraim Palais zu sehen, die 120 hochkarätige Werke von Künstlern zeigt, die die urbanen und sozialen Strukturen der Stadt Berlin im 19. und 20. Jahrhundert repräsentieren. Der in der DDR geborene Künstler Klaus Killisch lebt seit 1972 in Berlin und hat in den 80er Jahren an der Kunsthochschule Weißensee zunächst Industriedesign und dann Malerei studiert. Expressionismus, die Bauhaus Idee, Pop und Punk, Bands wie die Einstürzenden Neubauten oder Nick Cave haben seinen Stil von Beginn an beeinflusst, der sich in einer sehr eigenen faszinierenden Art der Collage-Malerei ausdrückt. Musik als Klang oder als Material – Vinyl, Plattencover oder Porträts seiner Ikonen sind häufig Bestandteile der Gemälde.

Miriam Bers traf den Klaus Killisch zu einem Gespräch in seinem Atelier:

Miriam Bers: Du erzählst, dass die Stilikonen der 80er auch in Weißensee im ehemaligen Ostteil der Stadt Einzug hielten. Das ist zunächst schwer vorstellbar für Jemanden, der das nicht miterlebt hat. Wie ließ sich Punk und DDR vereinen? Wie kam es, dass sie Deine Arbeiten so maßgeblich prägten?

Klaus Killisch: In den 1980er Jahren ging es mir darum gute Musik zu hören und dazu Bilder zu malen: zum Beispiel Nick Cave & the Bad Seeds und Einstürzenden Neubauten waren inspirierend. Diese und andere Musik spiegelten gut unser Lebensgefühl wieder. Im Atelier war das wie Treibstoff, der mich beim Malen in Trance versetzte und antrieb. Das ist bis heute so geblieben. Sehr viel später erst habe ich erkannt, wie viel Zeitgeist in meinen Bildern steckt. Sehr sichtbar ist es bei “Seele brennt“ oder “Teutonisches Bild“ auf dem ein Wolfsmensch quasi aus dem Bildraum aufsteigt.

MB: Du erwähnst eine für Dich und weitere Künstler so bedeutende Gruppe um die Keramikwerkstatt Wilfriede Maaß, die in den 90ern auch eine Galerie in Berlin Mitte hatte.

KK: Die Keramikwerkstatt von Wilfriede Maaß war in den 80er Jahren Wohnzimmer  und Treffpunkt der subversiven Künstlerszene Ostberlins im Prenzlauer Berg. Künstler wie Cornelia Schleime, Wolfram Scheffler oder Angela Hampel haben dort Keramik bemalt. Als ich Wilfriede kennenlernte waren viele der Künstler schon im Westen. Dieser Exodus war ein Verlust, aber es entstanden wiederum auch Freiräume für uns, da weiter zu machen. Mit Wilfriede, Sabine Herrmann und Petra Schramm gründeten wir eine der ersten Produzentengalerien im Osten. Wir luden Künstler ein, in der Werkstatt zu arbeiten. Die entstandenen Keramiken und Objekte wurden dann in Korrespondenz mit den eigentlichen Kunstwerken ausgestellt. Für meine Ausstellung hatte ich in der Galerie blaue Wandbilder entworfen und davor die Keramiken inszeniert. Das sah ziemlich cool aus.In den 90er Jahren zogen wir dann mit der Galerie in die Gipsstraße. Wir waren quasi einer der Vorreiter für den später einsetzenden Kunstboom in Mitte. Ein Höhepunkt war die Ausstellung “Sake Bar“. Die Idee hatte Mikael Eriksson. In einer nachempfundenen Sake Bar konnte man sitzen und aus den bemalten Gefäßen trinken und diese auch kaufen. Neo Rauch, Carsten Nikolai und viele andere haben dafür Geschirr bemalt.

MB: Wie hat sich Dein künstlerisches Schaffen in den 90ern und bis heute entwickelt, im Brennpunkt Berlin? Hattest Du gleich Kontakte ins Ausland? Ich weiß dass Du 2004 die Gruppe “Collective Task“ gegründet hast, eine Art Mail Art mit einer Dichterszene in New York. Wie gestaltet sich das, welche Idee liegt der kollektiven Zusammenarbeit zu Grunde?

KK: Als die Mauer durch unsere friedliche Revolution fiel, war das für mich ein Glücksfall. Ich wurde zur Biennale in Venedig eingeladen. Meine expressiven Bilder waren Teil der Ausstellung Berlin! im Italienischen Pavillon. Das war aufregend und neu. Mit Hilfe von Stipendien und Ausstellungen reiste ich oft ins Ausland und blieb längere Zeit auch in Japan. Dann lernte ich den amerikanischen Dichter Robert Fitterman kennen. Mit ihm verbindet mich bis heute eine enge Freundschaft. Er hatte auch die Idee zu Collective Task. Wir beide organisieren CT inzwischen seit 10 Jahren. Die Idee ist relativ simpel: jeden Monat stellt ein Künstler oder eine Künstlerinaus der Gruppe eine Aufgabe, auf die alle anderen frei mit künstlerischen Mitteln antworten. Die Ergebnisse kann man auf unsere Website sehen und die Vielfalt erspüren, die der Künstlergruppe entspringt. 2012 wurden wir vom MoMA in New York eingeladen, CT zu präsentiert. Das war sehr aufregend.

In meiner künstlerischen Arbeit bin ich offen für Anregungen von Außen. So fragte mich vor einigen Jahren Sangare Siemsen, ob ich für seine Bar ambulance ein Deckenbild gestalten möchte mit seinen LPs, die er Anfang der 90er aufgelegt hatte. Aus diesem Auftrag entbrannte eine Leidenschaft für das Material Vinyl. Ich begann mit Acryllacken und gerasterten Motiven aus der Werbung zu experimentieren und entwickelte daraus meine Collagen-Malerei. In der Musik gibt es das Sampling und so ähnlich verstehe ich auch meine Kunst, als ein Zusammenbringen von Versatzstücken aus Alltagskultur, Clubszene, Trash und Malerei. Die Bar gibt es leider nicht mehr. Das Deckenbild wurde abgedeckt. Man könnte es irgendwann wieder freilegen.

MB: Was zeigst Du in Deiner kommenden Einzelausstellung “Endless Rhythm“ in Chemnitz? Wo und ab wann ist sie zu sehen?

KK: Die Ausstellung wird in der Galerie Weltecho ab dem 20. Oktober zu sehen sein. Ich freue mich schon darauf in diesem tollen Raum mit seinen fünf Meter hohen Wänden auch ein Wandbild realisieren zu können.

MB: Welcher ist Dein Lieblingsort in Berlin?

KK: Mein Atelier.

MB: Welcher ist Dein Sehnsuchtsort?

KK: Parpan, ein kleiner Ort in Graubünden.

MB: Wie endet Dein Tag? Selber Kochen oder Essen gehen?

KK: Beides. Aber zu Hausen kochen und mit der Familie essen ist am Schönsten.

MB: Rezeptidee?

KK: Mein Kinder wünschen sich von mir oft Eierkuchen. Die gelingen mir auch meist hauchdünn. Es gibt da unendlich viele Varianten sie zu belegen mit Lachs, Pilzen, Salat oder Süßem.

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Foto Credit: Klaus Killisch

GoArt! Berlin Kunstberatung

 

 

Klaus Killisch
Klaus Killisch
Klaus Killisch
Klaus Killisch
Klaus Killisch

10. Berlin Biennale

August 16, 2018

Noch bis zum 09.09.2018 läuft die 10. Berlin Biennale. Unter dem Titel  ‘We don’t need another hero’ hat das 5-köpfige Kuratorenteam um Gabi Ngcobo 46 künstlerische Positionen zusammengebracht, die politische und gesellschaftliche Ereignisse, Herrschaftsstrukturen und Geschichtsschreibung außerhalb eurozentrischer Sicht, mit Fokus auf afrikanische oder südamerikanische Perspektiven behandeln.

Miriam Bers sprach mit Nomaduma Rosa Masilela, einer der Ko-Kuratorinnen der 10. Berlin Biennale.

MB: Mit welchen Erwartungen sind Sie nach Berlin gekommen – wie war / wie ist die Arbeit hier und im Kontext der 10. Berlin Biennale? Wie international empfinden Sie die Szene etwa im Vergleich zu New York, was hat Euch hier besonders inspiriert, was hat überrascht und was hingegen enttäuscht?

NRM: Ich habe über 10 Jahre in New York gelebt, fast meine ganzen 20iger dort in der Kunstszene verbracht, daher ist es schwer zu sagen, ob ich bereits in der Lage bin einen tatsächlichen Vergleich zur Berliner Szene zu ziehen, die ich bis dato weniger als ein Jahr frequentiere. Während ich denke, dass kaum eine andere Stadt mit der internationalen Qualität der New Yorker Szene vergleichbar ist, fiel mir auf, dass in New York die Kräfte des Kapitals überwältigend präsent und einflussreich sind, die Berliner Szene hingegen eher auf staatliche oder einmalige Finanzierungsquellen ausgerichtet zu sein scheint, die dann jeweils Richtung und vornehmliches Interesse der Saison bestimmen. Was mich am meisten an Berlin inspiriert hat, war das Treffen mit den vielen hier in der Stadt lebenden Künstlern, ihre Arbeit zu thematisieren und eine wesentlich freiere Weise der Zusammenarbeit andenken zu können als es in New York möglich wäre, wo sich die meisten Veranstaltungen um Profitabilität oder den Beliebtheitsgrad drehen.

MB: Wie inspirierend, dass das Kuratorenteam der 10. Berlin Biennale es geschafft hat, Politik mit Poesie zu verknüpfen. Die Botschaft vieler Arbeiten kommt an auch ohne alle Details und Hintergründe zu kennen. Themen wie Kolonialismus und Unterdrückung prägen das Bild der Ausstellungsorte, ohne den erhobenen Zeigefinder, dafür mit vielen parallelen (Künstler)welten, die den Betrachter mitunter inkludieren. Z.B. die partizipative Performance von Okwui Okpokwasihi und Peter Born in den KW, die einen der bedeutendsten Frauenproteste der Welt behandelt zugleich den Betrachter involviert, ihm Fragen stellt und diese auch textlich bzw. Mit Gesang verknüpft. Handelt es sich um ein work in progress, entsteht eine neue Story?

NRM: Okwui Okpokwasili und Peter Born’s Projekt, Sitting on a Man’s Head (2018) war eine Auftragsarbeit für die 10. Berlin Biennale, ist allerdings das Ergebnis einer fortlaufenden Recherche, die lange vor ihrer Einbindung in die Berlin Biennale begonnen hatte. Okwui’s Umsetzung, Recherche und die Ansiedlung des Themas im frühen 20. Jahrhundert in Nigeria beinhaltet bereits frühere Performance- Produktionen wie etwa Poor People’s TV Room. Zudem sind die unablässige Partizipation der beiden Künstler sowie der Zuschauer integraler Bestandteil der Arbeit und spiegeln das fortlaufende Charakteristikum von Protest und seiner Möglichkeit Dinge zu verändern.

MB: In der Akademie der Künste zeigt Firelei Baez ihre Version von Sanssouci. Sanssouci als ehemaliger Herrscher- und heutiger künstlerischer Wunschort? Wie ist die Story des haitianischen Sanssouci und was lernen wir daraus? Welche Message knüpft Firelei Baez an ihre Arbeit?

NRM: Ich glaube diese Antwort wird am besten durch das Lesen der wunderschönen Essays von Portia Malatjie im Katalog und Ausstellungsführer der Berlin Biennale beantwortet. Portia’s Essay erklärt deutlich die Relevanz des haitianischen Sanssouci wie auch der Haitianischen Revolution, nicht nur in Firelei’s Werk und der Biennale, sondern auch als Modell für notwendige Veränderungen, die passieren müssen. Firelei ist der festen Überzeugung, dass beim Schichten und Triangulieren von Geschichte(n) ein dritter Ort, ein Ort der Kundgebung, der Aussprache zu Stande kommt.

MB: Last but not least: wie lautet Eure Botschaft in wenigen Worten – und wie geht es weiter?

NRM: Wir haben bewusst Schlüsselbegriffe vermieden, da sie die ganze spannende Interpretationsarbeit verhindern, die der Besucher vornimmt.  Wir möchten, dass jeder sich auf seine Weise mit den Arbeiten auseinandersetzen und sie individuell erleben kann: Strukturen zu hinterfragen, die man bisher für selbstverständlich hielt und damit neue Möglichkeiten der Existenz, der Vorstellung der Welt und derer zu schaffen, die in ihr leben.

Wie es weitergeht – was mich anbelangt, bin ich im Februar von New York nach Berlin gezogen und konzentriere mich derzeit verstärkt darauf meine Doktorarbeit abzuschließen und mit ihr am Fachbereich Kunstgeschichte der Columbia University von New York zu promovieren. Zugleich setze ich einen Fokus auf meine eigene kreative Arbeit und plane eine Schwester–Publikation meiner kuratorischen Veröffentlichung  Strange Attractors,die ich für die BB10 geschaffen habe, die Auftragsarbeiten zeitgenössischer Künstler der Biennale (wie Temitayo Ogunbiyi, Mame Diarra Niang, Adrijana Gvozdenovic, and Beau H. Rhee) mit Archivmaterial (etwa dem Herbarium von Rosa Luxemburg, dem Skizzenbuch von Mildred Thompson und Notizbüchern von Octavia Butler und Audre Lorde) kombiniert, mit dem Ziel, Geborgenheit und Komplikationen familiärer Liebe und Kommunikation zu untersuchen.

 

10. Berlin Biennale
10. Berlin Biennale
10. Berlin Biennale
10. Berlin Biennale
10. Berlin Biennale
10. Berlin Biennale

 

Foto -Kredit:  10. Berlin Biennale

Foto 1 © F. Anthea Schaap

Foto 2 © Liz Johnson Artur

Foto 3 © Smina Bluth

Foto 4 © Timo Ohler

Foto 5 © Timo Ohler

Foto 6 © Timo Ohler

GoArt! Berlin tours

Fashion Week Berlin – König Souvenir x Kollektiv Ignaz

Fashion Week Ignaz Kollektiv
July 13, 2018

Ein sehr spannender und im Rahmen der Fashion Week Berlin auf dem Berliner Salon eher untypischer Auftritt ist der einer Galerie für zeitgenössische Kunst in Kooperation mit dem vor über einem Jahr von drei Frankfurtern gegründeten Kollektiv Ignaz. Auch König Souvenir wurde 2017 ins Leben gerufen und ist eine junge Produktreihe der seit langem erfolgreichen Galerie König Berlin, nun mehr auch mit Sitz in London. Es entwickelt in kleinen Auflagen Editionen wie Shirts, Hoodies, ausgestellter Arbeiten und Künstler zurückgehen, dabei auch gesellschaftliche und politische relevante Themen aufgreift, die unseren Alltag bestimmen.

So gibt es beispielweise die Leggins mit dem Print einer Arbeit von Claudia Comte oder das Guilt Cap von Monica Bonvicini aber auch ein EUnify Hoodie, das zum kritischen Engagement mit dem europäischen Projekt aufruft.

Das Kollektiv Ignaz hingegen lebt in Frankfurt am Main macht sei kurzer Zeit Furore mit Events, die Bereiche Musik, Design und Fotografie vereinen. Mit einer für das Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt für ein spezifisches Publikum entwickelten Party wurde schließlich die Presse auf sie aufmerksam. Erklärtes Ziel der Dreier-Gruppe ist das kulturelle und kreative Interesse Gleichaltriger zu wecken, einer ganz jungen Generation, die gerade erst die Schule beendet und weniger Text lastig ist als ihre Vorgänger.

Miriam Bers GoArt! Berlin sprach mit den Protagonisten auf der Fashion Week Berlin.

MB: wie kam es zur Gründung Eures Kollektivs und was bewegt Euch?

KI: Die Gründung unseres Kollektivs basiert auf Freundschaft. Wir sind alle schon jahrelang befreundet und haben alle unsere eigenen kreativen Interessen ausgelebt. Irgendwann haben wir uns dann immer öfter über unsere Projekte ausgetauscht und so ist dann aus einer Freundschaft auch eine Zusammenarbeit geworden. In erster Linie möchten wir auch weiterhin mit unserem Kollektiv unsere eigene Kreativität ausleben und dieses dazu als Plattform nutzen.

MB: König Souvenir, wie entstand die Zusammenarbeit mit dem Kollektiv anläßlich der Fashion Week Berlin?

KS: Wir kennen Ignaz schon seit längerem und sind durch ihre Kreativprojekte auf sie aufmerksam geworden. Als die antisemitischen Übergriffe in Berlin passierten, waren wir im regen Austausch und haben so die Idee zum Solidarity Hoodie entwickelt da wir ein Zeichen gegen Hass und Intoleranz setzen wollen.

MB: Der Solidarity Hoodie ist eine geniale Idee. Die Kippa auf einem Hoodie gestickt. Damit schafft Ihr ein politisches Lifestyle-Produkt. Letztlich repräsentiert Beides – wenn auch aus unterschiedlichen Kontexten stammend – Minderheiten. Die Kippa als Symbol fürs Jüdisch sein, die Kapuzenjacke einst Synonym für Randgruppen, vormals durch Rapper populär gemacht und heute nicht mehr aus dem Kleiderschrank wegzudenken. In bestimmten Kreisen und Szenen aber auch mit Begriffen wie Anonymität und Verweigerung in Verbindung gesetzt. Wie kamt Ihr auf diese Idee?

KI: Der Hoodie spielt hierbei keine bestimmte Rolle. Wir kommen alle aus einer Generation, wo ein bestimmtes Kleidungsstück nicht wegen seiner Vergangenheit getragen wird, sondern vor allem weil wir finden, dass es cool aussieht. Sowohl Angriffe gegen die jüdische Religion als auch gegen andere Religionen sind leider allerdings immer noch viel zu häufig in Deutschland. Es kann nicht sein, dass religiöse Kleinigkeiten in den Nachrichten und in der Gesellschaft immer wieder intensiv diskutiert werden, wenn die generelle Freiheit der Religionsausübung nicht möglich ist.

MB: Wer ist Eure Zielgruppe, wer wird die Jacke tragen?

KI:Wir haben keine spezielle Zielgruppe. Jeder, der sich für generelle Religionsfreiheit aussprechen möchte und sich mit Personen, die auf Grund ihrer Religion diskriminiert werden, solidarisieren möchte, kann diesen Hoodie tragen.

MB: In welcher Auflage erscheint der Solidarity Hoodie?

KS: Der Hoodie erscheint zuerst in einer Auflage von 500 Stück und ist aktuell in fünf verschiedenen Farben erhältlich: schwarz, blau, gelb, grau und grün.

MB: Wie fühlt es sich an, mit König Souvenir auf dem Berliner Salon der Fashion Week Berlin vertreten zu sein? Wie kommt der Solidarity Hoodie an?

KI: Natürlich ist es eine große Ehre und eine riesen Chance mit König Souvenir zusammenzuarbeiten. Schon vor der Kollaboration waren wir große Fans von König Souvenir.

KS: Der Berliner Salon im Rahmen der Fashion Week Berlin war die perfekte Plattform, um unseren Solidarity Hoodie zu präsentieren. Wir haben durchweg positive Resonanz bekommen und sogar Anfragen aus den USA.

MB: Wie geht es weiter mit dem Kollektiv Ignaz, gibt es schon neue Pläne?

KI:In letzter Zeit haben wir unsere Energie auf dieses Projekt konzentriert, jedoch werden wir mit Sicherheit weitermachen.

MB: König Souvenir, welches ist Euer nächstes Highlight?

KS: Momentan sind zwei T-Shirts zur aktuellen Andreas Mühe Ausstellung erhältlich, die seine Arbeiten „Prora Sport“ und „Totilas I“ zeigen. Zudem sind spannende neue Kollaborationen in Planung, die aber natürlich noch Überraschung sind und in unserem Onlineshop koenig-souvenir.com erhältlich sein werden und in der Galerie hier in Berlin.

 

Photos: Jakob Blumenthal 

Porträt: Nick Leuze

IG: @goartberlin @koenig.souvenir @ignaz.de @nickleuze

GoArt! Art & Fashion Touren

Porträt Kollektiv Ignaz, Fashion Week
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World Press Photo 18 Berlin

World Press Photo
June 12, 2018

Der World Press Photo Award 2017 geht an den Fotografen Ronaldo Schemidt. Er fotografierte während der Proteste gegen die venezolanische Regierung José Víctor Salazar Balza (28), der von Flammen erfasst wurde als der Tank eines Motorrades explodierte. Balza überlebte mit schweren Brandwunden.

Der jährliche WORLD PRESS PHOTO Award ist der weltweit größte und renommierteste Wettbewerb für Pressefotografie. Die Mission der World Press Photo Foundation ist seit 1955 „hohe professionelle Standards im Fotojournalismus aufrechtzuerhalten und für einen freien und uneingeschränkten Informationsaustausch einzutreten“.

Insgesamt beteiligten sich mehr als 4500 Fotografen mit über 73.000 Fotos an dem Wettbewerb. Alle ausgezeichneten Fotos werden in einer Ausstellung gezeigt, die in 45 Ländern zu sehen sein wird. Der Freundeskreis Willy-Brandt-Haus, Gruner+Jahr und die Magazine Stern und Geo präsentieren die World Press Photo Ausstellung zum 15. Mal im Willy-Brandt-Haus.

Quelle: Pressemitteilung World Press Photo 18

Ausstellung vom 8. Juni bis 1. Juli 2018, Willy-Brandt-Haus Berlin

World Press Photo 18

Installationsansicht

World Photo Press 18

Installationsansicht

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Installationsansicht

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Langfristige Projekte, 1. Preis Carla Kogelman Niederlande Ich bin Waldviertel 19. Juli 2012 - 29. August 2017 >Die Geschwister Hannah und Alena leben in Merkenbrechts, einem Bioenergiedorf von etwa 170 Einwohnern im Waldviertel, einem ländlichen abgelegenen Gebiet Österreichs nahe der tschechischen Grenze.

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Carla Kogelman, Hannah und Alena, 2017

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Umwelt, 1. Preis, Fotoserien, Kadir van Lohuizen Niederlande, NOOR Images, 23. Februar 2016 - 9. Juli 2017 > Die Menschheit droht im Abfall zu ersticken. Nach Angaben der Weltbank erzeigen wir weltweit 3,5 Millionen Tonnen Festmüll täglich-zehnmal so viel wie vor hundert Jahren. Diese Fotos der Abfallentsorgung in Großstädten in der ganzen Welt zeigen, wie verschiedene Gesellschaften ihr Müllproblem lösen-oder eben nicht.

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Kader van Lohuizen, Im Stadtzentrum von Amsterdam, Niederlande, wird Müll abgeholt.

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Umwelt, 3. Preis Einzelfotos, Thomas P. Peschak Deutschland, 1. März 2017 > Diese historische Aufnahme einer Brillenpinguinkolonie vom Ende des 19. Jahrhunderts zeigt, wie stark die Population, einst mehr als 100.000 Tiere groß, bis heute geschrumpft ist. Fotografiert wurde derselbe Ort auf der Insel Halifax, Namibia.

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Langfristige Projekte, 2. Preis , Fausto Podavini, Italien, Der Omo-Fluss im Wandel, 24.Juli 2011 - 24. November 2017 > Der Gibe III-Staudamm im Omo-Fluss in Äthiopien hat nicht nur Auswirkungen für die Bewohner des Omo-Tals, sondern auch die Anwohner des Turkana-Sees in Kenia (in den der Oma einmündet). In diesem Tal leben Menschen acht verschiedener Ethnizitäten in einem empfindlichen Gleichgewicht mit der Umwelt.

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Fausto Podavini, Mursi-Frauen, denen Touristen BHs geschenkt haben, kehren in ihr Dorf zurück, nachdem sie Brunnenwasser geholt haben.

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Ein Mann der ethnischen Mursi-Gruppe bereitet sich auf einen traditionellen Stockkampf gegen ein Nachbardorf vor.

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Menschen, 2. Preis Fotoserien , Anna Bonyiazis, USA 17. Oktober - 29. Dezember 2016 > Traditionell dürfen Mädchen auf dem Sansibar-Archipel aus den Vorschriften der konservativen islamischen Kultur und aus Gründen der fehlenden, bedeckenden Badekleidung nicht schwimmen lernen.

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Anna Boyiazis, Den Schülern der Kijini-Grundschule wird das Schwimmen und Durchführen von Rettungsmaßnahmen beigebracht.

World Photo Press 18

Anna Boyiazis, Schwimmlehrerin Chema (17) taucht unter und schnipst über Wasser mit den Fingern, im Meer nahe dem Dorf Nungwi.

Das Gallery Weekend Berlin in Bildern

GoArt! Berlin
April 30, 2018

Anlässlich des 14. Gallery Weekends, dem Frühlingsauftakt des Berliner Kunstjahres 2018, eröffnen hunderte von Galerien in der ganzen Stadt ihre Shows, die als Höhepunkt der Saison gelten und bis in den Juli hinein die Besucher begeistern werden.In etablierten und weniger bekannten Gegenden von Mitte über Kreuzberg bis Charlottenburg bespielen Galerien die ganze Stadt. GoArt! ist auf Streifzug durch Berlin gegangen und hat eine Auswahl der schönsten Gallery Weekend Ausstellungen zusammengestellt.

Galerie Max Hetzler, Goethestraße Charlottenburg

Solo Show: Loris Gréaud – Lady Rogeurs, Sir Loudrage, a still life

Max Hetzer

Contemporary Fine Arts, Charlottenburg

Solo Show: Raymond Petition – … no hugs coming

CFA
CFA

Camera Work, Charlottenburg

Solo Show: Vincent Peters

Camera Work
Camera Work

Galerie Tore Süßbier, Charlottenburg

Solo Show: Christian Hosen – Konkreter wird’s nicht

Tore Süßbier
Tore Süßbier

XC. HuA Gallery, Schöneberg

Duo Show: Fred. H.C. Liang and Tomas Vu’s – Silver Lining

xchua

Blain Southern, Schöneberg

Solo Show: Frank Thiel – Quinceañeras

Solo Show: Liliane Tomasko – a dream of

Blain Southern
Blain Southern

Jürg Judin, Schöneberg

Solo Show: Edouard Baribeaud – An Old Story for Our Modern Times

Judin

Paper Positions, Mitte

Group Show

Paper Positions

ngorongoro – Artist Weekend, Weißensee

Group Show: Christian Achenbach, Tim Noble and Sue Webster, Anselm Reyle

Achenbach
Reyle
Tim Noble and Sue Webster

Fotos: GoArt!

Frank Thiel Show: Foto Blain Southern

Paper Positions: Foto Paper Positions