Römer + Römer zeigen neue Ausstellung im Haus am Lützowplatz

February 8, 2019

Die Ausstellung ‚Burning man – Electric Sky’ von Römer + Römer im Haus am Lützowplatz läuft vom 18.01.-10.03.2019. Nina und Torsten Römer sind ein deutsch-russisches Künstlerpaar. Beide studierten Malerei an der Kunstkademie Düsseldorf und waren Meisterschüler von A.R. Penck.  Bereits 1998, während ihres Studiums arbeiten sie zusammen. Sie hatten eine Vielzahl an internationalen  Ausstellungen und waren unter anderem zur Manifestina, im CCA Andratx Mallorca,  im Bröhan-Museum und im Palais de Tokyo zu Shows eingeladen. Das Paar lebt in Berlin.

Römer + Römer at Burning Man 2017

Miriam von GoArt! sprach mit Römer + Römer über ihre neue Ausstellung:

MB: Wie beginnt Euer Tag?

R+R: Wir öffnen das Fenster und schauen, dass hoffentlich das Dong Xuan Center nicht noch einmal brennt, wie wir es aus unserer Kreuzberger Wohnung einmal am Horizont gesehen haben.

MB: Ihr seid ein Künstlerpaar, lebt und arbeitet zusammen. Wie entstehen Eure Werke – entwickelt Ihr alles gemeinsam oder teilt ihr Arbeitsschritte untereinander auf?

R+R: Ping Pong! Wir entwickeln alles gemeinsam, schon seit 1998, als wir noch bei A. R. Penck in Düsseldorf studiert haben. Dort haben wir auch mit gemeinsamen Arbeiten den Meisterschüler und den Abschluss gemacht. Es gibt keine getrennten Werke. Von der Konzeption über die Recherche bis zur Umsetzung der Ideen findet alles im Dialog statt. An der Leinwand stehen wir „die Pinsel schwingend“ nebeneinander.

MB: Im Haus am Lützowplatz eröffnet ihr gerade die Ausstellung „Burning Man / Electric Sky“  deren Arbeiten aus Eurem Besuch des Burning Man Festivals in Nevada 2017 hervorgehen. Was zeigt Ihr?

R+R: Bis auf eine, sind alle Malereien über die Nacht in Black Rock City, der temporären Stadt des Burning Man. Im Fokus unserer Bildserie stehen Art Cars, LED-Lichtinstallationen sowie das Feuer und im Speziellen die Interaktion der Burner mit diesen Erscheinungen. Wir haben nicht den Anspruch das gesamte Festival zu repräsentieren, unser Interesse galt mit der Malerei vor allem diesen Aspekten. Die Bilder sind überwiegend recht großformatig, das größte ist ein Diptychon – 2,30 x 6 Meter.

exhibition view at Haus am Lützowplatz, photo: Eric Tschernow

MB: Was im Speziellen hat Euch an diesem Festival begeistert und wie setzt ihr Emotion künstlerisch um?

R+R: Emotion spricht wahrscheinlich am meisten durch die Farben die aus unseren Bildern leuchten. Begeistert hat uns vieles an Burning Man, das ja im herkömmlichen Sinne kein Festival ist sondern ein großes interaktiv-utopisch-hedonistisches Kunstspektakel-Abenteuer in der Wüste. Die Kultur des Schenkens ist toll, man kann nichts kaufen (außer Eis und Kaffee) und versucht sich gegenseitig Freude zu bereiten. Es wird ein alternativer gesellschaftlicher Umgang miteinander praktiziert.

Rabbit Transit, 2017, oil and acrylic on canvas, 230 x 300 cm, photo: Eric Tschernow

House of Enlightenment, 2018, oil on canvas, diameter: 120 cm, photo: Eric Tschernow

MB: Leitfaden Eures Oeuvres ist die Auseinandersetzung mit politisch und gesellschaftlich relevanten Großereignissen, etwa dem Karneval von Rio. Bauen Eure Arbeiten der letzten Jahre aufeinander auf: Kulturkommunismus, Partysträfling? Was genau bewegt Euch an diesen kollektiven Ausnahmezuständen? Könnt Ihr Euch damit identifizieren oder geht ihr analytisch vor?

R+R: Den Karneval in Rio erlebt man aus der Distanz als eine große sexy Samba-Party. Dass vieles daran sehr politisch ist, erlebt man dann vor Ort. Jede Sambagruppe hat ein Thema ihres Umzuges und der einzelnen Wagen. Eine Gruppe hatte zum Beispiel das Thema Rassismus und Sklaverei ziemlich extrem umgesetzt. Das Zusammenkommen der Teilnehmer aus allen verschiedenen Regionen und Vierteln, wie zum Beispiel auch vielen Favelas in der Vorbereitungszone vor dem Sambódromo, der Concentracao, mitzuerleben war sehr spannend.

Eine Bildserie entwickelt sich aus der nächsten. Nach „Sambódromo“ haben wir mehrere Jahre über das Festival FUSION gearbeitet, in das wir zur Recherche 5 mal eingetaucht sind. An kollektiven Ausnahmezuständen interessiert uns der entstehende eigene Kosmos der temporären Gemeinschaften. Es herrschen andere Spielregeln als „draussen“. Für uns ist die künstlerische Auseinandersetzung damit eine Kombination von Analyse und einfühlendes Miterleben.

LED-Bus, 2018, oil and acrylic on canvas, diameter: 100 cm, photo: Eric Tschernow

MB: Ein paar Worte zu Eurer Technik:

R+R: In unseren aktuellen Bildern sind gesprayte und lasierend gemalte Flächen mit tausenden von mit kleinem Pinsel getupften Dots kombiniert.

MB: Spannend finde ich Eure malerische Umsetzung von Fotografie. Das auf dem Foto Pixelige, das bei Euch in Handarbeit mit Tausenden von ‚dots’ vollzogen wird. Vertieft die Malerei den fotografischen Schnappschuss und bekommt dadurch etwas Kontemplatives?

R+R: Die Punkte sind zum Einen eine Referenz auf die Pixel, aber es geht zum Anderen auch darum, durch das Auflösen von Konturen und dem „Flirren“ eine Lebendigkeit und Bewegung ins Bild zu bekommen. Es ist dann nicht so eingefroren und bekommt etwas Filmisches. Der Prozess des Malens der tausend Tupfer ist sehr konzentriert und bringt Energie.

Art, 2017, oil on canvas, 100 x 130 cm, photo: Eric Tschernow

7:30 between GlamCocks and Contraptionists, 2018, oil and acrylic on canvas, 230 x 300 cm, photo: Eric Tschernow

MB: Wie endet Euer Tag, kocht ihr gerne und habt eine Rezeptidee?

R+R: Ja! Eine einfache Version von Okonomiyaki (japanisches Omelett):
100 g Kohl in feine Streifen und ein wenig Frühlingszwiebel in Ringe schneiden. Zusammen mit den 100 g Garnelen in den Teig geben und verrühren. Zwei Omeletts jeweils von zwei Seiten anbraten, dass diese durch sind. Warm mit Mayonnaise und Soja essen.

Hexagon Lounge, 2017, oil on canvas, 150 x 180 cm, photo: Eric Tschernow

Regina Maria Möller in der Galerie Michael Janssen Berlin

November 16, 2018

Die Ausstellung ‚die Motte’ der Künstlerin Regina Maria Möller läuft noch bis zum 17.11.2018 in der Galerie Michael Janssen. In München geboren, hat sie an den Philosophischen Fakultäten der Ludwig Maximilians Universität studiert. Möller verbrachte viele Stationen ihrer Karriere als Professorin/Gastprofessorin und Künstlerin (seit 1993) im Ausland: in New York, in Stockholm, am NTNU in Trondheim, Singapur und am MIT in Cambridge. Heute lebt sie in Berlin. Mit fortlaufenden zumeist interdisziplinär ausgerichteten Arbeiten wie ‚regina’ oder ‚embodiment’ konzentriert sich Möller auf gesellschaftlich relevante, teils autobiografische Themen. Damit bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Kunst und Alltag.

GoArt! traf Regina Maria Möller zu einem Gespräch.

MB: Regina, wie beginnt Dein Tag?

RMM: Wenn ich in Berlin bin mit Training im SSE – ich schwimme.

MB: In Deiner ersten Ausstellung der Galerie Janssen hast Du das Schaufenster mit einem schweren Samt-Viskose Vorhang verhangen. Beim Betreten des vorderen Galerieraums werden die Betrachtenden dann mit einem Bühne-ähnlichen Set historischer Theatervorhänge konfrontiert. Diese müssen sie durchlaufen, um zu dem von Dir bespielten ‚Requisitenfundus’, dem back space der Galerie mit weiteren Arbeiten von Dir zu gelangen. Eine indirekte Regieanweisung für die Besucher*innen – welche Rolle spielt ‚die Motte’ in dieser Inszenierung?

RMM: Über diesen „Hauptvorhang“ betreten die Besucher*innen quasi die Galerie und werden zu Akteur*innen. Inmitten der „Bühne“ entsteht ein Spiel von Schatten und durch das Bewegen und Verschieben der Vorhänge, wird immer wieder eine neue Perspektive bzw. ein neues Szenenbild eröffnet. Die Dramaturgie und Orientierung kreist –  ähnlich dem Verhalten von Motten, die um das Licht kreisen, aber auch das Dunkle suchen. Ich beziehe mich mit der Motte auf die „Kleidermotte“. Ein unliebsamer Gast in unseren Kleiderschränken, aber ein Qualitätsgarant in digitalen und „Kunst-Stoff“ besessenen Zeiten. Ihre Larven ernähren sich von Keratin, einem Protein, das bei Tieren ein Bestandteil im Fell sowie im Horn ist.  Daher sind Fasern von hoher Qualität, wie Wolle und Seide, ein willkommenes Futter für die Larven.

Mit einem schweren Theatervorhang assoziiert man oft etwas Verstaubtes – in dem sich Tausende von Motten-Larven tummeln. Er wird durchlöchert, zerfressen und wenn er nicht im Theaterfundus aufbewahrt wird, landet er in der „Mottenkiste“. Das Fabelwesen „The Mothman“ steht allegorisch für den Sensenmann. Aber auch die Kleidermotte ermahnt an das Vergängliche – für mich ein memento mori an unsere Sinne und an Material als fassbaren Körper. So kommen auch die Porzellan Vasen mit Motten-Motiv ins Spiel, die ich zum einen mit Uli Aigner One Million und zum anderen mit der Porzellan Manufaktur Nymphenburg produzierte. Das Kunsthandwerk der Porzellanmalerei /-produktion hat in unserer technologischen Zeit einen neuen Stellenwert eingenommen. Daher liebe ich umso mehr ihre Feinheit und das Unperfekte. Porzellan hat einen Charakter. Es hat, wie so viele Materialien mit denen ich arbeite, einen eigensinnigen Willen – ein Leben –  das für Überraschungen sorgt. So auch die Motte.

MB: Du kommst ursprünglich aus der Theorie, hast unter anderem Kunstgeschichte studiert. Seit 1994 trittst Du aber auch künstlerisch in Erscheinung. Z.B. mit der Zeitschrift ‚regina’ sowie dem Label ‚embodiment’, für das Du Kleidung, Tapeten und Möbel als Kunstwerke entwirfst. Auffällig sind all die biografischen Komponenten. Man betrachte etwa ‚Reproduktionen’ oder anderen Fotoarbeiten, gar die als Requisiten entwickelten Kleider. Siehst Du Deine Arbeiten im Sinne eines künstlerischen Selbstporträts?

RMM: Ich sehe mich nicht als ein Kunstobjekt und inszeniere mich nicht als Kunstwerk. Aber als Autorin und Künstlerin stehe ich zu und als Verantwortliche hinter meinen Arbeiten. Insofern hinterlässt jedes Werk einen Abdruck, ein Abbild von mir. Die Frage nach Identität(en), wie sie sich im Alltag, interkulturell und medial zum Beispiel über „Bekleidung“ (Kleidung, Textilien, Interieur) definieren, aber auch Rollenbilder zugeschrieben und durchbrochen werden, sind Themen von „regina“ und „embodiment“. Heute – im schnelllebigen, digitalen Zeitalter – legen sich Personen mehrere Identitäten zu und Biographien. Damit sind sie zum Spiegelbild einer „Ausstellungsgesellschaft“ geworden.  „regina“, „embodiment“ wie auch „Reproduktion“ reichen in ihren Anfängen in die  90er Jahre zurück. Da gab es noch ganz andere Umstände von Identitätsfragen als heute. Heute haben sie eine neue Aktualität – ihre „körperliche“ (embodiment) und „analoge“ (regina) Anwesenheit.

MB: Gegenstände, die Protagonisten aus dem Kulturleben wachrufen wie etwa der Brecht’sche Vorhang in der Ausstellung, eine Zeitreise durch unterschiedliche Epochen sowie Genre – ist die Motte Synonym für den Forscher- und Künstlergeist, gar für Dich und Deinen interdisziplinären Arbeitsstil?

RMM: Nein. Aber sie ist ein Teil davon.

MB: Ein Thema, das mich besonders reizt, ich aber auch in der eher kritisch konzipierten ‚Frauenzeitschrift’ regina entdecke, ist die gesellschaftliche Bedeutung von Essen, Ernährung. Das geht bis hin zu Rezepten. Welche Bedeutung hat Essen/Kochen für Dich persönlich, in Deinem künstlerischen Kontext?

RMM: Daniel Spoerri hat mich mit „Eat Art“ früh gelehrt wie eng Kunst und das Kochen zusammenhängen. Die Küche ist der Ort für Begegnungen. Über das gemeinsame Kochen und Essen entsteht ein „natürlicher“ Austausch zwischen verschiedenen Kulturen. Ich selbst koche sehr gerne und das Kochen und Kosten genieße ich auch als ein entspanntes Nachdenken. Ich erfreue mich an liebevoll gedeckten Tischen –  schlichte und prachtvolle – aber immer liebevoll müssen sie sein. Und dann gibt es ja auch noch von König Ludwig II – dem Märchenkönig von Bayern – das sagenhafte Tischlein deck dich!

MB: Rezeptidee?

RMM: Unsere Sinne und Sensoren trainieren.

Studio Visit mit Klaus Killisch

Klaus Killisch
September 4, 2018

GoArt! studio visit bei Klaus Killisch

Das Gemälde “Mann vor Mauer“ von Künstler Klaus Killisch aus dem Jahr 1988 ist noch bis zum 28.10.2018 in der Sonderausstellung „Die Schönheit der großen Stadt“ im Ephraim Palais zu sehen, die 120 hochkarätige Werke von Künstlern zeigt, die die urbanen und sozialen Strukturen der Stadt Berlin im 19. und 20. Jahrhundert repräsentieren. Der in der DDR geborene Künstler Klaus Killisch lebt seit 1972 in Berlin und hat in den 80er Jahren an der Kunsthochschule Weißensee zunächst Industriedesign und dann Malerei studiert. Expressionismus, die Bauhaus Idee, Pop und Punk, Bands wie die Einstürzenden Neubauten oder Nick Cave haben seinen Stil von Beginn an beeinflusst, der sich in einer sehr eigenen faszinierenden Art der Collage-Malerei ausdrückt. Musik als Klang oder als Material – Vinyl, Plattencover oder Porträts seiner Ikonen sind häufig Bestandteile der Gemälde.

Miriam Bers traf den Klaus Killisch zu einem Gespräch in seinem Atelier:

Miriam Bers: Du erzählst, dass die Stilikonen der 80er auch in Weißensee im ehemaligen Ostteil der Stadt Einzug hielten. Das ist zunächst schwer vorstellbar für Jemanden, der das nicht miterlebt hat. Wie ließ sich Punk und DDR vereinen? Wie kam es, dass sie Deine Arbeiten so maßgeblich prägten?

Klaus Killisch: In den 1980er Jahren ging es mir darum gute Musik zu hören und dazu Bilder zu malen: zum Beispiel Nick Cave & the Bad Seeds und Einstürzenden Neubauten waren inspirierend. Diese und andere Musik spiegelten gut unser Lebensgefühl wieder. Im Atelier war das wie Treibstoff, der mich beim Malen in Trance versetzte und antrieb. Das ist bis heute so geblieben. Sehr viel später erst habe ich erkannt, wie viel Zeitgeist in meinen Bildern steckt. Sehr sichtbar ist es bei “Seele brennt“ oder “Teutonisches Bild“ auf dem ein Wolfsmensch quasi aus dem Bildraum aufsteigt.

MB: Du erwähnst eine für Dich und weitere Künstler so bedeutende Gruppe um die Keramikwerkstatt Wilfriede Maaß, die in den 90ern auch eine Galerie in Berlin Mitte hatte.

KK: Die Keramikwerkstatt von Wilfriede Maaß war in den 80er Jahren Wohnzimmer  und Treffpunkt der subversiven Künstlerszene Ostberlins im Prenzlauer Berg. Künstler wie Cornelia Schleime, Wolfram Scheffler oder Angela Hampel haben dort Keramik bemalt. Als ich Wilfriede kennenlernte waren viele der Künstler schon im Westen. Dieser Exodus war ein Verlust, aber es entstanden wiederum auch Freiräume für uns, da weiter zu machen. Mit Wilfriede, Sabine Herrmann und Petra Schramm gründeten wir eine der ersten Produzentengalerien im Osten. Wir luden Künstler ein, in der Werkstatt zu arbeiten. Die entstandenen Keramiken und Objekte wurden dann in Korrespondenz mit den eigentlichen Kunstwerken ausgestellt. Für meine Ausstellung hatte ich in der Galerie blaue Wandbilder entworfen und davor die Keramiken inszeniert. Das sah ziemlich cool aus.In den 90er Jahren zogen wir dann mit der Galerie in die Gipsstraße. Wir waren quasi einer der Vorreiter für den später einsetzenden Kunstboom in Mitte. Ein Höhepunkt war die Ausstellung “Sake Bar“. Die Idee hatte Mikael Eriksson. In einer nachempfundenen Sake Bar konnte man sitzen und aus den bemalten Gefäßen trinken und diese auch kaufen. Neo Rauch, Carsten Nikolai und viele andere haben dafür Geschirr bemalt.

MB: Wie hat sich Dein künstlerisches Schaffen in den 90ern und bis heute entwickelt, im Brennpunkt Berlin? Hattest Du gleich Kontakte ins Ausland? Ich weiß dass Du 2004 die Gruppe “Collective Task“ gegründet hast, eine Art Mail Art mit einer Dichterszene in New York. Wie gestaltet sich das, welche Idee liegt der kollektiven Zusammenarbeit zu Grunde?

KK: Als die Mauer durch unsere friedliche Revolution fiel, war das für mich ein Glücksfall. Ich wurde zur Biennale in Venedig eingeladen. Meine expressiven Bilder waren Teil der Ausstellung Berlin! im Italienischen Pavillon. Das war aufregend und neu. Mit Hilfe von Stipendien und Ausstellungen reiste ich oft ins Ausland und blieb längere Zeit auch in Japan. Dann lernte ich den amerikanischen Dichter Robert Fitterman kennen. Mit ihm verbindet mich bis heute eine enge Freundschaft. Er hatte auch die Idee zu Collective Task. Wir beide organisieren CT inzwischen seit 10 Jahren. Die Idee ist relativ simpel: jeden Monat stellt ein Künstler oder eine Künstlerinaus der Gruppe eine Aufgabe, auf die alle anderen frei mit künstlerischen Mitteln antworten. Die Ergebnisse kann man auf unsere Website sehen und die Vielfalt erspüren, die der Künstlergruppe entspringt. 2012 wurden wir vom MoMA in New York eingeladen, CT zu präsentiert. Das war sehr aufregend.

In meiner künstlerischen Arbeit bin ich offen für Anregungen von Außen. So fragte mich vor einigen Jahren Sangare Siemsen, ob ich für seine Bar ambulance ein Deckenbild gestalten möchte mit seinen LPs, die er Anfang der 90er aufgelegt hatte. Aus diesem Auftrag entbrannte eine Leidenschaft für das Material Vinyl. Ich begann mit Acryllacken und gerasterten Motiven aus der Werbung zu experimentieren und entwickelte daraus meine Collagen-Malerei. In der Musik gibt es das Sampling und so ähnlich verstehe ich auch meine Kunst, als ein Zusammenbringen von Versatzstücken aus Alltagskultur, Clubszene, Trash und Malerei. Die Bar gibt es leider nicht mehr. Das Deckenbild wurde abgedeckt. Man könnte es irgendwann wieder freilegen.

MB: Was zeigst Du in Deiner kommenden Einzelausstellung “Endless Rhythm“ in Chemnitz? Wo und ab wann ist sie zu sehen?

KK: Die Ausstellung wird in der Galerie Weltecho ab dem 20. Oktober zu sehen sein. Ich freue mich schon darauf in diesem tollen Raum mit seinen fünf Meter hohen Wänden auch ein Wandbild realisieren zu können.

MB: Welcher ist Dein Lieblingsort in Berlin?

KK: Mein Atelier.

MB: Welcher ist Dein Sehnsuchtsort?

KK: Parpan, ein kleiner Ort in Graubünden.

MB: Wie endet Dein Tag? Selber Kochen oder Essen gehen?

KK: Beides. Aber zu Hausen kochen und mit der Familie essen ist am Schönsten.

MB: Rezeptidee?

KK: Mein Kinder wünschen sich von mir oft Eierkuchen. Die gelingen mir auch meist hauchdünn. Es gibt da unendlich viele Varianten sie zu belegen mit Lachs, Pilzen, Salat oder Süßem.

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Foto Credit: Klaus Killisch

GoArt! Berlin Kunstberatung

 

 

Klaus Killisch
Klaus Killisch
Klaus Killisch
Klaus Killisch
Klaus Killisch

10. Berlin Biennale

August 16, 2018

Noch bis zum 09.09.2018 läuft die 10. Berlin Biennale. Unter dem Titel  ‘We don’t need another hero’ hat das 5-köpfige Kuratorenteam um Gabi Ngcobo 46 künstlerische Positionen zusammengebracht, die politische und gesellschaftliche Ereignisse, Herrschaftsstrukturen und Geschichtsschreibung außerhalb eurozentrischer Sicht, mit Fokus auf afrikanische oder südamerikanische Perspektiven behandeln.

Miriam Bers sprach mit Nomaduma Rosa Masilela, einer der Ko-Kuratorinnen der 10. Berlin Biennale.

MB: Mit welchen Erwartungen sind Sie nach Berlin gekommen – wie war / wie ist die Arbeit hier und im Kontext der 10. Berlin Biennale? Wie international empfinden Sie die Szene etwa im Vergleich zu New York, was hat Euch hier besonders inspiriert, was hat überrascht und was hingegen enttäuscht?

NRM: Ich habe über 10 Jahre in New York gelebt, fast meine ganzen 20iger dort in der Kunstszene verbracht, daher ist es schwer zu sagen, ob ich bereits in der Lage bin einen tatsächlichen Vergleich zur Berliner Szene zu ziehen, die ich bis dato weniger als ein Jahr frequentiere. Während ich denke, dass kaum eine andere Stadt mit der internationalen Qualität der New Yorker Szene vergleichbar ist, fiel mir auf, dass in New York die Kräfte des Kapitals überwältigend präsent und einflussreich sind, die Berliner Szene hingegen eher auf staatliche oder einmalige Finanzierungsquellen ausgerichtet zu sein scheint, die dann jeweils Richtung und vornehmliches Interesse der Saison bestimmen. Was mich am meisten an Berlin inspiriert hat, war das Treffen mit den vielen hier in der Stadt lebenden Künstlern, ihre Arbeit zu thematisieren und eine wesentlich freiere Weise der Zusammenarbeit andenken zu können als es in New York möglich wäre, wo sich die meisten Veranstaltungen um Profitabilität oder den Beliebtheitsgrad drehen.

MB: Wie inspirierend, dass das Kuratorenteam der 10. Berlin Biennale es geschafft hat, Politik mit Poesie zu verknüpfen. Die Botschaft vieler Arbeiten kommt an auch ohne alle Details und Hintergründe zu kennen. Themen wie Kolonialismus und Unterdrückung prägen das Bild der Ausstellungsorte, ohne den erhobenen Zeigefinder, dafür mit vielen parallelen (Künstler)welten, die den Betrachter mitunter inkludieren. Z.B. die partizipative Performance von Okwui Okpokwasihi und Peter Born in den KW, die einen der bedeutendsten Frauenproteste der Welt behandelt zugleich den Betrachter involviert, ihm Fragen stellt und diese auch textlich bzw. Mit Gesang verknüpft. Handelt es sich um ein work in progress, entsteht eine neue Story?

NRM: Okwui Okpokwasili und Peter Born’s Projekt, Sitting on a Man’s Head (2018) war eine Auftragsarbeit für die 10. Berlin Biennale, ist allerdings das Ergebnis einer fortlaufenden Recherche, die lange vor ihrer Einbindung in die Berlin Biennale begonnen hatte. Okwui’s Umsetzung, Recherche und die Ansiedlung des Themas im frühen 20. Jahrhundert in Nigeria beinhaltet bereits frühere Performance- Produktionen wie etwa Poor People’s TV Room. Zudem sind die unablässige Partizipation der beiden Künstler sowie der Zuschauer integraler Bestandteil der Arbeit und spiegeln das fortlaufende Charakteristikum von Protest und seiner Möglichkeit Dinge zu verändern.

MB: In der Akademie der Künste zeigt Firelei Baez ihre Version von Sanssouci. Sanssouci als ehemaliger Herrscher- und heutiger künstlerischer Wunschort? Wie ist die Story des haitianischen Sanssouci und was lernen wir daraus? Welche Message knüpft Firelei Baez an ihre Arbeit?

NRM: Ich glaube diese Antwort wird am besten durch das Lesen der wunderschönen Essays von Portia Malatjie im Katalog und Ausstellungsführer der Berlin Biennale beantwortet. Portia’s Essay erklärt deutlich die Relevanz des haitianischen Sanssouci wie auch der Haitianischen Revolution, nicht nur in Firelei’s Werk und der Biennale, sondern auch als Modell für notwendige Veränderungen, die passieren müssen. Firelei ist der festen Überzeugung, dass beim Schichten und Triangulieren von Geschichte(n) ein dritter Ort, ein Ort der Kundgebung, der Aussprache zu Stande kommt.

MB: Last but not least: wie lautet Eure Botschaft in wenigen Worten – und wie geht es weiter?

NRM: Wir haben bewusst Schlüsselbegriffe vermieden, da sie die ganze spannende Interpretationsarbeit verhindern, die der Besucher vornimmt.  Wir möchten, dass jeder sich auf seine Weise mit den Arbeiten auseinandersetzen und sie individuell erleben kann: Strukturen zu hinterfragen, die man bisher für selbstverständlich hielt und damit neue Möglichkeiten der Existenz, der Vorstellung der Welt und derer zu schaffen, die in ihr leben.

Wie es weitergeht – was mich anbelangt, bin ich im Februar von New York nach Berlin gezogen und konzentriere mich derzeit verstärkt darauf meine Doktorarbeit abzuschließen und mit ihr am Fachbereich Kunstgeschichte der Columbia University von New York zu promovieren. Zugleich setze ich einen Fokus auf meine eigene kreative Arbeit und plane eine Schwester–Publikation meiner kuratorischen Veröffentlichung  Strange Attractors,die ich für die BB10 geschaffen habe, die Auftragsarbeiten zeitgenössischer Künstler der Biennale (wie Temitayo Ogunbiyi, Mame Diarra Niang, Adrijana Gvozdenovic, and Beau H. Rhee) mit Archivmaterial (etwa dem Herbarium von Rosa Luxemburg, dem Skizzenbuch von Mildred Thompson und Notizbüchern von Octavia Butler und Audre Lorde) kombiniert, mit dem Ziel, Geborgenheit und Komplikationen familiärer Liebe und Kommunikation zu untersuchen.

 

10. Berlin Biennale
10. Berlin Biennale
10. Berlin Biennale
10. Berlin Biennale
10. Berlin Biennale
10. Berlin Biennale

 

Foto -Kredit:  10. Berlin Biennale

Foto 1 © F. Anthea Schaap

Foto 2 © Liz Johnson Artur

Foto 3 © Smina Bluth

Foto 4 © Timo Ohler

Foto 5 © Timo Ohler

Foto 6 © Timo Ohler

GoArt! Berlin tours

Fashion Week Berlin – König Souvenir x Kollektiv Ignaz

Fashion Week Ignaz Kollektiv
July 13, 2018

Ein sehr spannender und im Rahmen der Fashion Week Berlin auf dem Berliner Salon eher untypischer Auftritt ist der einer Galerie für zeitgenössische Kunst in Kooperation mit dem vor über einem Jahr von drei Frankfurtern gegründeten Kollektiv Ignaz. Auch König Souvenir wurde 2017 ins Leben gerufen und ist eine junge Produktreihe der seit langem erfolgreichen Galerie König Berlin, nun mehr auch mit Sitz in London. Es entwickelt in kleinen Auflagen Editionen wie Shirts, Hoodies, ausgestellter Arbeiten und Künstler zurückgehen, dabei auch gesellschaftliche und politische relevante Themen aufgreift, die unseren Alltag bestimmen.

So gibt es beispielweise die Leggins mit dem Print einer Arbeit von Claudia Comte oder das Guilt Cap von Monica Bonvicini aber auch ein EUnify Hoodie, das zum kritischen Engagement mit dem europäischen Projekt aufruft.

Das Kollektiv Ignaz hingegen lebt in Frankfurt am Main macht sei kurzer Zeit Furore mit Events, die Bereiche Musik, Design und Fotografie vereinen. Mit einer für das Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt für ein spezifisches Publikum entwickelten Party wurde schließlich die Presse auf sie aufmerksam. Erklärtes Ziel der Dreier-Gruppe ist das kulturelle und kreative Interesse Gleichaltriger zu wecken, einer ganz jungen Generation, die gerade erst die Schule beendet und weniger Text lastig ist als ihre Vorgänger.

Miriam Bers GoArt! Berlin sprach mit den Protagonisten auf der Fashion Week Berlin.

MB: wie kam es zur Gründung Eures Kollektivs und was bewegt Euch?

KI: Die Gründung unseres Kollektivs basiert auf Freundschaft. Wir sind alle schon jahrelang befreundet und haben alle unsere eigenen kreativen Interessen ausgelebt. Irgendwann haben wir uns dann immer öfter über unsere Projekte ausgetauscht und so ist dann aus einer Freundschaft auch eine Zusammenarbeit geworden. In erster Linie möchten wir auch weiterhin mit unserem Kollektiv unsere eigene Kreativität ausleben und dieses dazu als Plattform nutzen.

MB: König Souvenir, wie entstand die Zusammenarbeit mit dem Kollektiv anläßlich der Fashion Week Berlin?

KS: Wir kennen Ignaz schon seit längerem und sind durch ihre Kreativprojekte auf sie aufmerksam geworden. Als die antisemitischen Übergriffe in Berlin passierten, waren wir im regen Austausch und haben so die Idee zum Solidarity Hoodie entwickelt da wir ein Zeichen gegen Hass und Intoleranz setzen wollen.

MB: Der Solidarity Hoodie ist eine geniale Idee. Die Kippa auf einem Hoodie gestickt. Damit schafft Ihr ein politisches Lifestyle-Produkt. Letztlich repräsentiert Beides – wenn auch aus unterschiedlichen Kontexten stammend – Minderheiten. Die Kippa als Symbol fürs Jüdisch sein, die Kapuzenjacke einst Synonym für Randgruppen, vormals durch Rapper populär gemacht und heute nicht mehr aus dem Kleiderschrank wegzudenken. In bestimmten Kreisen und Szenen aber auch mit Begriffen wie Anonymität und Verweigerung in Verbindung gesetzt. Wie kamt Ihr auf diese Idee?

KI: Der Hoodie spielt hierbei keine bestimmte Rolle. Wir kommen alle aus einer Generation, wo ein bestimmtes Kleidungsstück nicht wegen seiner Vergangenheit getragen wird, sondern vor allem weil wir finden, dass es cool aussieht. Sowohl Angriffe gegen die jüdische Religion als auch gegen andere Religionen sind leider allerdings immer noch viel zu häufig in Deutschland. Es kann nicht sein, dass religiöse Kleinigkeiten in den Nachrichten und in der Gesellschaft immer wieder intensiv diskutiert werden, wenn die generelle Freiheit der Religionsausübung nicht möglich ist.

MB: Wer ist Eure Zielgruppe, wer wird die Jacke tragen?

KI:Wir haben keine spezielle Zielgruppe. Jeder, der sich für generelle Religionsfreiheit aussprechen möchte und sich mit Personen, die auf Grund ihrer Religion diskriminiert werden, solidarisieren möchte, kann diesen Hoodie tragen.

MB: In welcher Auflage erscheint der Solidarity Hoodie?

KS: Der Hoodie erscheint zuerst in einer Auflage von 500 Stück und ist aktuell in fünf verschiedenen Farben erhältlich: schwarz, blau, gelb, grau und grün.

MB: Wie fühlt es sich an, mit König Souvenir auf dem Berliner Salon der Fashion Week Berlin vertreten zu sein? Wie kommt der Solidarity Hoodie an?

KI: Natürlich ist es eine große Ehre und eine riesen Chance mit König Souvenir zusammenzuarbeiten. Schon vor der Kollaboration waren wir große Fans von König Souvenir.

KS: Der Berliner Salon im Rahmen der Fashion Week Berlin war die perfekte Plattform, um unseren Solidarity Hoodie zu präsentieren. Wir haben durchweg positive Resonanz bekommen und sogar Anfragen aus den USA.

MB: Wie geht es weiter mit dem Kollektiv Ignaz, gibt es schon neue Pläne?

KI:In letzter Zeit haben wir unsere Energie auf dieses Projekt konzentriert, jedoch werden wir mit Sicherheit weitermachen.

MB: König Souvenir, welches ist Euer nächstes Highlight?

KS: Momentan sind zwei T-Shirts zur aktuellen Andreas Mühe Ausstellung erhältlich, die seine Arbeiten „Prora Sport“ und „Totilas I“ zeigen. Zudem sind spannende neue Kollaborationen in Planung, die aber natürlich noch Überraschung sind und in unserem Onlineshop koenig-souvenir.com erhältlich sein werden und in der Galerie hier in Berlin.

 

Photos: Jakob Blumenthal 

Porträt: Nick Leuze

IG: @goartberlin @koenig.souvenir @ignaz.de @nickleuze

GoArt! Art & Fashion Touren

Porträt Kollektiv Ignaz, Fashion Week
KSxIGNAZ
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World Press Photo 18 Berlin

World Press Photo
June 12, 2018

Der World Press Photo Award 2017 geht an den Fotografen Ronaldo Schemidt. Er fotografierte während der Proteste gegen die venezolanische Regierung José Víctor Salazar Balza (28), der von Flammen erfasst wurde als der Tank eines Motorrades explodierte. Balza überlebte mit schweren Brandwunden.

Der jährliche WORLD PRESS PHOTO Award ist der weltweit größte und renommierteste Wettbewerb für Pressefotografie. Die Mission der World Press Photo Foundation ist seit 1955 „hohe professionelle Standards im Fotojournalismus aufrechtzuerhalten und für einen freien und uneingeschränkten Informationsaustausch einzutreten“.

Insgesamt beteiligten sich mehr als 4500 Fotografen mit über 73.000 Fotos an dem Wettbewerb. Alle ausgezeichneten Fotos werden in einer Ausstellung gezeigt, die in 45 Ländern zu sehen sein wird. Der Freundeskreis Willy-Brandt-Haus, Gruner+Jahr und die Magazine Stern und Geo präsentieren die World Press Photo Ausstellung zum 15. Mal im Willy-Brandt-Haus.

Quelle: Pressemitteilung World Press Photo 18

Ausstellung vom 8. Juni bis 1. Juli 2018, Willy-Brandt-Haus Berlin

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Installationsansicht

World Photo Press 18

Installationsansicht

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Langfristige Projekte, 1. Preis Carla Kogelman Niederlande Ich bin Waldviertel 19. Juli 2012 - 29. August 2017 >Die Geschwister Hannah und Alena leben in Merkenbrechts, einem Bioenergiedorf von etwa 170 Einwohnern im Waldviertel, einem ländlichen abgelegenen Gebiet Österreichs nahe der tschechischen Grenze.

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Carla Kogelman, Hannah und Alena, 2017

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Umwelt, 1. Preis, Fotoserien, Kadir van Lohuizen Niederlande, NOOR Images, 23. Februar 2016 - 9. Juli 2017 > Die Menschheit droht im Abfall zu ersticken. Nach Angaben der Weltbank erzeigen wir weltweit 3,5 Millionen Tonnen Festmüll täglich-zehnmal so viel wie vor hundert Jahren. Diese Fotos der Abfallentsorgung in Großstädten in der ganzen Welt zeigen, wie verschiedene Gesellschaften ihr Müllproblem lösen-oder eben nicht.

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Kader van Lohuizen, Im Stadtzentrum von Amsterdam, Niederlande, wird Müll abgeholt.

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Umwelt, 3. Preis Einzelfotos, Thomas P. Peschak Deutschland, 1. März 2017 > Diese historische Aufnahme einer Brillenpinguinkolonie vom Ende des 19. Jahrhunderts zeigt, wie stark die Population, einst mehr als 100.000 Tiere groß, bis heute geschrumpft ist. Fotografiert wurde derselbe Ort auf der Insel Halifax, Namibia.

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Langfristige Projekte, 2. Preis , Fausto Podavini, Italien, Der Omo-Fluss im Wandel, 24.Juli 2011 - 24. November 2017 > Der Gibe III-Staudamm im Omo-Fluss in Äthiopien hat nicht nur Auswirkungen für die Bewohner des Omo-Tals, sondern auch die Anwohner des Turkana-Sees in Kenia (in den der Oma einmündet). In diesem Tal leben Menschen acht verschiedener Ethnizitäten in einem empfindlichen Gleichgewicht mit der Umwelt.

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Fausto Podavini, Mursi-Frauen, denen Touristen BHs geschenkt haben, kehren in ihr Dorf zurück, nachdem sie Brunnenwasser geholt haben.

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Ein Mann der ethnischen Mursi-Gruppe bereitet sich auf einen traditionellen Stockkampf gegen ein Nachbardorf vor.

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Menschen, 2. Preis Fotoserien , Anna Bonyiazis, USA 17. Oktober - 29. Dezember 2016 > Traditionell dürfen Mädchen auf dem Sansibar-Archipel aus den Vorschriften der konservativen islamischen Kultur und aus Gründen der fehlenden, bedeckenden Badekleidung nicht schwimmen lernen.

World Photo Press 18

Anna Boyiazis, Den Schülern der Kijini-Grundschule wird das Schwimmen und Durchführen von Rettungsmaßnahmen beigebracht.

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Anna Boyiazis, Schwimmlehrerin Chema (17) taucht unter und schnipst über Wasser mit den Fingern, im Meer nahe dem Dorf Nungwi.

Food Revolution 5.0

Food Revolution
May 18, 2018

Im Kunstgewerbemuseum in Berlin hat am 18.05.2018 die Ausstellung Food Revolution 5.0, kuratiert von Dr. Claudia Banz, der neuen Kuratorin für Design am Museum, eröffnet. Themen wie das Essen in der Zukunft, schwindende Ressourcen oder Klimawandel machen Nahrung zu einem brisanten politischen Thema. Welche Szenarien entwickeln Künstler zum Essen von Morgen? Miriam Bers sprach mit der Kuratorin.

MB: Food Revolution 5.0 war bereits 2017 in Hamburg im Museum für Kunst und Gewerbe zu sehen. Dort haben die teilnehmenden Künstler Auftragsarbeiten für die Ausstellung entworfen. Zeigen Sie dieselben Werke in Berlin?

CB: Ja, wir zeigen mit ein paar Ausnahmen dieselben Arbeiten, konnten die Ausstellung in Berlin aber noch um einige wichtige neue Beiträge erweitern. Denn auch eine Ausstellung ist ja ein offener Prozess. In Berlin gehen wir viel stärker in den Außenraum: auf der Piazzetta entsteht eine „Urbane Streuobstwiese“, ein Projekt des niederländischen Stadtplaners und Designers Ton Matton. Auf einer bislang ungenutzten Terrasse des Museums realisiert die Planwerkstatt der TU Berlin in Kooperation mit der Landschaftsarchitektin Katrin Bohn einen „Essbaren Garten“. Die Künstlerin Silke Riechert hat speziell für die Ausstellung die partizipative Installation „Störung im Schlaraffenland“ entwickelt; hier geht es u.a. um eine kritische Auseinandersetzung mit der Lebensmittelindustrie und die Vermittlung von Ernährungswissen für Schulkinder. Susanna Soares und Andrew Forkes zeigen ihr Projekt „Insects au Gratin“, mit dem sie zukünftige Nahrungsmittel im Kontext von Insekten, Nährstoffen und 3D-Druck erforschen. Chmara.rosinke sind mit ihrem Projekt „Mobile Gastfreundschaft dabei und The Center for Genomic Gastronomy stellen ihr aktuelles Projekt „To flavour our teares“ vor.

MB: Food ist ein zunehmend wichtiges und in unserer westlichen Welt ein absolutes Lifestyle-Thema: so hat es viele spannende gesellschaftliche und ästhetische Komponenten, gesundheitliche Aspekte, dann wiederum ökologische und politische Bedeutung und ihre traurige Kehrseite: Essensknappheit, das Verschwinden von Ressourcen und Hungersnot. Der Österreicher Klaus Pichler beispielsweise thematisiert auf ästhetische Weise  Lebensmittel im Überfluss,. Laut Statistik wird ein Drittel der weltweiten Nahrung weggeworfen. Das meiste davon in industrialisierten Ländern. Demgegenüber sind 925 Millionen Menschen vom Hunger bedroht. Was ist die Message der Ausstellung, weist sie Alternativen auf?

CB: Ja, die Thematik spielt natürlich eine zentrale Rolle in der bereits erwähnten Arbeit Pichler oder in den Arbeiten von Kosuke Araki, der Essgeschirr aus Lebensmittelabfällen entwirft und damit darauf hinweist, dass es sich hierbei um einen wertvollen Rohstoff handelt. Ganz wichtig ist natürlich unser Konsumverhalten, und dass wir einen respektvollen Umgang mit unseren Ressourcen pflegen sollten. Dass also Konsum eine Frage von Haltung und Verantwortung ist, das zieht sich als Subtext durch die meisten der ausgestellten Werke.

MB: Worauf spielen Sie mit dem Titel Food Revolution 5.0 an? Wie ist ihre Vision von zukünftiger Nahrung?

CB: Der Titel Food Revolution ergab sich aus Recherchen im Vorfeld der Ausstellung: Es ist inzwischen, glaube ich, in der Mitte der Gesellschaft angekommen, dass unser Ernährungssystem zu einem der Hauptverursacher des Klimawandels gehört und daher einer radikalen Änderung bedarf. Das 5.0 steht dafür, dass wir die neuen Technologien sinnvoll einsetzen sollten, indem wir sie mit den alten Kulturtechniken der Landwirtschaft und dem alten handwerklichen Wissen um das Selbermachen, Konserverieren und weitere Spezifika bäuerlicher Produktion verbinden. 5.0 steht aber auch für Degrowth und für die Idee der Commons. Die Ressourcen dieser Erde gehören allen Menschen und nicht nur wenigen Konzernen. Dementsprechend sollten auch alle Menschen den gleichen Zugang dazu haben.

MB: Sind die von den ausstellenden Designern entwickelten Szenarien anwendbar oder vielmehr Reflexionen und Utopien zukünftiger Nahrung/Ernährung?

CB:  Wir zeigen sowohl Best-Practice-Beispiele wie eine Indoor-Farm, in der Salat wächst, oder einen mobilen Beehive für den urbanen Raum von The Beecollective. Zu sehen ist auch ein Tomatenfisch-Projekt, das nach dem Prinzip des Aquaponik funktioniert sowie eine Algenfarm für die Gebäudefassade. Es gibt aber auch spekulative Arbeiten wie von Martí Guixé, der mit „Digital Food“ eine maßgeschneiderte Ernährung aus dem 3D-Drucker visioniert. Johanna Schmeer wiederum erforscht in ihrem Projekt „Bioplastic Phantastic“ die Möglichkeiten, bio- und nanotechnologische Erkenntnisse für die zukünftige Nahrungsproduktion zu nutzen.

MB: Verraten Sie uns etwas über die Entwürfe Werner Aisslingers oder Marije Vogelzangs, und was hat es mit dem Sharing Dinner auf sich?

CB: Werner Aisslinger hat speziell für unsere Food-Ausstellung eine communal cooking landscape entworfen. Es ist ein Hybrid aus archetypischer Kochstelle, Arena oder Sitztreppe, die eine Symbiose aus analogem Kochen und der sozialen Nachhaltigkeit des gemeinschaftlichen Zubereitens, Kochen, Essens und Unterhaltens darstellt. Marije Vogelzang präsentiert mit ihrer ebenfalls für die Food-Ausstellung entwickelten Arbeit „Volumes“ eine Möglichkeit, unser Essverhalten positiv zu verändern.

MB: Berlin ist gutes Beispiel für eine Stadt, deren Kreative sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen. Erfolgreiche Urban Gardening Projekte, eine zunehmende Zahl an Restaurants und Köchen, die vor allem lokale Zutaten verarbeitet, Bio-Supermärkte, die Berliner Tafel, die Essensreste an Bedürftige verteilt und last but not least inhouse farming/vertical planting: wie betrachten Sie diese Entwicklung, haben wir eine Vorreiterrolle?

CB: Ich glaube unbedingt, dass Berlin eine Vorreiterrolle besitzt, es gibt eine unglaubliche Dichte von ganz unterschiedlichen Akteuren, die sich mit der Food-Thematik auseinandersetzen, auch eine interessante Start up Szene für innovative nachhaltige Nahrungsprodukte und die sinnvolle Distribution von Nahrung. Berlin ist auch die erste Stadt, in der nach angelsächsichem Vorbild ein Ernährungsrat gegründet wurde. Das ist wichtig, um die Bedürfnisse und Wünsche der Bürger in Hinblick auf eine transparente und soziale Nahrungsproduktion auch in die Politik hineinzutragen. Es gibt auch im Kunst- und Designbereich viele spannende Projekte, die von einem internationalen Publikum gesehen werden; die Berlin Kunst- und Designuniversitäten setzten sich mit der Thematik auseinander.

 MB: Kochen Sie gerne, welches sind Ihre Kriterien?

CB: Ich koche sehr gerne und achte mittlerweile noch stärker darauf, woher die Produkte kommen. Die regionale oder lokale Produktion ist mir sehr wichtig. Auch gehe ich lieber öfters einkaufen, um dadurch meine Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Sehr schade finde ich es, dass selbst in den Biomärkten oft genauso viel Verpackung verwendet wird. Daher würde ich mir wünschen, dass es mehr Unverpackt-Läden gibt.

MB: Eine Rezeptidee?

Es gibt inzwischen ja auch Kochbücher für Insekten, u.a. von der Schweizer Designerin Andrea Staudacher, die auch in der Ausstellung vertreten ist. Mit Insekten als Nahrungsmittel würde ich mich zukünftig gerne mehr beschäftigen und verschiedene Rezepte mal ausprobieren, jetzt, da Insekten ja auch in der EU offiziell als Nahrungsmittel zugelassen sind.

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Food Revolution 5.0
Gestaltung für die Gesellschaft von Morgen

18.05.2018 bis 30.09.2018 

GoArt! Food Touren

Food Revolution

Johanna Schmeer, Bioplastic Fantastic, 2014, © Johanna Schmeer

Food Revolution

Officina Corpuscoli - Maurizio Montalti, System Synthetics, seit 2011, © Maurizio Montalti

Food Revolution

Klaus Pichler, Erdbeeren, aus der Fotoserie „One third“, 2010-2012, © Klaus Pichler

Food Revolution

Chloé Rutzerveld, Edible Growth, 2014, © Chloé Rutzerveld, Foto: Bart van Overbeeke

Food Revolution

Fraunhofer UMSICHTinFARMING, 2017© Fraunhofer Umsicht 2017

Food Revolution

Austin Stewart, Second Livestock, 2014, © Austin Stewart

Food Revolution

Marije Vogelzang, Volumes, 2017, © Marije Vogelzang

Berliner Modedesignerin Isabel Vollrath im Gespräch

April 12, 2018

Isabel Vollrath ist eine deutsche Modedesignerin, die sich an der Schnittstelle moderner Couture und bildender Kunst angesiedelt hat. Sie wurde 1980 in Freiburg geboren, lernte zunächst klassisches Herrenschneiderhandwerk in Baden-Baden und studierte anschließend Mode an der renommierten Kunsthochschule in Berlin-Weissensee. Für Isabel Vollrath sind Kleidungsstücke dreidimensionale Zeichnungen, Collagen, Objekte der „Bildhauerei“, sozialkritische/ politische Statements und/oder „kulturelle Reiseberichte“. Mit einer außergewöhnlichen Materialwahl und wertigen Details setzt die Berliner Modedesignerin, sich im Spannungsfeld von Mode und Kunst bewegend, Akzente mit Wiedererkennungswert. Mittels historisierender als auch avantgardistischer, skulptural-futuristischer Stilelemente, einer kontrastreichen, abstrakten, zugleich figurbetonten Schnittführung entstehen raumgreifende, ausdrucksstarke Silhouetten, die integrativ am menschlichen, sich bewegenden Körper bzw. als hängende, stehende, liegende „Schalen“ im Raum fungieren.

Isabel Vollrath erhielt bereits zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen, unter anderem den Förderpreis der Wilhelm-Lorch-Stiftung, das Elsa-Neumann-Stipendium des Landes Berlin, sowie den „Baltic Fashion Award“ (2011) und einen Award beim “ITS Contest” in Triest/Italien (2012). 2015 gründete sie ihr Label I’ VR ISABEL VOLLRATH. Ihre Kollektionen zeigt sie seither halbjährlich im Rahmen der Berlin Fashion Week bzw. des Berliner Salons/Vogue Salons im Kronprinzenpalais. Miriam Bers traf die Berliner Modedesignerin zum Interview.

MB: Wie beginnt der Tag einer Berliner Modedesignerin?

IV: Wechseldusche, Kaffee. Dann aufs Rad zu Frühyoga oder Balletttraining. Anschließend geht’s ins Atelier.

MB: Warum eine skulpturale Designsprache?

IV: Eigentlich wollte ich nach dem Abitur Freie Kunst studieren und Bildhauerin werden. Gleichzeitig war da diese Passion für die Mode und das Schneiderhandwerk. So entschied ich mich für drei Lehrjahre bei Herrenmaßschneider Gerhard Schmauder in Baden-Baden und lernte, aus Stoff eine “zweite Haut” für den Mann zu entwickeln. Im Grunde war das auch eine Art “Sculpting” und unverzichtbares Fundament für mein anschließendes Modestudium. In Berlin bin ich wahrscheinlich eine der wenigen DesignerInnen, die noch die komplette Musterkollektion selbst anfertigt. Ich verknüpfe dabei meine “Bildhauertätigkeit” mit dem technischen Know-how der Schneiderei und einem enorm hohen Anspruch an Präzision, betrachte mit dem Auge eines Künstlers und habe dennoch das nötige Maß an Funktionalität im Hinterkopf. Ich habe die Vision, kenne aber auch die Problemstellungen der Umsetzung. Im Arbeitsprozess selbst habe ich die Aussage, ein Statement im Visier, eine Geschichte, eine Emotion – weniger aber das Ziel, Konsumenten des Massenmarktes anzusprechen.

Den Großteil meiner Kollektionsstücke könnte man auch als Kunstobjekt an einen Nagel oder in einem Bilderrahmen an die Wand hängen statt in den Kleiderschrank. Sie funktionieren sowohl als Körper- als auch als Raumobjekt. Meine Kollektionen werden immer Limited Edition bleiben. Nur so kann ich mir selbst treu bleiben und sowohl Mode als auch Kunst betreiben. Bevor ich an Eleganz denke, “tobe” ich mich aus. Im Experiment, in Formen, im Spiel mit Material und Schnitt. Mit der Neugier eines Kindes und dem “Flow” meiner Hände.

MB: Ihr Oeuvre in drei Sätzen zusammengefasst:

IV: Ich bevorzuge 3 Worte: Eigenwillig.  Authentisch. Kompromisslos.

MB: Welche Designer inspirieren Sie?

IV: Es gibt DesignerInnen/Marken, der Vergangenheit und Gegenwart, die ich sehr verehre, deren Lebenswerk und Kreationen ich sehr schätze. Zum Beispiel die einer Coco Chanel, Vivienne Westwood, Rei Kawakubo, oder Iris van Herpen und die eines Yves Saint Laurent, Alexander McQueen oder Hussein Chalayan. Ich mag einen starken visuellen Ausdruck, Mut zu außergewöhnlichen Formen, Farben, Materialien und eine eigene Signatur mit Wiedererkennungswert.

MB: Welche Ausstellung haben Sie zuletzt gesehen?

IV: Tatsächlich bin ich recht viel auf Vernissagen unterwegs.

Daher überlege ich gerade, welche Ausstellungen mich in den letzten Monaten besonders begeistert haben. Ist zwar schon eine Weile her, aber spontan „Jonas Burgert: Zeitlaich“ bei Blainsouthern und „Cornelia Schleime: Full House“ bei Michael Schultz. Und natürlich auch die Biennale in Venedig letztes Jahr. Sehr gespannt bin ich auf das in Kürze stattfindende Gallery Weekend.

MB: Welche Schriftsteller inspirieren Sie?

IV: Alte Meister wie Goethe.

MB: Welcher ist Ihr Lieblingsort in Berlin?

IB: In Wassernähe im Grünen.  Oder eine Terrasse mit Weitblick über die Berliner Dächer. Oder eine nette Weinbar um die Ecke. Den EINEN gibt es eigentlich nicht.

MB: Ihr Sehnsuchtsort?

IV: Italien. Venedig. Das Meer.

MB: Wie endet der Tag einer Berliner Modesignerin? Selber Kochen oder Essen gehen?

IV: Ausgiebig kochen – das eher, wenn ich Gäste empfange. Wenn ich alleine bin, gibt es einen bunten Salat und ein Glas Weißwein. Oder aber ich verabrede mich zum Apero draußen.

MB: Rezeptidee?

IV: Für Gäste immer gerne „Antipasto misto“. Buntes Gemüse wie Zucchini, Fenchel, Kürbis, Paprika, Rosmarinkartoffeln aus dem Ofen – mit Ziegenrahm und Olivenöl. Dazu Salatbeilage: Radicchio, Chicoree, Feldsalat – mit Tomaten, Gurke, angeröstetem Sesam und Granatapfel.

Falls gewünscht: Wildlachs mit Zitronen-Honig-Sauce und Wildreis in Kokosmilch.

MB: Wann und wo kann man Ihre nächste Kollektion sehen?

IV: Die Modewoche für für Spring/Summer 2019 startet Anfang Juli. Die genauen Daten meines Defilés stehen noch nicht fest, sind aber in Planung und werden zeitnah im Kalender der Berlin Fashion Week bzw. des Berliner Salons bekanntgegeben.

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Fotos: Titelbild Det Nissen, 1/3  Thomas Thernes, 4 Katy Otto, 2 Philipp Wolfart

 

Sigrid Neubert – Moderne Architektur in der Fotografie

March 28, 2018

Sigrid Neubert (*1927) gehört zu den bekanntesten Architekturfotografinnen Deutschlands. In den vergangenen sechs Jahrzehnten produzierte sie ästhetische Aufnahmen moderner Bauwerke und Stadtlandschaften. Später widmete sich Neubert auch der Naturfotografie und schuf mitunter poetische, teils mystisch anmutende Bildwelten. Eine Auswahl an Arbeiten von Sigrid Neubert wird aktuell im Rahmen einer Sonderausstellung im Museum für Fotografie der Staatlichen Museen zu Berlin präsentiert. Die Ausstellung läuft bis zum 03. Juni 2018.

Miriam Bers sprach mit den beiden Kuratoren der Ausstellung, dem Leiter der Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek Dr. Ludger Derenthal sowie dem Architekten und Kunsthistoriker Dr. Frank Seehausen.

MB: Herr Derenthal, nach welchen Kriterien erstellen Sie Ihr Programm?

LD: Wir zeigen im Museum für Fotografie die ganze Geschichte dieses so wichtigen Bildmediums von den Anfängen Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart, oft in Themenausstellungen, oft aus den Beständen unserer Sammlung.

MB: Wie kam es zur aktuellen Kooperation mit Ihnen und Frank Seehausen?

LD: Wir hatten das große Glück, aus dem großen Archiv Sigrid Neuberts eine repräsentative Auswahl zusammenstellen zu können, die wir in unsere Sammlung übernehmen durften. Da bot sich natürlich eine Ausstellung an, die ihr Gesamtwerk in der Natur- und Architekturfotografie umfasst. Wir haben die Ausstellung dann gemeinsam konzipiert, für die Natur war ich vor allem zuständig, für die Architektur Frank Seehausen, der auch das Buch über Sigrid Neuberts Architekturfotografie verfasst hat, das anlässlich der Ausstellung in Kürze bei Hirmer erscheinen wird.

MB: Die aktuelle Ausstellung zu Arbeiten von Sigrid Neubert in vier Stichpunkten zusammengefasst?

FS: Die Architekturfotografie zeigen wir in vier thematischen Kapiteln als Kern von Neuberts Lebenswerk, mit vielfältigen Bezügen zur ihren freien Arbeiten. Damit sollen die Besucher angeregt werden, selber auf die Suche nach Standpunkten, Motiven, Ähnlichkeiten und Unterschieden zu gehen. Durch Archivalien und vor allem durch Architekturzeichnungen wird der Dialog zwischen der Fotografin und den Architekten nachvollziehbar.

LD: Für die Naturfotografie sind für mich zwei Aspekte wichtig: Sigrid Neubert hat hier die Fotografie sowohl als Ausdrucksmedium von Gefühlszuständen wie auch als Medium für die Entwicklung einer ganz eigenen Formensprache eingesetzt, und das steht in einem sehr lehrreichen Kontrast zueinander.

MB: Wie sehen Sie das Verhältnis der Architekturfotografie Sigrid Neuberts in Bezug auf das Neue Sehen? Dem Pressetext entnehmen wir zudem einen Verweis auf die amerikanische Fotografie der 50er Jahre …

FS: In der Architekturfotografie hat Neubert sich zunehmend von den US-amerikanischen Einflüssen der 1950er Jahre gelöst und sukzessive einen eigenen formalen und inhaltlichen Ansatz entwickelt, indem sie nicht nur die Plastizität der Baukörper sorgfältig herausarbeitete, sondern auch das Zusammenspiel der Bauten mit der Umgebung und den Bewohnern. Zum Vergleich zeigen wir auch Aufnahmen von Julius Shulman, der Neubert in den 1950er Jahren beeinflusst hat.

MB: Architekturfotografie kann sehr aufwendig sein. Mit welcher Technik arbeitete Sigrid Neubert? Wurde sie regelmäßig von einem Team begleitet?

FS: Neubert arbeitete meistens alleine und nutzte dabei nur wenige technische Hilfsmittel. Über 30 Jahre lang setzte sie eine Laufbodenkamera ein und fotografierte bis in die 1970er Jahre am liebsten in Schwarz-Weiß auf 9×12 Glasnegativen. Das ermöglichte besonders kontrastreiche Aufnahmen in perfekter technischer Qualität. Diese für ihre Arbeit so charakteristischen harten Kontraste waren aber nicht nur Stilmittel, sondern glichen auch die schlechte Druckqualität so mancher Architekturzeitschrift aus. Sigrid Neubert war es besonders wichtig, mit den Bauwerken, die sie gewissermaßen als Stellvertreter der Persönlichkeit des jeweiligen Architekten auffasste, in einen intensiven Dialog zu treten.

MB: die aktuelle Ausstellung beinhaltet gleichfalls Landschaftsfotografie – stimmungsvolle Interpretationen derselben – auf die sich die Künstlerin in den letzten Jahrzehnten konzentriert hat. Wie erklären sie Ihre Hinwendung zur Natur?

LD: Nach langen Jahren der Auftragsarbeit für Architekten und Zeitschriften hat sich Sigrid Neubert hier ihr ganz eigenes Feld künstlerischer Wirkung geschaffen. Sie hat dabei immer in Werkblöcken gearbeitet, manche Themen jahrzehntelang verfolgt. Dies zeigt, wie intensiv sie über das Medium Fotografie und seine Möglichkeiten nachgedacht hat.

MB: Last but not least zu Ihnen, den beiden Kuratoren der Ausstellung: was für Fotografie hängt in Ihrem Wohnzimmer?

LD: Ein Leuchtkasten mit einem Schwarzweiß-Foto von Reiner Leist mit einem Blick in das Hochhausgewirr New Yorks.

FS: Ein Architekturfoto von Franz Lazi aus Stuttgart von 1950.

Fotos: © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Sigrid Neubert

Ausstellungsinfo

GoArt! Fotografie Touren

Berliner Food Festival: Interview mit eat! berlin Initiator Bernhard Moser

February 27, 2018

Das Berliner Food Festival eat! berlin tagt 2018 zum siebten Mal. Es findet jährlich statt und zählt inzwischen zu den kulinarischen Highlights der Hauptstadt. Rund 50 Veranstaltungen mit mehr als 60 KöchInnen in den besten Restaurants summieren 30 Michelin Sterne und 496 Punkte im Gault&Millau. Auch das Luxusreise- und Lifestyle Magazin Travellers’ World hat das Festival 2016 ausgezeichnet und es zu den 10 Besten der Food Festivals der Welt nominiert. Kooperationen wie etwa das mit dem Tipi am Kanzleramt und Frau Luna machen die Veranstaltung nicht nur dem Berliner Publikum schmackhaft. Auch Tim Raue oder Sebastian Frank um nur zwei der bekannten Köche nennen – zählen zu den Highlights von eat! berlin. Miriam Bers sprach mit dem Initiator des Berliner Food Festivals, Bernhard Moser.

MB: Was hat Sie 2011 motiviert das Berliner Food Festival ins Leben zu rufen und wie kamen Sie zum Essen?

BM: Ich komme aus einem Dorf in Österreich. Da gab es nur zwei Berufsmöglichkeiten: Landwirtschaft oder Gastronomie. Da wir keinen Bauernhof hatten, wurde ich Koch/Kellner, habe danach die Ausbildung zum Diplom-Sommelier gemacht. So entdeckte ich nach und nach den Genuss für mich. Die Motivation das Festival zu gründen kam daher, dass ich Berlin seit langem als Gourmetmetropole wahrnehme, außerhalb Berlins wurden wir aber in der Zeit noch als Currywurststadt wahrgenommen. Das hat mich und viele befreundete Spitzenköche genervt. Eines Abends saß ich mit einer netten Runde zusammen, darunter die Inhaber der Mattheis-Werbeagentur und ein bekannter Journalist. An diesem Abend wurde die eat! berlin gegründet.

MB: Welches sind die Auswahlkriterien für eine Teilnahme an dem Berliner Food Festival eat!berlin?

BM: Ich arbeite gerne mit herausragenden Köchen und Gastronomen zusammen. Dabei orientiere ich mich an eigenen Erfahrungen und am Gault&Millau. Idealerweise hat das Restaurant mit dem wir arbeiten mindestens 15 Punkte und steht für irgendwas. Also nicht nur so eine 08/15 Pinzettenküchen-Nachkocherei, sondern eine herausragende Stellung in der Gastronomie. Da wir im Rahmen des Festivals sehr eng mit den Menschen arbeiten, ist es auch wichtig, dass ich die- oder denjenigen mag. Für mein Team versuche ich die Egomanen vorher zu erkennen. J
MB: Kann man von kulinarischen Trends, von Moden sprechen?

BM: Ja, aber wir versuchen sie zu meiden. Gutes Essen und Trinken sind unser Trend, aber Dinge wie „Superfood“ und ähnlicher Humbug interessiert uns nicht.
MB: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei den Köchen?

BM: Bei uns eine riesige, bei den Köchen eine wachsende. Der Feinschmecker genießt ja nicht nur, er übernimmt im Idealfall auch Verantwortung für seinen Konsum. Regionalität der Lebensmittel, E-Mobilität etc. sind uns enorm wichtig. Zudem sind wir das weltweit einzige Feinschmeckerfestival, das ausschließlich mit Leitungswasser versorgt wird.

MB: Welches sind die diesjährigen Berliner Food Festival Highlights, was ist neu?

BM: Bei uns ist fast immer alles neu, weil ich Wiederholungen nicht so gerne mag. Die Entwicklung des Programmes ist mir total wichtig, insofern kann ich auch keine Highlights benennen. Ich stehe hinter jeder meiner Veranstaltungen und freue mich auf jede einzelne.
MB: Mit wie vielen Besuchern rechnen Sie dieses Jahr und kann man sagen, dass das Festival inzwischen internationales Publikum anzieht?

BM: Wir werden in diesem Jahr ca. 7.000 Besucher haben, genau kann ich das nicht sagen, da wir bei den „Berliner Käsetage“ eine relativ lange Zeit offene Türen haben und die Besucherzahl nur geschätzt werden kann. Es könne so auch 9.000 werden. Als ich heute da war, war es jedenfalls rappevoll.
International erfahren wir, vor allem seit der Wahl unter die 10 besten Foodfestivals der Welt, enorm viel Aufmerksamkeit. Das ist gut, weil nur so der Imagewandel in Berlin vollzogen werden kann. Wir sind eben nicht nur Partystadt.

MB: Ihr Lieblingsort in Berlin?

BM: Gastronomisch kann ich ihn nicht benennen. Mein liebster Ort ist auf der Couch, mit meiner Tochter im Arm, Zeichentrickfilme schauend.

MB: Ihr Sehnsuchtstort?

BM: Ich möchte unbedingt 2019 zu Heston Blumenthal ins „The Fat Duck“.

MB: Kochen Sie privat?

BM: Darf ich nur, wenn wir Gäste haben. Köche kochen anders, wir brauchen zu viele Töpfe und machen zu viel Unordnung. Da gibt’s Ärger.

MB: Eine Rezeptidee?

BM: Nehmen Sie ein wachsweich gekochtes Bio-Ei, hauen Sie einen Klecks Schmand drauf und nehmen Sie Malossol-Kaviar dazu, so viel wie Sie sich leisten wollen. Aber bitte aus guten Zuchtbetrieben in Ihrer Nähe. Ich schätze den Brandenburger Kaviar von der Forellen- und Störfarm Rottstock, betrieben von Susanne und Matthias Engels. Genuss braucht oft nur 3 Komponenten.

Fotos: courtesy of eat! Berlin

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