Fashion Week Berlin – König Souvenir x Kollektiv Ignaz

Fashion Week Ignaz Kollektiv
July 13, 2018

Ein sehr spannender und im Rahmen der Fashion Week Berlin auf dem Berliner Salon eher untypischer Auftritt ist der einer Galerie für zeitgenössische Kunst in Kooperation mit dem vor über einem Jahr von drei Frankfurtern gegründeten Kollektiv Ignaz. Auch König Souvenir wurde 2017 ins Leben gerufen und ist eine junge Produktreihe der seit langem erfolgreichen Galerie König Berlin, nun mehr auch mit Sitz in London. Es entwickelt in kleinen Auflagen Editionen wie Shirts, Hoodies, ausgestellter Arbeiten und Künstler zurückgehen, dabei auch gesellschaftliche und politische relevante Themen aufgreift, die unseren Alltag bestimmen.

So gibt es beispielweise die Leggins mit dem Print einer Arbeit von Claudia Comte oder das Guilt Cap von Monica Bonvicini aber auch ein EUnify Hoodie, das zum kritischen Engagement mit dem europäischen Projekt aufruft.

Das Kollektiv Ignaz hingegen lebt in Frankfurt am Main macht sei kurzer Zeit Furore mit Events, die Bereiche Musik, Design und Fotografie vereinen. Mit einer für das Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt für ein spezifisches Publikum entwickelten Party wurde schließlich die Presse auf sie aufmerksam. Erklärtes Ziel der Dreier-Gruppe ist das kulturelle und kreative Interesse Gleichaltriger zu wecken, einer ganz jungen Generation, die gerade erst die Schule beendet und weniger Text lastig ist als ihre Vorgänger.

Miriam Bers GoArt! Berlin sprach mit den Protagonisten auf der Fashion Week Berlin.

MB: wie kam es zur Gründung Eures Kollektivs und was bewegt Euch?

KI: Die Gründung unseres Kollektivs basiert auf Freundschaft. Wir sind alle schon jahrelang befreundet und haben alle unsere eigenen kreativen Interessen ausgelebt. Irgendwann haben wir uns dann immer öfter über unsere Projekte ausgetauscht und so ist dann aus einer Freundschaft auch eine Zusammenarbeit geworden. In erster Linie möchten wir auch weiterhin mit unserem Kollektiv unsere eigene Kreativität ausleben und dieses dazu als Plattform nutzen.

MB: König Souvenir, wie entstand die Zusammenarbeit mit dem Kollektiv anläßlich der Fashion Week Berlin?

KS: Wir kennen Ignaz schon seit längerem und sind durch ihre Kreativprojekte auf sie aufmerksam geworden. Als die antisemitischen Übergriffe in Berlin passierten, waren wir im regen Austausch und haben so die Idee zum Solidarity Hoodie entwickelt da wir ein Zeichen gegen Hass und Intoleranz setzen wollen.

MB: Der Solidarity Hoodie ist eine geniale Idee. Die Kippa auf einem Hoodie gestickt. Damit schafft Ihr ein politisches Lifestyle-Produkt. Letztlich repräsentiert Beides – wenn auch aus unterschiedlichen Kontexten stammend – Minderheiten. Die Kippa als Symbol fürs Jüdisch sein, die Kapuzenjacke einst Synonym für Randgruppen, vormals durch Rapper populär gemacht und heute nicht mehr aus dem Kleiderschrank wegzudenken. In bestimmten Kreisen und Szenen aber auch mit Begriffen wie Anonymität und Verweigerung in Verbindung gesetzt. Wie kamt Ihr auf diese Idee?

KI: Der Hoodie spielt hierbei keine bestimmte Rolle. Wir kommen alle aus einer Generation, wo ein bestimmtes Kleidungsstück nicht wegen seiner Vergangenheit getragen wird, sondern vor allem weil wir finden, dass es cool aussieht. Sowohl Angriffe gegen die jüdische Religion als auch gegen andere Religionen sind leider allerdings immer noch viel zu häufig in Deutschland. Es kann nicht sein, dass religiöse Kleinigkeiten in den Nachrichten und in der Gesellschaft immer wieder intensiv diskutiert werden, wenn die generelle Freiheit der Religionsausübung nicht möglich ist.

MB: Wer ist Eure Zielgruppe, wer wird die Jacke tragen?

KI:Wir haben keine spezielle Zielgruppe. Jeder, der sich für generelle Religionsfreiheit aussprechen möchte und sich mit Personen, die auf Grund ihrer Religion diskriminiert werden, solidarisieren möchte, kann diesen Hoodie tragen.

MB: In welcher Auflage erscheint der Solidarity Hoodie?

KS: Der Hoodie erscheint zuerst in einer Auflage von 500 Stück und ist aktuell in fünf verschiedenen Farben erhältlich: schwarz, blau, gelb, grau und grün.

MB: Wie fühlt es sich an, mit König Souvenir auf dem Berliner Salon der Fashion Week Berlin vertreten zu sein? Wie kommt der Solidarity Hoodie an?

KI: Natürlich ist es eine große Ehre und eine riesen Chance mit König Souvenir zusammenzuarbeiten. Schon vor der Kollaboration waren wir große Fans von König Souvenir.

KS: Der Berliner Salon im Rahmen der Fashion Week Berlin war die perfekte Plattform, um unseren Solidarity Hoodie zu präsentieren. Wir haben durchweg positive Resonanz bekommen und sogar Anfragen aus den USA.

MB: Wie geht es weiter mit dem Kollektiv Ignaz, gibt es schon neue Pläne?

KI:In letzter Zeit haben wir unsere Energie auf dieses Projekt konzentriert, jedoch werden wir mit Sicherheit weitermachen.

MB: König Souvenir, welches ist Euer nächstes Highlight?

KS: Momentan sind zwei T-Shirts zur aktuellen Andreas Mühe Ausstellung erhältlich, die seine Arbeiten „Prora Sport“ und „Totilas I“ zeigen. Zudem sind spannende neue Kollaborationen in Planung, die aber natürlich noch Überraschung sind und in unserem Onlineshop koenig-souvenir.com erhältlich sein werden und in der Galerie hier in Berlin.

 

Photos: Jakob Blumenthal 

Porträt: Nick Leuze

IG: @goartberlin @koenig.souvenir @ignaz.de @nickleuze

GoArt! Art & Fashion Touren

Porträt Kollektiv Ignaz, Fashion Week
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World Press Photo 18 Berlin

World Press Photo
June 12, 2018

Der World Press Photo Award 2017 geht an den Fotografen Ronaldo Schemidt. Er fotografierte während der Proteste gegen die venezolanische Regierung José Víctor Salazar Balza (28), der von Flammen erfasst wurde als der Tank eines Motorrades explodierte. Balza überlebte mit schweren Brandwunden.

Der jährliche WORLD PRESS PHOTO Award ist der weltweit größte und renommierteste Wettbewerb für Pressefotografie. Die Mission der World Press Photo Foundation ist seit 1955 „hohe professionelle Standards im Fotojournalismus aufrechtzuerhalten und für einen freien und uneingeschränkten Informationsaustausch einzutreten“.

Insgesamt beteiligten sich mehr als 4500 Fotografen mit über 73.000 Fotos an dem Wettbewerb. Alle ausgezeichneten Fotos werden in einer Ausstellung gezeigt, die in 45 Ländern zu sehen sein wird. Der Freundeskreis Willy-Brandt-Haus, Gruner+Jahr und die Magazine Stern und Geo präsentieren die World Press Photo Ausstellung zum 15. Mal im Willy-Brandt-Haus.

Quelle: Pressemitteilung World Press Photo 18

Ausstellung vom 8. Juni bis 1. Juli 2018, Willy-Brandt-Haus Berlin

World Press Photo 18

Installationsansicht

World Photo Press 18

Installationsansicht

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Installationsansicht

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Langfristige Projekte, 1. Preis Carla Kogelman Niederlande Ich bin Waldviertel 19. Juli 2012 - 29. August 2017 >Die Geschwister Hannah und Alena leben in Merkenbrechts, einem Bioenergiedorf von etwa 170 Einwohnern im Waldviertel, einem ländlichen abgelegenen Gebiet Österreichs nahe der tschechischen Grenze.

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Carla Kogelman, Hannah und Alena, 2017

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Umwelt, 1. Preis, Fotoserien, Kadir van Lohuizen Niederlande, NOOR Images, 23. Februar 2016 - 9. Juli 2017 > Die Menschheit droht im Abfall zu ersticken. Nach Angaben der Weltbank erzeigen wir weltweit 3,5 Millionen Tonnen Festmüll täglich-zehnmal so viel wie vor hundert Jahren. Diese Fotos der Abfallentsorgung in Großstädten in der ganzen Welt zeigen, wie verschiedene Gesellschaften ihr Müllproblem lösen-oder eben nicht.

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Kader van Lohuizen, Im Stadtzentrum von Amsterdam, Niederlande, wird Müll abgeholt.

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Umwelt, 3. Preis Einzelfotos, Thomas P. Peschak Deutschland, 1. März 2017 > Diese historische Aufnahme einer Brillenpinguinkolonie vom Ende des 19. Jahrhunderts zeigt, wie stark die Population, einst mehr als 100.000 Tiere groß, bis heute geschrumpft ist. Fotografiert wurde derselbe Ort auf der Insel Halifax, Namibia.

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Langfristige Projekte, 2. Preis , Fausto Podavini, Italien, Der Omo-Fluss im Wandel, 24.Juli 2011 - 24. November 2017 > Der Gibe III-Staudamm im Omo-Fluss in Äthiopien hat nicht nur Auswirkungen für die Bewohner des Omo-Tals, sondern auch die Anwohner des Turkana-Sees in Kenia (in den der Oma einmündet). In diesem Tal leben Menschen acht verschiedener Ethnizitäten in einem empfindlichen Gleichgewicht mit der Umwelt.

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Fausto Podavini, Mursi-Frauen, denen Touristen BHs geschenkt haben, kehren in ihr Dorf zurück, nachdem sie Brunnenwasser geholt haben.

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Ein Mann der ethnischen Mursi-Gruppe bereitet sich auf einen traditionellen Stockkampf gegen ein Nachbardorf vor.

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Menschen, 2. Preis Fotoserien , Anna Bonyiazis, USA 17. Oktober - 29. Dezember 2016 > Traditionell dürfen Mädchen auf dem Sansibar-Archipel aus den Vorschriften der konservativen islamischen Kultur und aus Gründen der fehlenden, bedeckenden Badekleidung nicht schwimmen lernen.

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Anna Boyiazis, Den Schülern der Kijini-Grundschule wird das Schwimmen und Durchführen von Rettungsmaßnahmen beigebracht.

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Anna Boyiazis, Schwimmlehrerin Chema (17) taucht unter und schnipst über Wasser mit den Fingern, im Meer nahe dem Dorf Nungwi.

Food Revolution 5.0

Food Revolution
May 18, 2018

Im Kunstgewerbemuseum in Berlin hat am 18.05.2018 die Ausstellung Food Revolution 5.0, kuratiert von Dr. Claudia Banz, der neuen Kuratorin für Design am Museum, eröffnet. Themen wie das Essen in der Zukunft, schwindende Ressourcen oder Klimawandel machen Nahrung zu einem brisanten politischen Thema. Welche Szenarien entwickeln Künstler zum Essen von Morgen? Miriam Bers sprach mit der Kuratorin.

MB: Food Revolution 5.0 war bereits 2017 in Hamburg im Museum für Kunst und Gewerbe zu sehen. Dort haben die teilnehmenden Künstler Auftragsarbeiten für die Ausstellung entworfen. Zeigen Sie dieselben Werke in Berlin?

CB: Ja, wir zeigen mit ein paar Ausnahmen dieselben Arbeiten, konnten die Ausstellung in Berlin aber noch um einige wichtige neue Beiträge erweitern. Denn auch eine Ausstellung ist ja ein offener Prozess. In Berlin gehen wir viel stärker in den Außenraum: auf der Piazzetta entsteht eine „Urbane Streuobstwiese“, ein Projekt des niederländischen Stadtplaners und Designers Ton Matton. Auf einer bislang ungenutzten Terrasse des Museums realisiert die Planwerkstatt der TU Berlin in Kooperation mit der Landschaftsarchitektin Katrin Bohn einen „Essbaren Garten“. Die Künstlerin Silke Riechert hat speziell für die Ausstellung die partizipative Installation „Störung im Schlaraffenland“ entwickelt; hier geht es u.a. um eine kritische Auseinandersetzung mit der Lebensmittelindustrie und die Vermittlung von Ernährungswissen für Schulkinder. Susanna Soares und Andrew Forkes zeigen ihr Projekt „Insects au Gratin“, mit dem sie zukünftige Nahrungsmittel im Kontext von Insekten, Nährstoffen und 3D-Druck erforschen. Chmara.rosinke sind mit ihrem Projekt „Mobile Gastfreundschaft dabei und The Center for Genomic Gastronomy stellen ihr aktuelles Projekt „To flavour our teares“ vor.

MB: Food ist ein zunehmend wichtiges und in unserer westlichen Welt ein absolutes Lifestyle-Thema: so hat es viele spannende gesellschaftliche und ästhetische Komponenten, gesundheitliche Aspekte, dann wiederum ökologische und politische Bedeutung und ihre traurige Kehrseite: Essensknappheit, das Verschwinden von Ressourcen und Hungersnot. Der Österreicher Klaus Pichler beispielsweise thematisiert auf ästhetische Weise  Lebensmittel im Überfluss,. Laut Statistik wird ein Drittel der weltweiten Nahrung weggeworfen. Das meiste davon in industrialisierten Ländern. Demgegenüber sind 925 Millionen Menschen vom Hunger bedroht. Was ist die Message der Ausstellung, weist sie Alternativen auf?

CB: Ja, die Thematik spielt natürlich eine zentrale Rolle in der bereits erwähnten Arbeit Pichler oder in den Arbeiten von Kosuke Araki, der Essgeschirr aus Lebensmittelabfällen entwirft und damit darauf hinweist, dass es sich hierbei um einen wertvollen Rohstoff handelt. Ganz wichtig ist natürlich unser Konsumverhalten, und dass wir einen respektvollen Umgang mit unseren Ressourcen pflegen sollten. Dass also Konsum eine Frage von Haltung und Verantwortung ist, das zieht sich als Subtext durch die meisten der ausgestellten Werke.

MB: Worauf spielen Sie mit dem Titel Food Revolution 5.0 an? Wie ist ihre Vision von zukünftiger Nahrung?

CB: Der Titel Food Revolution ergab sich aus Recherchen im Vorfeld der Ausstellung: Es ist inzwischen, glaube ich, in der Mitte der Gesellschaft angekommen, dass unser Ernährungssystem zu einem der Hauptverursacher des Klimawandels gehört und daher einer radikalen Änderung bedarf. Das 5.0 steht dafür, dass wir die neuen Technologien sinnvoll einsetzen sollten, indem wir sie mit den alten Kulturtechniken der Landwirtschaft und dem alten handwerklichen Wissen um das Selbermachen, Konserverieren und weitere Spezifika bäuerlicher Produktion verbinden. 5.0 steht aber auch für Degrowth und für die Idee der Commons. Die Ressourcen dieser Erde gehören allen Menschen und nicht nur wenigen Konzernen. Dementsprechend sollten auch alle Menschen den gleichen Zugang dazu haben.

MB: Sind die von den ausstellenden Designern entwickelten Szenarien anwendbar oder vielmehr Reflexionen und Utopien zukünftiger Nahrung/Ernährung?

CB:  Wir zeigen sowohl Best-Practice-Beispiele wie eine Indoor-Farm, in der Salat wächst, oder einen mobilen Beehive für den urbanen Raum von The Beecollective. Zu sehen ist auch ein Tomatenfisch-Projekt, das nach dem Prinzip des Aquaponik funktioniert sowie eine Algenfarm für die Gebäudefassade. Es gibt aber auch spekulative Arbeiten wie von Martí Guixé, der mit „Digital Food“ eine maßgeschneiderte Ernährung aus dem 3D-Drucker visioniert. Johanna Schmeer wiederum erforscht in ihrem Projekt „Bioplastic Phantastic“ die Möglichkeiten, bio- und nanotechnologische Erkenntnisse für die zukünftige Nahrungsproduktion zu nutzen.

MB: Verraten Sie uns etwas über die Entwürfe Werner Aisslingers oder Marije Vogelzangs, und was hat es mit dem Sharing Dinner auf sich?

CB: Werner Aisslinger hat speziell für unsere Food-Ausstellung eine communal cooking landscape entworfen. Es ist ein Hybrid aus archetypischer Kochstelle, Arena oder Sitztreppe, die eine Symbiose aus analogem Kochen und der sozialen Nachhaltigkeit des gemeinschaftlichen Zubereitens, Kochen, Essens und Unterhaltens darstellt. Marije Vogelzang präsentiert mit ihrer ebenfalls für die Food-Ausstellung entwickelten Arbeit „Volumes“ eine Möglichkeit, unser Essverhalten positiv zu verändern.

MB: Berlin ist gutes Beispiel für eine Stadt, deren Kreative sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen. Erfolgreiche Urban Gardening Projekte, eine zunehmende Zahl an Restaurants und Köchen, die vor allem lokale Zutaten verarbeitet, Bio-Supermärkte, die Berliner Tafel, die Essensreste an Bedürftige verteilt und last but not least inhouse farming/vertical planting: wie betrachten Sie diese Entwicklung, haben wir eine Vorreiterrolle?

CB: Ich glaube unbedingt, dass Berlin eine Vorreiterrolle besitzt, es gibt eine unglaubliche Dichte von ganz unterschiedlichen Akteuren, die sich mit der Food-Thematik auseinandersetzen, auch eine interessante Start up Szene für innovative nachhaltige Nahrungsprodukte und die sinnvolle Distribution von Nahrung. Berlin ist auch die erste Stadt, in der nach angelsächsichem Vorbild ein Ernährungsrat gegründet wurde. Das ist wichtig, um die Bedürfnisse und Wünsche der Bürger in Hinblick auf eine transparente und soziale Nahrungsproduktion auch in die Politik hineinzutragen. Es gibt auch im Kunst- und Designbereich viele spannende Projekte, die von einem internationalen Publikum gesehen werden; die Berlin Kunst- und Designuniversitäten setzten sich mit der Thematik auseinander.

 MB: Kochen Sie gerne, welches sind Ihre Kriterien?

CB: Ich koche sehr gerne und achte mittlerweile noch stärker darauf, woher die Produkte kommen. Die regionale oder lokale Produktion ist mir sehr wichtig. Auch gehe ich lieber öfters einkaufen, um dadurch meine Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Sehr schade finde ich es, dass selbst in den Biomärkten oft genauso viel Verpackung verwendet wird. Daher würde ich mir wünschen, dass es mehr Unverpackt-Läden gibt.

MB: Eine Rezeptidee?

Es gibt inzwischen ja auch Kochbücher für Insekten, u.a. von der Schweizer Designerin Andrea Staudacher, die auch in der Ausstellung vertreten ist. Mit Insekten als Nahrungsmittel würde ich mich zukünftig gerne mehr beschäftigen und verschiedene Rezepte mal ausprobieren, jetzt, da Insekten ja auch in der EU offiziell als Nahrungsmittel zugelassen sind.

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Food Revolution 5.0
Gestaltung für die Gesellschaft von Morgen

18.05.2018 bis 30.09.2018 

GoArt! Food Touren

Food Revolution

Johanna Schmeer, Bioplastic Fantastic, 2014, © Johanna Schmeer

Food Revolution

Officina Corpuscoli - Maurizio Montalti, System Synthetics, seit 2011, © Maurizio Montalti

Food Revolution

Klaus Pichler, Erdbeeren, aus der Fotoserie „One third“, 2010-2012, © Klaus Pichler

Food Revolution

Chloé Rutzerveld, Edible Growth, 2014, © Chloé Rutzerveld, Foto: Bart van Overbeeke

Food Revolution

Fraunhofer UMSICHTinFARMING, 2017© Fraunhofer Umsicht 2017

Food Revolution

Austin Stewart, Second Livestock, 2014, © Austin Stewart

Food Revolution

Marije Vogelzang, Volumes, 2017, © Marije Vogelzang

Das Gallery Weekend Berlin in Bildern

GoArt! Berlin
April 30, 2018

Anlässlich des 14. Gallery Weekends, dem Frühlingsauftakt des Berliner Kunstjahres 2018, eröffnen hunderte von Galerien in der ganzen Stadt ihre Shows, die als Höhepunkt der Saison gelten und bis in den Juli hinein die Besucher begeistern werden.In etablierten und weniger bekannten Gegenden von Mitte über Kreuzberg bis Charlottenburg bespielen Galerien die ganze Stadt. GoArt! ist auf Streifzug durch Berlin gegangen und hat eine Auswahl der schönsten Gallery Weekend Ausstellungen zusammengestellt.

Galerie Max Hetzler, Goethestraße Charlottenburg

Solo Show: Loris Gréaud – Lady Rogeurs, Sir Loudrage, a still life

Max Hetzer

Contemporary Fine Arts, Charlottenburg

Solo Show: Raymond Petition – … no hugs coming

CFA
CFA

Camera Work, Charlottenburg

Solo Show: Vincent Peters

Camera Work
Camera Work

Galerie Tore Süßbier, Charlottenburg

Solo Show: Christian Hosen – Konkreter wird’s nicht

Tore Süßbier
Tore Süßbier

XC. HuA Gallery, Schöneberg

Duo Show: Fred. H.C. Liang and Tomas Vu’s – Silver Lining

xchua

Blain Southern, Schöneberg

Solo Show: Frank Thiel – Quinceañeras

Solo Show: Liliane Tomasko – a dream of

Blain Southern
Blain Southern

Jürg Judin, Schöneberg

Solo Show: Edouard Baribeaud – An Old Story for Our Modern Times

Judin

Paper Positions, Mitte

Group Show

Paper Positions

ngorongoro – Artist Weekend, Weißensee

Group Show: Christian Achenbach, Tim Noble and Sue Webster, Anselm Reyle

Achenbach
Reyle
Tim Noble and Sue Webster

Fotos: GoArt!

Frank Thiel Show: Foto Blain Southern

Paper Positions: Foto Paper Positions

James Turrell im Jüdischen Museum Berlin

April 24, 2018

Es ist etwas Besonderes, eine Lichtinstallation von James Turrell live und in Farbe zu erleben. Das Jüdische Museum zeigt seit dem 12. April 2018 bis voraussichtlich 30. September 2019 die Installation „Aural“ des US-Amerikanischen Künstlers James Turrell – ein Original aus dem Jahre 2004.

Das Werk, eine Schenkung des Sammlerehepaars Dieter und Si Rosenkranz, wurde in dieser Form noch nie zuvor gezeigt und befindet sich für die genannte Zeitdauer in einem temporären Bau im Museumsgarten. Als das „Aural“ in Valencia zu sehen war, sah man es lediglich von der Farbe Blau erfüllt. Für das Jüdische Museum hat Turrell die begehbare Installation um neue Farben erweitert, wo nun auf mehr als 200m² zum ersten Mal eines der „Ganzfeld Pieces“des Künstlers mit rund 13.000 Einzel LEDs in Berlin gezeigt wird.

Programmdirektorin Léontine Meijer-van Mensch formuliert in der Pressekonferenz ganz treffend: „Für Turrell muss man sich Zeit nehmen.“ Die Augen müssen sich erst einmal an den Farbwechsel und die Immaterialität dieses dimensions- und konturlosen Raumes gewöhnen. Im Grunde bietet das Werk laut Meijer-van Mensch die Möglichkeit das Museum als einen „Ort der Entschleunigung“ wahrzunehmen. In diesem Sinne könnte man das „Aural“ als sujet für die Auseinandersetzung mit Zeit verstehen.

Fragt man nach der Bedeutung des „Aurals“ für das Museum, so stellt Peter Schäfer, Direktor des Jüdischen Museums klar: „Wie jeder gute Künstler, schreibt Turrell nicht vor, wie sein Werk zu interpretieren sein soll.“ Im Judentum hat die Symbolik des Lichts einen besonderen Stellenwert: Es steht für die Gegenwart Gottes und geht bis auf den Schöpfungsakt zurück. Im Wüstenheiligtum vor der Errichtung des Jerusalemer Tempels brannte immer ein Licht. In der Synagoge brennt auch heute neben dem Tora-Schrein das „ewige Licht“ (hebräisch: ner tamid).

James Turrell wurde 1943 in Los Angeles geboren. Als einer der wichtigsten Gegenwartskünstler widmet er sein Schaffen seit über fünfzig Jahren dem Medium Licht. Es geht Turrell in seiner Auseinandersetzung mit Licht primär um die menschliche Wahrnehmung des Lichts. Sein Ziel ist es, die Wahrnehmung von jeglicher Art des assoziativen und symbolischen Denkens zu befreien.

Turrell erreicht letztlich mit seiner „Perceptual Art“ („Kunst der Wahrnehmung“), wie er sie beschreibt, dass es die Wahrnehmung selbst ist, die betrachtet wird: „Man sieht sich selber sehen“, beschreibt James Turrell das Erlebnis seiner Ganzfeld-Installationen. Das „Aural“ ermöglicht den Blick nach Innen, zur Selbstreflexion und einen geradezu Trance-artigen Zustand des Beobachtens.

Schäfer verweist zudem auf die Kabbala, die jüdische Mystik. Hier wird Gott zunächst als unerkennbarer Gott – ohne Anfang und Ende – verstanden, der durch eine zunächst dunkle, farblose Flamme letztlich Gestalt in allen Farben annimmt, sicht- und greifbar wird.

Wer ein weiteres, wenn auch kleineres Ganzfeld Turrells sehen möchte, kann dies übrigens vom 09. Juni bis 28. Oktober 2018 im Museum Frieder Burda in Baden-Baden tun.

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Fotos: Titelbild Portrait James Turrell, Foto von Grant Delin

Fotos 2,4,5: James Turrell, Ganzfeld Aural, 2018; © Jüdisches Museum Berlin, Foto von Florian Holzherr

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