10. Berlin Biennale

August 16, 2018

Noch bis zum 09.09.2018 läuft die 10. Berlin Biennale. Unter dem Titel  ‘We don’t need another hero’ hat das 5-köpfige Kuratorenteam um Gabi Ngcobo 46 künstlerische Positionen zusammengebracht, die politische und gesellschaftliche Ereignisse, Herrschaftsstrukturen und Geschichtsschreibung außerhalb eurozentrischer Sicht, mit Fokus auf afrikanische oder südamerikanische Perspektiven behandeln.

Miriam Bers sprach mit Nomaduma Rosa Masilela, einer der Ko-Kuratorinnen der 10. Berlin Biennale.

MB: Mit welchen Erwartungen sind Sie nach Berlin gekommen – wie war / wie ist die Arbeit hier und im Kontext der 10. Berlin Biennale? Wie international empfinden Sie die Szene etwa im Vergleich zu New York, was hat Euch hier besonders inspiriert, was hat überrascht und was hingegen enttäuscht?

NRM: Ich habe über 10 Jahre in New York gelebt, fast meine ganzen 20iger dort in der Kunstszene verbracht, daher ist es schwer zu sagen, ob ich bereits in der Lage bin einen tatsächlichen Vergleich zur Berliner Szene zu ziehen, die ich bis dato weniger als ein Jahr frequentiere. Während ich denke, dass kaum eine andere Stadt mit der internationalen Qualität der New Yorker Szene vergleichbar ist, fiel mir auf, dass in New York die Kräfte des Kapitals überwältigend präsent und einflussreich sind, die Berliner Szene hingegen eher auf staatliche oder einmalige Finanzierungsquellen ausgerichtet zu sein scheint, die dann jeweils Richtung und vornehmliches Interesse der Saison bestimmen. Was mich am meisten an Berlin inspiriert hat, war das Treffen mit den vielen hier in der Stadt lebenden Künstlern, ihre Arbeit zu thematisieren und eine wesentlich freiere Weise der Zusammenarbeit andenken zu können als es in New York möglich wäre, wo sich die meisten Veranstaltungen um Profitabilität oder den Beliebtheitsgrad drehen.

MB: Wie inspirierend, dass das Kuratorenteam der 10. Berlin Biennale es geschafft hat, Politik mit Poesie zu verknüpfen. Die Botschaft vieler Arbeiten kommt an auch ohne alle Details und Hintergründe zu kennen. Themen wie Kolonialismus und Unterdrückung prägen das Bild der Ausstellungsorte, ohne den erhobenen Zeigefinder, dafür mit vielen parallelen (Künstler)welten, die den Betrachter mitunter inkludieren. Z.B. die partizipative Performance von Okwui Okpokwasihi und Peter Born in den KW, die einen der bedeutendsten Frauenproteste der Welt behandelt zugleich den Betrachter involviert, ihm Fragen stellt und diese auch textlich bzw. Mit Gesang verknüpft. Handelt es sich um ein work in progress, entsteht eine neue Story?

NRM: Okwui Okpokwasili und Peter Born’s Projekt, Sitting on a Man’s Head (2018) war eine Auftragsarbeit für die 10. Berlin Biennale, ist allerdings das Ergebnis einer fortlaufenden Recherche, die lange vor ihrer Einbindung in die Berlin Biennale begonnen hatte. Okwui’s Umsetzung, Recherche und die Ansiedlung des Themas im frühen 20. Jahrhundert in Nigeria beinhaltet bereits frühere Performance- Produktionen wie etwa Poor People’s TV Room. Zudem sind die unablässige Partizipation der beiden Künstler sowie der Zuschauer integraler Bestandteil der Arbeit und spiegeln das fortlaufende Charakteristikum von Protest und seiner Möglichkeit Dinge zu verändern.

MB: In der Akademie der Künste zeigt Firelei Baez ihre Version von Sanssouci. Sanssouci als ehemaliger Herrscher- und heutiger künstlerischer Wunschort? Wie ist die Story des haitianischen Sanssouci und was lernen wir daraus? Welche Message knüpft Firelei Baez an ihre Arbeit?

NRM: Ich glaube diese Antwort wird am besten durch das Lesen der wunderschönen Essays von Portia Malatjie im Katalog und Ausstellungsführer der Berlin Biennale beantwortet. Portia’s Essay erklärt deutlich die Relevanz des haitianischen Sanssouci wie auch der Haitianischen Revolution, nicht nur in Firelei’s Werk und der Biennale, sondern auch als Modell für notwendige Veränderungen, die passieren müssen. Firelei ist der festen Überzeugung, dass beim Schichten und Triangulieren von Geschichte(n) ein dritter Ort, ein Ort der Kundgebung, der Aussprache zu Stande kommt.

MB: Last but not least: wie lautet Eure Botschaft in wenigen Worten – und wie geht es weiter?

NRM: Wir haben bewusst Schlüsselbegriffe vermieden, da sie die ganze spannende Interpretationsarbeit verhindern, die der Besucher vornimmt.  Wir möchten, dass jeder sich auf seine Weise mit den Arbeiten auseinandersetzen und sie individuell erleben kann: Strukturen zu hinterfragen, die man bisher für selbstverständlich hielt und damit neue Möglichkeiten der Existenz, der Vorstellung der Welt und derer zu schaffen, die in ihr leben.

Wie es weitergeht – was mich anbelangt, bin ich im Februar von New York nach Berlin gezogen und konzentriere mich derzeit verstärkt darauf meine Doktorarbeit abzuschließen und mit ihr am Fachbereich Kunstgeschichte der Columbia University von New York zu promovieren. Zugleich setze ich einen Fokus auf meine eigene kreative Arbeit und plane eine Schwester–Publikation meiner kuratorischen Veröffentlichung  Strange Attractors,die ich für die BB10 geschaffen habe, die Auftragsarbeiten zeitgenössischer Künstler der Biennale (wie Temitayo Ogunbiyi, Mame Diarra Niang, Adrijana Gvozdenovic, and Beau H. Rhee) mit Archivmaterial (etwa dem Herbarium von Rosa Luxemburg, dem Skizzenbuch von Mildred Thompson und Notizbüchern von Octavia Butler und Audre Lorde) kombiniert, mit dem Ziel, Geborgenheit und Komplikationen familiärer Liebe und Kommunikation zu untersuchen.

 

10. Berlin Biennale
10. Berlin Biennale
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10. Berlin Biennale
10. Berlin Biennale
10. Berlin Biennale

 

Foto -Kredit:  10. Berlin Biennale

Foto 1 © F. Anthea Schaap

Foto 2 © Liz Johnson Artur

Foto 3 © Smina Bluth

Foto 4 © Timo Ohler

Foto 5 © Timo Ohler

Foto 6 © Timo Ohler

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Fashion Week Berlin – König Souvenir x Kollektiv Ignaz

Fashion Week Ignaz Kollektiv
July 13, 2018

Ein sehr spannender und im Rahmen der Fashion Week Berlin auf dem Berliner Salon eher untypischer Auftritt ist der einer Galerie für zeitgenössische Kunst in Kooperation mit dem vor über einem Jahr von drei Frankfurtern gegründeten Kollektiv Ignaz. Auch König Souvenir wurde 2017 ins Leben gerufen und ist eine junge Produktreihe der seit langem erfolgreichen Galerie König Berlin, nun mehr auch mit Sitz in London. Es entwickelt in kleinen Auflagen Editionen wie Shirts, Hoodies, ausgestellter Arbeiten und Künstler zurückgehen, dabei auch gesellschaftliche und politische relevante Themen aufgreift, die unseren Alltag bestimmen.

So gibt es beispielweise die Leggins mit dem Print einer Arbeit von Claudia Comte oder das Guilt Cap von Monica Bonvicini aber auch ein EUnify Hoodie, das zum kritischen Engagement mit dem europäischen Projekt aufruft.

Das Kollektiv Ignaz hingegen lebt in Frankfurt am Main macht sei kurzer Zeit Furore mit Events, die Bereiche Musik, Design und Fotografie vereinen. Mit einer für das Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt für ein spezifisches Publikum entwickelten Party wurde schließlich die Presse auf sie aufmerksam. Erklärtes Ziel der Dreier-Gruppe ist das kulturelle und kreative Interesse Gleichaltriger zu wecken, einer ganz jungen Generation, die gerade erst die Schule beendet und weniger Text lastig ist als ihre Vorgänger.

Miriam Bers GoArt! Berlin sprach mit den Protagonisten auf der Fashion Week Berlin.

MB: wie kam es zur Gründung Eures Kollektivs und was bewegt Euch?

KI: Die Gründung unseres Kollektivs basiert auf Freundschaft. Wir sind alle schon jahrelang befreundet und haben alle unsere eigenen kreativen Interessen ausgelebt. Irgendwann haben wir uns dann immer öfter über unsere Projekte ausgetauscht und so ist dann aus einer Freundschaft auch eine Zusammenarbeit geworden. In erster Linie möchten wir auch weiterhin mit unserem Kollektiv unsere eigene Kreativität ausleben und dieses dazu als Plattform nutzen.

MB: König Souvenir, wie entstand die Zusammenarbeit mit dem Kollektiv anläßlich der Fashion Week Berlin?

KS: Wir kennen Ignaz schon seit längerem und sind durch ihre Kreativprojekte auf sie aufmerksam geworden. Als die antisemitischen Übergriffe in Berlin passierten, waren wir im regen Austausch und haben so die Idee zum Solidarity Hoodie entwickelt da wir ein Zeichen gegen Hass und Intoleranz setzen wollen.

MB: Der Solidarity Hoodie ist eine geniale Idee. Die Kippa auf einem Hoodie gestickt. Damit schafft Ihr ein politisches Lifestyle-Produkt. Letztlich repräsentiert Beides – wenn auch aus unterschiedlichen Kontexten stammend – Minderheiten. Die Kippa als Symbol fürs Jüdisch sein, die Kapuzenjacke einst Synonym für Randgruppen, vormals durch Rapper populär gemacht und heute nicht mehr aus dem Kleiderschrank wegzudenken. In bestimmten Kreisen und Szenen aber auch mit Begriffen wie Anonymität und Verweigerung in Verbindung gesetzt. Wie kamt Ihr auf diese Idee?

KI: Der Hoodie spielt hierbei keine bestimmte Rolle. Wir kommen alle aus einer Generation, wo ein bestimmtes Kleidungsstück nicht wegen seiner Vergangenheit getragen wird, sondern vor allem weil wir finden, dass es cool aussieht. Sowohl Angriffe gegen die jüdische Religion als auch gegen andere Religionen sind leider allerdings immer noch viel zu häufig in Deutschland. Es kann nicht sein, dass religiöse Kleinigkeiten in den Nachrichten und in der Gesellschaft immer wieder intensiv diskutiert werden, wenn die generelle Freiheit der Religionsausübung nicht möglich ist.

MB: Wer ist Eure Zielgruppe, wer wird die Jacke tragen?

KI:Wir haben keine spezielle Zielgruppe. Jeder, der sich für generelle Religionsfreiheit aussprechen möchte und sich mit Personen, die auf Grund ihrer Religion diskriminiert werden, solidarisieren möchte, kann diesen Hoodie tragen.

MB: In welcher Auflage erscheint der Solidarity Hoodie?

KS: Der Hoodie erscheint zuerst in einer Auflage von 500 Stück und ist aktuell in fünf verschiedenen Farben erhältlich: schwarz, blau, gelb, grau und grün.

MB: Wie fühlt es sich an, mit König Souvenir auf dem Berliner Salon der Fashion Week Berlin vertreten zu sein? Wie kommt der Solidarity Hoodie an?

KI: Natürlich ist es eine große Ehre und eine riesen Chance mit König Souvenir zusammenzuarbeiten. Schon vor der Kollaboration waren wir große Fans von König Souvenir.

KS: Der Berliner Salon im Rahmen der Fashion Week Berlin war die perfekte Plattform, um unseren Solidarity Hoodie zu präsentieren. Wir haben durchweg positive Resonanz bekommen und sogar Anfragen aus den USA.

MB: Wie geht es weiter mit dem Kollektiv Ignaz, gibt es schon neue Pläne?

KI:In letzter Zeit haben wir unsere Energie auf dieses Projekt konzentriert, jedoch werden wir mit Sicherheit weitermachen.

MB: König Souvenir, welches ist Euer nächstes Highlight?

KS: Momentan sind zwei T-Shirts zur aktuellen Andreas Mühe Ausstellung erhältlich, die seine Arbeiten „Prora Sport“ und „Totilas I“ zeigen. Zudem sind spannende neue Kollaborationen in Planung, die aber natürlich noch Überraschung sind und in unserem Onlineshop koenig-souvenir.com erhältlich sein werden und in der Galerie hier in Berlin.

 

Photos: Jakob Blumenthal 

Porträt: Nick Leuze

IG: @goartberlin @koenig.souvenir @ignaz.de @nickleuze

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Porträt Kollektiv Ignaz, Fashion Week
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James Turrell im Jüdischen Museum Berlin

April 24, 2018

Es ist etwas Besonderes, eine Lichtinstallation von James Turrell live und in Farbe zu erleben. Das Jüdische Museum zeigt seit dem 12. April 2018 bis voraussichtlich 30. September 2019 die Installation „Aural“ des US-Amerikanischen Künstlers James Turrell – ein Original aus dem Jahre 2004.

Das Werk, eine Schenkung des Sammlerehepaars Dieter und Si Rosenkranz, wurde in dieser Form noch nie zuvor gezeigt und befindet sich für die genannte Zeitdauer in einem temporären Bau im Museumsgarten. Als das „Aural“ in Valencia zu sehen war, sah man es lediglich von der Farbe Blau erfüllt. Für das Jüdische Museum hat Turrell die begehbare Installation um neue Farben erweitert, wo nun auf mehr als 200m² zum ersten Mal eines der „Ganzfeld Pieces“des Künstlers mit rund 13.000 Einzel LEDs in Berlin gezeigt wird.

Programmdirektorin Léontine Meijer-van Mensch formuliert in der Pressekonferenz ganz treffend: „Für Turrell muss man sich Zeit nehmen.“ Die Augen müssen sich erst einmal an den Farbwechsel und die Immaterialität dieses dimensions- und konturlosen Raumes gewöhnen. Im Grunde bietet das Werk laut Meijer-van Mensch die Möglichkeit das Museum als einen „Ort der Entschleunigung“ wahrzunehmen. In diesem Sinne könnte man das „Aural“ als sujet für die Auseinandersetzung mit Zeit verstehen.

Fragt man nach der Bedeutung des „Aurals“ für das Museum, so stellt Peter Schäfer, Direktor des Jüdischen Museums klar: „Wie jeder gute Künstler, schreibt Turrell nicht vor, wie sein Werk zu interpretieren sein soll.“ Im Judentum hat die Symbolik des Lichts einen besonderen Stellenwert: Es steht für die Gegenwart Gottes und geht bis auf den Schöpfungsakt zurück. Im Wüstenheiligtum vor der Errichtung des Jerusalemer Tempels brannte immer ein Licht. In der Synagoge brennt auch heute neben dem Tora-Schrein das „ewige Licht“ (hebräisch: ner tamid).

James Turrell wurde 1943 in Los Angeles geboren. Als einer der wichtigsten Gegenwartskünstler widmet er sein Schaffen seit über fünfzig Jahren dem Medium Licht. Es geht Turrell in seiner Auseinandersetzung mit Licht primär um die menschliche Wahrnehmung des Lichts. Sein Ziel ist es, die Wahrnehmung von jeglicher Art des assoziativen und symbolischen Denkens zu befreien.

Turrell erreicht letztlich mit seiner „Perceptual Art“ („Kunst der Wahrnehmung“), wie er sie beschreibt, dass es die Wahrnehmung selbst ist, die betrachtet wird: „Man sieht sich selber sehen“, beschreibt James Turrell das Erlebnis seiner Ganzfeld-Installationen. Das „Aural“ ermöglicht den Blick nach Innen, zur Selbstreflexion und einen geradezu Trance-artigen Zustand des Beobachtens.

Schäfer verweist zudem auf die Kabbala, die jüdische Mystik. Hier wird Gott zunächst als unerkennbarer Gott – ohne Anfang und Ende – verstanden, der durch eine zunächst dunkle, farblose Flamme letztlich Gestalt in allen Farben annimmt, sicht- und greifbar wird.

Wer ein weiteres, wenn auch kleineres Ganzfeld Turrells sehen möchte, kann dies übrigens vom 09. Juni bis 28. Oktober 2018 im Museum Frieder Burda in Baden-Baden tun.

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Fotos: Titelbild Portrait James Turrell, Foto von Grant Delin

Fotos 2,4,5: James Turrell, Ganzfeld Aural, 2018; © Jüdisches Museum Berlin, Foto von Florian Holzherr

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Berliner Food Festival: Interview mit eat! berlin Initiator Bernhard Moser

February 27, 2018

Das Berliner Food Festival eat! berlin tagt 2018 zum siebten Mal. Es findet jährlich statt und zählt inzwischen zu den kulinarischen Highlights der Hauptstadt. Rund 50 Veranstaltungen mit mehr als 60 KöchInnen in den besten Restaurants summieren 30 Michelin Sterne und 496 Punkte im Gault&Millau. Auch das Luxusreise- und Lifestyle Magazin Travellers’ World hat das Festival 2016 ausgezeichnet und es zu den 10 Besten der Food Festivals der Welt nominiert. Kooperationen wie etwa das mit dem Tipi am Kanzleramt und Frau Luna machen die Veranstaltung nicht nur dem Berliner Publikum schmackhaft. Auch Tim Raue oder Sebastian Frank um nur zwei der bekannten Köche nennen – zählen zu den Highlights von eat! berlin. Miriam Bers sprach mit dem Initiator des Berliner Food Festivals, Bernhard Moser.

MB: Was hat Sie 2011 motiviert das Berliner Food Festival ins Leben zu rufen und wie kamen Sie zum Essen?

BM: Ich komme aus einem Dorf in Österreich. Da gab es nur zwei Berufsmöglichkeiten: Landwirtschaft oder Gastronomie. Da wir keinen Bauernhof hatten, wurde ich Koch/Kellner, habe danach die Ausbildung zum Diplom-Sommelier gemacht. So entdeckte ich nach und nach den Genuss für mich. Die Motivation das Festival zu gründen kam daher, dass ich Berlin seit langem als Gourmetmetropole wahrnehme, außerhalb Berlins wurden wir aber in der Zeit noch als Currywurststadt wahrgenommen. Das hat mich und viele befreundete Spitzenköche genervt. Eines Abends saß ich mit einer netten Runde zusammen, darunter die Inhaber der Mattheis-Werbeagentur und ein bekannter Journalist. An diesem Abend wurde die eat! berlin gegründet.

MB: Welches sind die Auswahlkriterien für eine Teilnahme an dem Berliner Food Festival eat!berlin?

BM: Ich arbeite gerne mit herausragenden Köchen und Gastronomen zusammen. Dabei orientiere ich mich an eigenen Erfahrungen und am Gault&Millau. Idealerweise hat das Restaurant mit dem wir arbeiten mindestens 15 Punkte und steht für irgendwas. Also nicht nur so eine 08/15 Pinzettenküchen-Nachkocherei, sondern eine herausragende Stellung in der Gastronomie. Da wir im Rahmen des Festivals sehr eng mit den Menschen arbeiten, ist es auch wichtig, dass ich die- oder denjenigen mag. Für mein Team versuche ich die Egomanen vorher zu erkennen. J
MB: Kann man von kulinarischen Trends, von Moden sprechen?

BM: Ja, aber wir versuchen sie zu meiden. Gutes Essen und Trinken sind unser Trend, aber Dinge wie „Superfood“ und ähnlicher Humbug interessiert uns nicht.
MB: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei den Köchen?

BM: Bei uns eine riesige, bei den Köchen eine wachsende. Der Feinschmecker genießt ja nicht nur, er übernimmt im Idealfall auch Verantwortung für seinen Konsum. Regionalität der Lebensmittel, E-Mobilität etc. sind uns enorm wichtig. Zudem sind wir das weltweit einzige Feinschmeckerfestival, das ausschließlich mit Leitungswasser versorgt wird.

MB: Welches sind die diesjährigen Berliner Food Festival Highlights, was ist neu?

BM: Bei uns ist fast immer alles neu, weil ich Wiederholungen nicht so gerne mag. Die Entwicklung des Programmes ist mir total wichtig, insofern kann ich auch keine Highlights benennen. Ich stehe hinter jeder meiner Veranstaltungen und freue mich auf jede einzelne.
MB: Mit wie vielen Besuchern rechnen Sie dieses Jahr und kann man sagen, dass das Festival inzwischen internationales Publikum anzieht?

BM: Wir werden in diesem Jahr ca. 7.000 Besucher haben, genau kann ich das nicht sagen, da wir bei den „Berliner Käsetage“ eine relativ lange Zeit offene Türen haben und die Besucherzahl nur geschätzt werden kann. Es könne so auch 9.000 werden. Als ich heute da war, war es jedenfalls rappevoll.
International erfahren wir, vor allem seit der Wahl unter die 10 besten Foodfestivals der Welt, enorm viel Aufmerksamkeit. Das ist gut, weil nur so der Imagewandel in Berlin vollzogen werden kann. Wir sind eben nicht nur Partystadt.

MB: Ihr Lieblingsort in Berlin?

BM: Gastronomisch kann ich ihn nicht benennen. Mein liebster Ort ist auf der Couch, mit meiner Tochter im Arm, Zeichentrickfilme schauend.

MB: Ihr Sehnsuchtstort?

BM: Ich möchte unbedingt 2019 zu Heston Blumenthal ins „The Fat Duck“.

MB: Kochen Sie privat?

BM: Darf ich nur, wenn wir Gäste haben. Köche kochen anders, wir brauchen zu viele Töpfe und machen zu viel Unordnung. Da gibt’s Ärger.

MB: Eine Rezeptidee?

BM: Nehmen Sie ein wachsweich gekochtes Bio-Ei, hauen Sie einen Klecks Schmand drauf und nehmen Sie Malossol-Kaviar dazu, so viel wie Sie sich leisten wollen. Aber bitte aus guten Zuchtbetrieben in Ihrer Nähe. Ich schätze den Brandenburger Kaviar von der Forellen- und Störfarm Rottstock, betrieben von Susanne und Matthias Engels. Genuss braucht oft nur 3 Komponenten.

Fotos: courtesy of eat! Berlin

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Studio Visit: Working Title

February 2, 2018

Studio Visit bei Working Title

Noch überwältigt ist das brandneu gegründete Label Working Title von seinem Erfolg auf dem diesjährigen Vogue Salon. Als logische Konsequenz geht es aus 12 Jahren Zusammenarbeit der längst bekannten Antonia Goy mit Ihrem Partner und Architekten Björn Kubeja hervor, der zunehmend auch in stilistische Fragen involviert war. Ihre Kollektionen, ein Mix aus hochqualitativem Schneiderhandwerk im Bereich der Haute Couture mit Avantgarde-Elementen, Applikationen, Schleppen oder Prints, präsentieren sich nunmehr auch in vollständig nachhaltigem Gewand. Miriam Bers traf das Designer-Duo bei einem Studio Visit.

 

MB: Wie beginnt Euer Tag?
WT: Caffè!

MB: Wie kommt es zum Mix aus Haute Couture, Avantgarde Elementen und Minimalismus?
WT: Uns hat die künstlerische Ausrichtung der Kunsthochschulen, die wir besucht haben maßgeblich beeinflusst. Le Corbusier, Mies van der Rohe, Bauhaus, Kunst, Kultur und Designgeschichte. Von den Alten Meistern bis zur Moderne bietet sich ein Fundus an Formen, Farben, Stimmungen und Konzepten vor dessen Hintergrund sich eine eigene Handschrift entwickelt. Die Liebe zum Weglassen, zu den klaren Formen und spannenden Details ist uns beiden eigen: Antonia kam mit den Kollektionen von Jil Sander im Pressebüro Karla Otto in Berührung. Björn ist großer Fan von Rem Koolhaas, Tadao Ando und dem japanischen Architekturduo Sanaa.

 

MB: Euer Stil in drei Sätzen zusammengefasst:
WT: Minimaler Down-to-Earth Luxury für moderne selbstbewusste Frauen. Lässigkeit und Eleganz in einer coolen zeitgenössischen Mischung. Zudem komplett polyesterfrei und aus nachhaltigen ehrlichen Materialien!

MB: Welche Epoche inspiriert Euch am meisten (Design, Architektur, Kunst)?
WT: Am meisten inspirieren uns die klassische Moderne und die Renaissance. Aber grundsätzlich sind wir offen für alles, denn so Vieles ist inspirierend!

MB: Welchen KInofilm habt ihr zuletzt gesehen?
WT: Suburbicon.

MB: Wie ist Eure Wohnung gestylt, was für Möbel bevorzugt ihr?
WT: Unsere Wohnung ist schon eher modern und minimalistisch eingerichtet. Alt und neu, geerbt, gefunden sind bei uns gemischt… Es ist eher in Mix von Dingen und Gegenständen die uns gefallen und kein übergeordneter Stil.

MB: Welcher ist Euer Lieblingsort in Berlin?
WT: Der Weg entlang der Havel unterm Grunewaldturm.

MB: Euer Sehnsuchtsort?
WT: Das Meer.

MB: Wie endet Euer Tag? Selber Kochen oder Essen gehen?
WT: Egal wann wir nach Hause kommen, wir kochen noch etwas Leckeres – das entspannt…

MB: Rezeptidee?
WT: Spaghetti Carbonara mit Zucchini Julienne anstatt Speck. Spaghetti al dente kochen, Zucchini in feinen Streifen geschnitten in Olivenöl und Knoblauch anbraten. Eier, Sahne, Parmesan, frischen Pfeffer verquirlen und alles in einer angewärmten Keramikschüssel vermengen. Voilà!

 

Working Title

GoArt! Studio Visit