Tautes Heim – Leben im UNESCO Weltkulturerbe

February 12, 2019

Das Ferienhaus „Tautes Heim“ ist ein Projekt der Landschaftsarchitektin Katrin Lesser und des Grafik-Designers Ben Buschfeld. Von Bruno Taut geplant, befindet es sich in dem Unesco Welterbe „Hufeisensiedlung“ und gewann 2013 den „EU Preis für das Kulturerbe/Europa-Nostra-Preis“. Katrin Lesser und Ben Buschfeld hatten das 65 qm große Haus 2010 erworben und im Laufe von zwei Jahren denkmalschutzgerecht saniert. Besucher der Stadt und Architekturfans können „Tautes Heim“ temporär mieten.

Miriam hat die beiden für ein Interview getroffen:

MB: Wie beginnt Euer Tag?

BB: Wir sind beide selbständig und Frühaufsteher, brauchen also glücklicherweise keinen Wecker. Der Tag beginnt dann natürlich erstmal mit einem entspannten Frühstück, frischer Dusche und Obstsalat, aber dann geht es in aller Regel auch gleich an die Arbeit.

MB: Wo befindet sich das ‘Tautes Heim“ und wie kam es überhaupt zu der Idee?

KL: Wir wohnen privat bereits seit rund 20 Jahren in der Hufeisensiedlung, nur knapp 100 Meter von „Tautes Heim“ entfernt. Wir fühlen uns hier sehr wohl, engagieren uns im Denkmalschutz, haben beide mehrfach zu der Siedlung publiziert und geben auch selber Führungen. Eine solche Führung ist meines Erachtens komplett, wenn auch Innenräume besichtigt werden. Der Grund ist simpel: Erst im Inneren der Häuser und Gärten lässt sich die hohe Wohn- und Lebensqualität hinter den farbenfrohen Fassaden zumindest schon mal erahnen. „Licht, Luft und Sonne“ war damals das Credo der Planer. Man wollte der Enge der Mietskasernen etwas entgegensetzen.

Tautes Heim, Außenansicht (www.tautes-heim.de)

MB: Wie wurde es möglich ein unter Weltkulturerbe stehendes Gebäude tageweise zu vermieten?

KL: Das hat wesentlich damit zu tun, dass die Hufeisensiedlung – anders als die anderen fünf als Welterbe geführten „Siedlungen der Berliner Moderne“ – zu großen Teilen in Einzeleigentum umgewandelt wurde, was ihren homogenen denkmalgerechten Erhalt deutlich erschwert. Aus dieser Situation heraus haben wir mehrere Projekte gestartet, die sich der Denkmalvermittlung widmen und gleichermaßen an Nachbarn, Politik und Außenstehende richten. Vor Ort gut vernetzt, kennen wir viele Häuser der Siedlung von innen. Eines Tages haben wir Freunde von Nachbarn bei der Besichtigung eines zum Verkauf stehenden Reihenendhauses begleitet. Das zuletzt von einer alten Dame bewohnte Haus war sehr verwohnt und extrem restaurierungsbedürftig. Die Freunde haben schnell abgewunken, aber wir waren sofort begeistert und haben nach einer Möglichkeit gesucht, das zu sichern und auch Außenstehenden zugänglich zu machen. Nachdem wir uns vergebens um Fördermittel bemüht hatten, kamen wir auf die Idee eines nach Museumsstandards möblierten Ferienhauses. Wir haben uns ins Risiko und in die Arbeit gestürzt und hoffen jetzt, über die Vermietung diese rein privaten Auslagen wieder zu refinanzieren. Das macht Spaß ist aber auch ein langer, von viel Idealismus getragener Prozess, der nur möglich war, weil wir bereits viel Vorwissen mitbrachten.

Hufeisensiedlung (www.tautes-heim.de)

Hufeisensiedlung Luftansicht, (www.tautes-heim.de)

MB: Ihr seid ein Paar; wie habt Ihr bei diesem Projekt die Aufgaben verteilt? Ich weiß zum Beispiel dass Du, Katrin Landschaftsarchitektin bist und erwirkt hast, dass die Hufeisensiedlung auch als Gartendenkmal eingetragen ist. Und Ben, welcher war Dein Part? Habt Ihr das Haus gemeinsam eingerichtet?

BB: Ich bin Grafik-, Web- und Ausstellungsdesigner mit Schwerpunkt Architektur- und Zeitgeschichte, also insofern auch einigermaßen vom Fach. Die gesamten Restaurierungs- und Planungsarbeiten sind ein echtes „Paar-Projekt“. Über zwei Jahre waren wir fast jedes Wochenende zugange und haben alles gemeinsam entschieden, ausgewählt und entworfen. Erst später sind wir arbeitsteilig vorgegangen, denn natürlich ist Katrin nicht nur viel versierter in Gartendingen, sondern außerdem auch eine super Bauleiterin. Ich hingegen konnte und kann meine beruflichen Qualitäten bei Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ausspielen und habe mich stärker um Fotos, Website, Networking und ähnliches gekümmert.

Tautes Heim, Wohnzimmer, (www.tautes-heim.de)

MB: Die temporären Bewohner und Architekturfans können im „Tautes Heim“ ja übernachten und arbeiten. Es gibt einen Schreibtisch und Wlan. Wie sieht es mit Kochen aus, kann ich das Haus mieten und Gäste zum Essen einladen?

KL: Prinzipiell ja, das Haus ist zwar voll mit Originalen aus der Bauzeit, gleichzeitig aber auch mit einer rundum funktionsfähigen Küche ausgestattet. Moderner Komfort wie Kühlschrank oder Spülmaschine haben wir einfach diskret hinter den Küchenfronten integriert. Auch der charmante kleine „Backofix“-Herd tut seinen Dienst. Allerdings ist das alles kein Highend-Equipment und das Haus ist mit nur 65qm ja recht klein. Insofern ist es sicher nicht der richtige Ort für ausgiebige Koch-Events. Aber bis zu vier Personen lassen sich gut verpflegen. Besonders schön sitzt man natürlich im Frühjahr und Sommer auch auf der Terrasse vorm Haus.

 

Tautes Heim, Küche, (www.tautes-heim.de)

Tautes Heim, Schlafzimmer, (www.tautes-heim.de)

MB: Wie klingt dann Euer Tag aus, kocht ihr gerne?

BB: Ja, ich koche sehr gerne. Katrin nicht ganz so sehr. Aber wir essen und kochen schon sehr regelmäßig, gut und bewusst – nicht nur für uns, sondern auch für Freunde und Gäste. Allerdings braucht man dazu natürlich auch Zeit. Und an der mangelt es aktuell leider ein wenig…

MB: Rezeptidee?

BB: Jetzt am Wochenende sind wir zum Geburtstag einer Freundin eingeladen und sollen etwas fürs Buffet mitbringen. Ich denke, es wird eine Mousse au chocolat und ein asiatisch-exotischer Salat – beides aber kein typisches Essen der Zwanziger Jahre…

Tautes Heim, Kammer (www.tautes-heim.de)

Römer + Römer zeigen neue Ausstellung im Haus am Lützowplatz

February 8, 2019

Die Ausstellung ‚Burning man – Electric Sky’ von Römer + Römer im Haus am Lützowplatz läuft vom 18.01.-10.03.2019. Nina und Torsten Römer sind ein deutsch-russisches Künstlerpaar. Beide studierten Malerei an der Kunstkademie Düsseldorf und waren Meisterschüler von A.R. Penck.  Bereits 1998, während ihres Studiums arbeiten sie zusammen. Sie hatten eine Vielzahl an internationalen  Ausstellungen und waren unter anderem zur Manifestina, im CCA Andratx Mallorca,  im Bröhan-Museum und im Palais de Tokyo zu Shows eingeladen. Das Paar lebt in Berlin.

Römer + Römer at Burning Man 2017

Miriam von GoArt! sprach mit Römer + Römer über ihre neue Ausstellung:

MB: Wie beginnt Euer Tag?

R+R: Wir öffnen das Fenster und schauen, dass hoffentlich das Dong Xuan Center nicht noch einmal brennt, wie wir es aus unserer Kreuzberger Wohnung einmal am Horizont gesehen haben.

MB: Ihr seid ein Künstlerpaar, lebt und arbeitet zusammen. Wie entstehen Eure Werke – entwickelt Ihr alles gemeinsam oder teilt ihr Arbeitsschritte untereinander auf?

R+R: Ping Pong! Wir entwickeln alles gemeinsam, schon seit 1998, als wir noch bei A. R. Penck in Düsseldorf studiert haben. Dort haben wir auch mit gemeinsamen Arbeiten den Meisterschüler und den Abschluss gemacht. Es gibt keine getrennten Werke. Von der Konzeption über die Recherche bis zur Umsetzung der Ideen findet alles im Dialog statt. An der Leinwand stehen wir „die Pinsel schwingend“ nebeneinander.

MB: Im Haus am Lützowplatz eröffnet ihr gerade die Ausstellung „Burning Man / Electric Sky“  deren Arbeiten aus Eurem Besuch des Burning Man Festivals in Nevada 2017 hervorgehen. Was zeigt Ihr?

R+R: Bis auf eine, sind alle Malereien über die Nacht in Black Rock City, der temporären Stadt des Burning Man. Im Fokus unserer Bildserie stehen Art Cars, LED-Lichtinstallationen sowie das Feuer und im Speziellen die Interaktion der Burner mit diesen Erscheinungen. Wir haben nicht den Anspruch das gesamte Festival zu repräsentieren, unser Interesse galt mit der Malerei vor allem diesen Aspekten. Die Bilder sind überwiegend recht großformatig, das größte ist ein Diptychon – 2,30 x 6 Meter.

exhibition view at Haus am Lützowplatz, photo: Eric Tschernow

MB: Was im Speziellen hat Euch an diesem Festival begeistert und wie setzt ihr Emotion künstlerisch um?

R+R: Emotion spricht wahrscheinlich am meisten durch die Farben die aus unseren Bildern leuchten. Begeistert hat uns vieles an Burning Man, das ja im herkömmlichen Sinne kein Festival ist sondern ein großes interaktiv-utopisch-hedonistisches Kunstspektakel-Abenteuer in der Wüste. Die Kultur des Schenkens ist toll, man kann nichts kaufen (außer Eis und Kaffee) und versucht sich gegenseitig Freude zu bereiten. Es wird ein alternativer gesellschaftlicher Umgang miteinander praktiziert.

Rabbit Transit, 2017, oil and acrylic on canvas, 230 x 300 cm, photo: Eric Tschernow

House of Enlightenment, 2018, oil on canvas, diameter: 120 cm, photo: Eric Tschernow

MB: Leitfaden Eures Oeuvres ist die Auseinandersetzung mit politisch und gesellschaftlich relevanten Großereignissen, etwa dem Karneval von Rio. Bauen Eure Arbeiten der letzten Jahre aufeinander auf: Kulturkommunismus, Partysträfling? Was genau bewegt Euch an diesen kollektiven Ausnahmezuständen? Könnt Ihr Euch damit identifizieren oder geht ihr analytisch vor?

R+R: Den Karneval in Rio erlebt man aus der Distanz als eine große sexy Samba-Party. Dass vieles daran sehr politisch ist, erlebt man dann vor Ort. Jede Sambagruppe hat ein Thema ihres Umzuges und der einzelnen Wagen. Eine Gruppe hatte zum Beispiel das Thema Rassismus und Sklaverei ziemlich extrem umgesetzt. Das Zusammenkommen der Teilnehmer aus allen verschiedenen Regionen und Vierteln, wie zum Beispiel auch vielen Favelas in der Vorbereitungszone vor dem Sambódromo, der Concentracao, mitzuerleben war sehr spannend.

Eine Bildserie entwickelt sich aus der nächsten. Nach „Sambódromo“ haben wir mehrere Jahre über das Festival FUSION gearbeitet, in das wir zur Recherche 5 mal eingetaucht sind. An kollektiven Ausnahmezuständen interessiert uns der entstehende eigene Kosmos der temporären Gemeinschaften. Es herrschen andere Spielregeln als „draussen“. Für uns ist die künstlerische Auseinandersetzung damit eine Kombination von Analyse und einfühlendes Miterleben.

LED-Bus, 2018, oil and acrylic on canvas, diameter: 100 cm, photo: Eric Tschernow

MB: Ein paar Worte zu Eurer Technik:

R+R: In unseren aktuellen Bildern sind gesprayte und lasierend gemalte Flächen mit tausenden von mit kleinem Pinsel getupften Dots kombiniert.

MB: Spannend finde ich Eure malerische Umsetzung von Fotografie. Das auf dem Foto Pixelige, das bei Euch in Handarbeit mit Tausenden von ‚dots’ vollzogen wird. Vertieft die Malerei den fotografischen Schnappschuss und bekommt dadurch etwas Kontemplatives?

R+R: Die Punkte sind zum Einen eine Referenz auf die Pixel, aber es geht zum Anderen auch darum, durch das Auflösen von Konturen und dem „Flirren“ eine Lebendigkeit und Bewegung ins Bild zu bekommen. Es ist dann nicht so eingefroren und bekommt etwas Filmisches. Der Prozess des Malens der tausend Tupfer ist sehr konzentriert und bringt Energie.

Art, 2017, oil on canvas, 100 x 130 cm, photo: Eric Tschernow

7:30 between GlamCocks and Contraptionists, 2018, oil and acrylic on canvas, 230 x 300 cm, photo: Eric Tschernow

MB: Wie endet Euer Tag, kocht ihr gerne und habt eine Rezeptidee?

R+R: Ja! Eine einfache Version von Okonomiyaki (japanisches Omelett):
100 g Kohl in feine Streifen und ein wenig Frühlingszwiebel in Ringe schneiden. Zusammen mit den 100 g Garnelen in den Teig geben und verrühren. Zwei Omeletts jeweils von zwei Seiten anbraten, dass diese durch sind. Warm mit Mayonnaise und Soja essen.

Hexagon Lounge, 2017, oil on canvas, 150 x 180 cm, photo: Eric Tschernow