Art Night mit Tracey Snelling

February 13, 2018

Miriams Künstlerauswahl des Monats

Tracey Snelling ist eine U.S. amerikanische zeitgenössische Multimedia Künstlerin. Sie wurde 1970 in Oakland (Kalifornien) geboren und hat Bildende Kunst an der University of New Mexico studiert. Ihre Environments spiegeln häufig das Verhältnis von Architektur und deren soziologischer Kontextualisierung wider. Sie bestehen aus teils lebensgroßen, teils miniaturhaften architektonischen ‚Skulpturen’, die mit Videos bzw. Performances bespielt werden und dem Betrachter einen voyeuristischen Blick in die dort angesiedelte Nachbarschaft gestattet. Snellings aktuelle Arbeit ist während ihres noch bis zum April 2018 andauernden Stipendiums im renommierten Künstlerhaus Bethanien entstanden, in Kreuzberg in Kottbusser Tor Nähe gelegen. Die Künstlerin hatte u.a. Ausstellungen im MAD New York, im Palazzo Reale in Mailand und dem Königlichen Museum der Schönen Künste Belgien. Im Jahr 2015 erhielt sie den Preis der Joan Mitchell Foundation für Maler und Bildhauer. Miriam Bers traf Tracey Snelling zu einer Art Night in ihrem Kreuzberger Atelier.

MB: Du lebst seit fast einem Jahr in Berlin. Bist Du hier angekommen, fühlst Dich zugehörig, als Teil der Stadt?

TS: Das erste Mal in Berlin war ich im Februar 2016 – dort blieb ich sieben Monate und ging zurück nach Oakland. Als ich dort ankam, wurde mir klar, dass ich nach Berlin gehöre. Im April 2017 bin ich erneut nach Berlin gereist, um mit dem Historischen Museum in Frankfurt eine skulpturale Auftragsarbeit zu realisieren und Berlin noch besser kennenzulernen. Ich fühle mich hier integriert. Es fühlt sich einerseits an wie ein Zuhause, gleichzeitig ist alles aufregend und neu für mich. Berlin bedeutet Freiheit. Hier kannst du sein, wer du wirklich bist, und niemand schaut dich komisch an. Berliner sind einiges gewohnt und deshalb gelassener was das anders Sein angeht.

MB: In Deiner aktuellen Ausstellung im Künstlerhaus Bethanien, insbesondere den in Lebensgröße arrangierten fast romantisch anmutenden ‘Living Room’ und ‘Bedroom’ sind Wrestler, eine Punk Band und Du, die tätowiert wird die Protagonisten der Life-Performance. Hier kommt mir Nan Goldin in den Sinn. Oder ist Deine Arbeit vielmehr eine konzeptuelle, eine Art sympathisierender Vereinnahmung von mehr oder weniger marginalisierten Gruppen? Die Vorlagen Deiner Archiktekturskulpturen sind Sozialbauten am Kottbusser Tor.

TS: Viele der Raumkontexte, Objekte und Performances sind Referenzen aus meinem Leben; viele stammen noch aus meiner Jugendzeit. Ich habe die Band Hertzangst letztes Jahr zum ersten Mal in Wedding spielen hören – der Schlagzeuger ist ein Freund von mir. Ich liebte sie von Beginn an und hatte sofort ein Bild in meinem Kopf, wie sie in einer meiner Installationen auftreten. Was das Tattoo betrifft, habe ich zwar schon drei, aber ich wollte bereits seit einiger Zeit ein Tigertattoo haben. Den Tätowierer kenne ich von einer früheren Residency im ZKU in Berlin. Ich mache Muay Thai Kickboxen und habe den Sport in der Eröffnungsnacht sowie den abendlichen Aufführungen aufgegriffen. Die Räume stellen eine Hommage an meine Vergangenheit dar, meine Gegenwart und auch meine Fantasien.

 

MB: Wie bist Du zu Deiner künstlerischen Sprache gelangt? Und wie versteht man das Verhältnis zwischen kleinformatigen Wohnhausmodellen und lebensgroßen Räumen in Deinen Installationen?

TS: Ich habe als Fotografin angefangen und immer mit dem Mix von Medien gespielt. Dann produzierte ich eine Reihe von Collagen, eine trug den Namen 1881 Chestnut Stree. Hierbei handelt es sich um ein Backstein-Apartment-Gebäude, bei dem die Vorderwand fehlt, sodass alle Zimmer zu sehen sind. Dieses Haus lieferte mir die Idee dazu, ein Miniatur-Haus zu bauen, das collagiert wurde. Von hier aus wuchs die Arbeit organisch weiter und wurde 2004 um ein Video erweitert. Der Größenunterschied ist sehr interessant für mich. Die Maßstabsverschiebungen zeigen, wie sich die Realität aufgrund ihrer Wahrnehmung ständig verändert.

MB: Was hast Du für Gewohnheiten, lebst Du hier in Berlin so wie in Oakland, Deiner Heimatstadt?

TS: Hier bin ich mehr unterwegs! Es fühlt sich viel einfacher an, hier in der Stadt herumzukommen. In Oakland fühlt es sich oft an wie eine Wanderung zur Nacht der Eröffnungen nach San Francisco. Hier gibt es so viel zu unternehmen!

MB: Welche Orte magst Du besonders in Berlin? Hast Du ein Lieblingsrestaurant, eine coole Bar, die Du abends besuchst? Oder kochst Du selbst?

TS: Berlin ist im Sommer natürlich am schönsten. Als ich 2016 im Wedding lebte, fuhr ich sonntagmorgens mit dem Fahrrad zum Mauerpark, aß etwas, shoppte ein bisschen auf dem Flohmarkt und fuhr zurück in mein Studio, um zu arbeiten. Ich mag den Humboldthain Park, die verrückten kleinen Läden in der Karl-Marx-Straße, den türkischen Markt in der Nähe des Bethanien. Ich liebe das türkische Essen hier – so viel Auswahl. Ich bekomme nie genug von Lamm Kebab.

MB: Welches sind Deine Pläne für die Zeit nach dem Stipendium?

TS: Ich nehme bald an einer einmonatigen Residency in New Orleans teil, dann folgt eine Ausstellung zu Hause – dort werde ich Familie und Freunde besuchen und im Anschluss kehre ich zurück nach Berlin.

MB: Vielen Dank für das tolle Künstlerinterview, Tracey!

Tracey Snelling

Aktuelle Ausstellung

GoArt! Studio Visit

 

Studio Visit: Working Title

February 2, 2018

Studio Visit bei Working Title

Noch überwältigt ist das brandneu gegründete Label Working Title von seinem Erfolg auf dem diesjährigen Vogue Salon. Als logische Konsequenz geht es aus 12 Jahren Zusammenarbeit der längst bekannten Antonia Goy mit Ihrem Partner und Architekten Björn Kubeja hervor, der zunehmend auch in stilistische Fragen involviert war. Ihre Kollektionen, ein Mix aus hochqualitativem Schneiderhandwerk im Bereich der Haute Couture mit Avantgarde-Elementen, Applikationen, Schleppen oder Prints, präsentieren sich nunmehr auch in vollständig nachhaltigem Gewand. Miriam Bers traf das Designer-Duo bei einem Studio Visit.

 

MB: Wie beginnt Euer Tag?
WT: Caffè!

MB: Wie kommt es zum Mix aus Haute Couture, Avantgarde Elementen und Minimalismus?
WT: Uns hat die künstlerische Ausrichtung der Kunsthochschulen, die wir besucht haben maßgeblich beeinflusst. Le Corbusier, Mies van der Rohe, Bauhaus, Kunst, Kultur und Designgeschichte. Von den Alten Meistern bis zur Moderne bietet sich ein Fundus an Formen, Farben, Stimmungen und Konzepten vor dessen Hintergrund sich eine eigene Handschrift entwickelt. Die Liebe zum Weglassen, zu den klaren Formen und spannenden Details ist uns beiden eigen: Antonia kam mit den Kollektionen von Jil Sander im Pressebüro Karla Otto in Berührung. Björn ist großer Fan von Rem Koolhaas, Tadao Ando und dem japanischen Architekturduo Sanaa.

 

MB: Euer Stil in drei Sätzen zusammengefasst:
WT: Minimaler Down-to-Earth Luxury für moderne selbstbewusste Frauen. Lässigkeit und Eleganz in einer coolen zeitgenössischen Mischung. Zudem komplett polyesterfrei und aus nachhaltigen ehrlichen Materialien!

MB: Welche Epoche inspiriert Euch am meisten (Design, Architektur, Kunst)?
WT: Am meisten inspirieren uns die klassische Moderne und die Renaissance. Aber grundsätzlich sind wir offen für alles, denn so Vieles ist inspirierend!

MB: Welchen KInofilm habt ihr zuletzt gesehen?
WT: Suburbicon.

MB: Wie ist Eure Wohnung gestylt, was für Möbel bevorzugt ihr?
WT: Unsere Wohnung ist schon eher modern und minimalistisch eingerichtet. Alt und neu, geerbt, gefunden sind bei uns gemischt… Es ist eher in Mix von Dingen und Gegenständen die uns gefallen und kein übergeordneter Stil.

MB: Welcher ist Euer Lieblingsort in Berlin?
WT: Der Weg entlang der Havel unterm Grunewaldturm.

MB: Euer Sehnsuchtsort?
WT: Das Meer.

MB: Wie endet Euer Tag? Selber Kochen oder Essen gehen?
WT: Egal wann wir nach Hause kommen, wir kochen noch etwas Leckeres – das entspannt…

MB: Rezeptidee?
WT: Spaghetti Carbonara mit Zucchini Julienne anstatt Speck. Spaghetti al dente kochen, Zucchini in feinen Streifen geschnitten in Olivenöl und Knoblauch anbraten. Eier, Sahne, Parmesan, frischen Pfeffer verquirlen und alles in einer angewärmten Keramikschüssel vermengen. Voilà!

 

Working Title

GoArt! Studio Visit

Atelierbesuch bei Susanne Rottenbacher

January 14, 2018

Atelierbesuch Susanne Rottenbacher

Susanne Rottenbacher ist eine deutsche Künstlerin, die mit den Medien Licht, Farbe und Installation arbeitet. Sie wurde 1969 in Göttingen geboren, studierte Bühnenbild an der Columbia University New York und Licht an der Bartlett School of Architecture and Planning in London. Susanne Rottenbacher gestaltet raumgreifende Installationen aus skulpturalen Elementen, die in Kombination mit Licht auch als ‚begehbare Lichtmalerei’ beschrieben werden können. Derzeit laufen zwei Ausstellungen der Künstlerin in Berlin: bis zum 03. März 2018 im BOX Freiraum, bis 10. Februar 2018 im Haus am Waldsee @BikiniBerlin.

Miriam Bers traf die Künstlerin zu einem Atelierbesuch.

MB: Wie beginnt Ihr Tag?

SR: Frühstück mit meinem Mann.

MB: Warum das Medium Licht?

SR: Licht beeinflusst die atmosphärische Wahrnehmung, die das subjektive Raum-Zeit-Kontinuum verändern kann. Wird das Licht in dieser Form eingesetzt und vorgeführt, eröffnet es in der Wechselwirkung einen Dialog mit dem Betrachter, der im unmittelbaren Vergleich der auratischen Wirkung diese hinterfragen kann.

MB: Ihre Oeuvre in drei Sätzen zusammengefasst:

SR: Raumgreifende Installationen aus skulpturalen Elementen, die sich am besten als Licht-Farbkörper beschreiben lassen und von grosser Leichtigkeit und Transparenz geprägt sind. Sie verändern sich im Dialog mit dem Umgebungsraum und Tageszeiten. Stichworte: Bildhauerei mit Licht, schwerelose Raum-Zeiterzählung, Zeichnung mit Licht im Raum, tänzerisch anmutende Verläufe, musikalische Partituren.

MB: Welche Schriftsteller inspirieren Sie?

SR: Herman Hesse, Mario Vargas Llosa, Philip Roth

MB: Welche Ausstellung haben Sie zuletzt gesehen?

SR: Die zuletzt bewegendste: Tino Sehgal im Palais de Tokyo in Paris. Eine Freundin sagte trefflich: „If I was a lonely person, I would go there everyday“.

Installationsansicht BOX Freiraum © by the artist

 

Installationsansicht Haus am Waldsee @BikiniBerlin © by the artist

MB: Was werden wir in Ihren aktuellen Ausstellungen sehen?

SR: Ereignisräume aus Licht und Farbe, Raumzeichnungen in der dritten Dimension – in gross (Box Freiraum) und in klein (Haus am Waldsee@Bikini).

MB: Was hängt über Ihrer Couch?

SR: Fotografien meines Mannes aus seiner neuen Serie „Non Plus Ultra“.

MB: Welcher ist Ihr Lieblingsort in Berlin?

SR: Der Drachenberg

MB: Ihr Sehnsuchtsort?

SR: Ein Ort mit Sonne und Wärme.

MB: Wie endet Ihr Tag? Selber Kochen oder Essen gehen?

SR: Selber Kochen

MB: Rezeptidee?

SR: Quinoa Salat mit grünen Bohnen, Gurke, grünem Paprika, Zitronensaft, Olivenöl, roter Zwiebel und – ganz wichtig: Granatapfelkernen.

GoArt! Atelierbesuche

Susanne Rottenbacher

Studio Visit Susanne Rottenbacher

January 14, 2018

Studio Visit Susanne Rottenbacher

Susanne Rottenbacher is a German artist based in Berlin, who works in the media light, color and installation. She was born in Göttingen (central Germany) in 1969 and studied stage design at Columbia University, New York as well as light at London’s Bartlett School of Architecture and Planning. Susanne Rottenbacher designs extensive room installation consisting of sculptural elements that, in their combination with light, can be described as ‘walk-in light paintings.’ Two exhibitions of the artist are currently on display in Berlin: at BOX Freiraum until March 3rd and at Haus am Waldsee @BikiniBerlin until February 10th, 2018.

Miriam met the artist for a studio visit.

MB: How does your day start?

SR: Breakfast with my husband.

MB: Why use light as a medium?

SR: Light influences the atmospheric perception that has the potential to change the subjective space-time-continuum. When using and showing light in this way, this interplay opens up a dialog with the observer that questions the auratic impact through comparison.

MB: Your oeuvre summarized in three sentences:

SR: Extensive room installations consisting of sculptural elements that can best be described as pigments of light and that are characterized by great lightness and transparency. They change in dialogue with their surroundings as well as with the time of day. Keywords: Sculpting with light, weightless space-time-narratives, drawing with light, transitions reminiscent of dancing, musical scores.

MB: Which authors inspire you?

SR: Herman Hesse, Mario Vargas Llosa, Philip Roth

MB: Which exhibitions have you recently seen?

SR: The one that moved me most: Tino Sehgal at Palais de Tokyo in Paris. A friend said very appropriately: “If I was a lonely person, I would go there every day.”

Installation view Haus am Waldsee@BikiniBerlin © by the artist

Installation views BOX Freiraum © by the artist

MB: What will we be able to see in your recent exhibitions?

SR: Event spaces consisting of light and color, spatial drawings in the third dimension – in large (Box Freiraum) as well as in small (Haus am Waldsee@Bikini) scale.

MB: What is hanging above your sofa?

SR: Photographs taken by my husband for his new series “Non Plus Ultra.”

MB: What is your favorite place in Berlin?

SR: The Drachenberg (a small rubble mountain in Charlottenburg)

MB: Your place of longing?

SR: Somewhere sunny and warm.

MB: How does your day end? Do you cook yourself or do you eat out?

SR: I cook myself.

MB: Recipe idea?

SR: Quinoa salad with green beans, cucumber, green peppers, lemon juice, olive oil, red onion, and – most importantly – pomegranate seeds.

GoArt! Studio Visit 

Susanne Rottenbacher