James Turrells „Aural“ im Jüdischen Museum Berlin

April 24, 2018

 

 

 

 

 

 

 

 

Es ist etwas Besonderes, eine Lichtinstallation von James Turrell live und in Farbe zu erleben. Das Jüdische Museum zeigt seit dem 12. April 2018 bis voraussichtlich 30. September 2019 die Installation „Aural“ des US-Amerikanischen Künstlers James Turrell – ein Original aus dem Jahre 2004.

Das Werk, eine Schenkung des Sammlerehepaars Dieter und Si Rosenkranz, wurde in dieser Form noch nie zuvor gezeigt und befindet sich für die genannte Zeitdauer in einem temporären Bau im Museumsgarten. Als das „Aural“ in Valencia zu sehen war, sah man es lediglich von der Farbe Blau erfüllt. Für das Jüdische Museum hat Turrell die begehbare Installation um neue Farben erweitert, wo nun auf mehr als 200m² zum ersten Mal eines der „Ganzfeld Pieces“des Künstlers mit rund 13.000 Einzel LEDs in Berlin gezeigt wird.

Programmdirektorin Léontine Meijer-van Mensch formuliert in der Pressekonferenz ganz treffend: „Für Turrell muss man sich Zeit nehmen.“ Die Augen müssen sich erst einmal an den Farbwechsel und die Immaterialität dieses dimensions- und konturlosen Raumes gewöhnen. Im Grunde bietet das Werk laut Meijer-van Mensch die Möglichkeit das Museum als einen „Ort der Entschleunigung“ wahrzunehmen. In diesem Sinne könnte man das „Aural“ als sujet für die Auseinandersetzung mit Zeit verstehen.

Fragt man nach der Bedeutung des „Aurals“ für das Museum, so stellt Peter Schäfer, Direktor des Jüdischen Museums klar: „Wie jeder gute Künstler, schreibt Turrell nicht vor, wie sein Werk zu interpretieren sein soll.“ Im Judentum hat die Symbolik des Lichts einen besonderen Stellenwert: Es steht für die Gegenwart Gottes und geht bis auf den Schöpfungsakt zurück. Im Wüstenheiligtum vor der Errichtung des Jerusalemer Tempels brannte immer ein Licht. In der Synagoge brennt auch heute neben dem Tora-Schrein das „ewige Licht“ (hebräisch: ner tamid).

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Fotos: Titelbild Portrait James Turrell, Foto von Grant Delin

Fotos 2,4,5: James Turrell, Ganzfeld Aural, 2018; © Jüdisches Museum Berlin, Foto von Florian Holzherr

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James Turrell wurde 1943 in Los Angeles geboren. Als einer der wichtigsten Gegenwartskünstler widmet er sein Schaffen seit über fünfzig Jahren dem Medium Licht. Es geht Turrell in seiner Auseinandersetzung mit Licht primär um die menschliche Wahrnehmung des Lichts. Sein Ziel ist es, die Wahrnehmung von jeglicher Art des assoziativen und symbolischen Denkens zu befreien.

Turrell erreicht letztlich mit seiner „Perceptual Art“ („Kunst der Wahrnehmung“), wie er sie beschreibt, dass es die Wahrnehmung selbst ist, die betrachtet wird: „Man sieht sich selber sehen“, beschreibt James Turrell das Erlebnis seiner Ganzfeld-Installationen. Das „Aural“ ermöglicht den Blick nach Innen, zur Selbstreflexion und einen geradezu Trance-artigen Zustand des Beobachtens.

Schäfer verweist zudem auf die Kabbala, die jüdische Mystik. Hier wird Gott zunächst als unerkennbarer Gott – ohne Anfang und Ende – verstanden, der durch eine zunächst dunkle, farblose Flamme letztlich Gestalt in allen Farben annimmt, sicht- und greifbar wird.

Wer ein weiteres, wenn auch kleineres Ganzfeld Turrells sehen möchte, kann dies übrigens vom 09. Juni bis 28. Oktober 2018 im Museum Frieder Burda in Baden-Baden tun.

Berliner Modedesignerin Isabel Vollrath im Gespräch

April 12, 2018

Isabel Vollrath ist eine deutsche Modedesignerin, die sich an der Schnittstelle moderner Couture und bildender Kunst angesiedelt hat. Sie wurde 1980 in Freiburg geboren, lernte zunächst klassisches Herrenschneiderhandwerk in Baden-Baden und studierte anschließend Mode an der renommierten Kunsthochschule in Berlin-Weissensee. Für Isabel Vollrath sind Kleidungsstücke dreidimensionale Zeichnungen, Collagen, Objekte der „Bildhauerei“, sozialkritische/ politische Statements und/oder „kulturelle Reiseberichte“. Mit einer außergewöhnlichen Materialwahl und wertigen Details setzt die Berliner Modedesignerin, sich im Spannungsfeld von Mode und Kunst bewegend, Akzente mit Wiedererkennungswert. Mittels historisierender als auch avantgardistischer, skulptural-futuristischer Stilelemente, einer kontrastreichen, abstrakten, zugleich figurbetonten Schnittführung entstehen raumgreifende, ausdrucksstarke Silhouetten, die integrativ am menschlichen, sich bewegenden Körper bzw. als hängende, stehende, liegende „Schalen“ im Raum fungieren.

Isabel Vollrath erhielt bereits zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen, unter anderem den Förderpreis der Wilhelm-Lorch-Stiftung, das Elsa-Neumann-Stipendium des Landes Berlin, sowie den „Baltic Fashion Award“ (2011) und einen Award beim “ITS Contest” in Triest/Italien (2012). 2015 gründete sie ihr Label I’ VR ISABEL VOLLRATH. Ihre Kollektionen zeigt sie seither halbjährlich im Rahmen der Berlin Fashion Week bzw. des Berliner Salons/Vogue Salons im Kronprinzenpalais. Miriam Bers traf die Berliner Modedesignerin zum Interview.

MB: Wie beginnt der Tag einer Berliner Modedesignerin?

IV: Wechseldusche, Kaffee. Dann aufs Rad zu Frühyoga oder Balletttraining. Anschließend geht’s ins Atelier.

MB: Warum eine skulpturale Designsprache?

IV: Eigentlich wollte ich nach dem Abitur Freie Kunst studieren und Bildhauerin werden. Gleichzeitig war da diese Passion für die Mode und das Schneiderhandwerk. So entschied ich mich für drei Lehrjahre bei Herrenmaßschneider Gerhard Schmauder in Baden-Baden und lernte, aus Stoff eine “zweite Haut” für den Mann zu entwickeln. Im Grunde war das auch eine Art “Sculpting” und unverzichtbares Fundament für mein anschließendes Modestudium. In Berlin bin ich wahrscheinlich eine der wenigen DesignerInnen, die noch die komplette Musterkollektion selbst anfertigt. Ich verknüpfe dabei meine “Bildhauertätigkeit” mit dem technischen Know-how der Schneiderei und einem enorm hohen Anspruch an Präzision, betrachte mit dem Auge eines Künstlers und habe dennoch das nötige Maß an Funktionalität im Hinterkopf. Ich habe die Vision, kenne aber auch die Problemstellungen der Umsetzung. Im Arbeitsprozess selbst habe ich die Aussage, ein Statement im Visier, eine Geschichte, eine Emotion – weniger aber das Ziel, Konsumenten des Massenmarktes anzusprechen.

MB: Welche Ausstellung haben Sie zuletzt gesehen?

IV: Tatsächlich bin ich recht viel auf Vernissagen unterwegs.

Daher überlege ich gerade, welche Ausstellungen mich in den letzten Monaten besonders begeistert haben. Ist zwar schon eine Weile her, aber spontan „Jonas Burgert: Zeitlaich“ bei Blainsouthern und „Cornelia Schleime: Full House“ bei Michael Schultz. Und natürlich auch die Biennale in Venedig letztes Jahr. Sehr gespannt bin ich auf das in Kürze stattfindende Gallery Weekend.

MB: Welche Schriftsteller inspirieren Sie?

IV: Alte Meister wie Goethe.

MB: Welcher ist Ihr Lieblingsort in Berlin?

IB: In Wassernähe im Grünen.  Oder eine Terrasse mit Weitblick über die Berliner Dächer. Oder eine nette Weinbar um die Ecke. Den EINEN gibt es eigentlich nicht.

MB: Ihr Sehnsuchtsort?

IV: Italien. Venedig. Das Meer.

Den Großteil meiner Kollektionsstücke könnte man auch als Kunstobjekt an einen Nagel oder in einem Bilderrahmen an die Wand hängen statt in den Kleiderschrank. Sie funktionieren sowohl als Körper- als auch als Raumobjekt. Meine Kollektionen werden immer Limited Edition bleiben. Nur so kann ich mir selbst treu bleiben und sowohl Mode als auch Kunst betreiben. Bevor ich an Eleganz denke, “tobe” ich mich aus. Im Experiment, in Formen, im Spiel mit Material und Schnitt. Mit der Neugier eines Kindes und dem “Flow” meiner Hände.

MB: Ihr Oeuvre in drei Sätzen zusammengefasst:

IV: Ich bevorzuge 3 Worte: Eigenwillig.  Authentisch. Kompromisslos.

MB: Welche Designer inspirieren Sie?

IV: Es gibt DesignerInnen/Marken, der Vergangenheit und Gegenwart, die ich sehr verehre, deren Lebenswerk und Kreationen ich sehr schätze. Zum Beispiel die einer Coco Chanel, Vivienne Westwood, Rei Kawakubo, oder Iris van Herpen und die eines Yves Saint Laurent, Alexander McQueen oder Hussein Chalayan. Ich mag einen starken visuellen Ausdruck, Mut zu außergewöhnlichen Formen, Farben, Materialien und eine eigene Signatur mit Wiedererkennungswert.

MB: Wie endet der Tag einer Berliner Modesignerin? Selber Kochen oder Essen gehen?

IV: Ausgiebig kochen – das eher, wenn ich Gäste empfange. Wenn ich alleine bin, gibt es einen bunten Salat und ein Glas Weißwein. Oder aber ich verabrede mich zum Apero draußen.

MB: Rezeptidee?

IV: Für Gäste immer gerne „Antipasto misto“. Buntes Gemüse wie Zucchini, Fenchel, Kürbis, Paprika, Rosmarinkartoffeln aus dem Ofen – mit Ziegenrahm und Olivenöl. Dazu Salatbeilage: Radicchio, Chicoree, Feldsalat – mit Tomaten, Gurke, angeröstetem Sesam und Granatapfel.

Falls gewünscht: Wildlachs mit Zitronen-Honig-Sauce und Wildreis in Kokosmilch.

MB: Wann und wo kann man Ihre nächste Kollektion sehen?

IV: Die Modewoche für für Spring/Summer 2019 startet Anfang Juli. Die genauen Daten meines Defilés stehen noch nicht fest, sind aber in Planung und werden zeitnah im Kalender der Berlin Fashion Week bzw. des Berliner Salons bekanntgegeben.

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Fotos: Titelbild Det Nissen, 1/3  Thomas Thernes, 4 Katy Otto, 2 Philipp Wolfart

 

Sigrid Neubert – Moderne Architektur in der Fotografie

March 28, 2018

Sigrid Neubert (*1927) gehört zu den bekanntesten Architekturfotografinnen Deutschlands. In den vergangenen sechs Jahrzehnten produzierte sie ästhetische Aufnahmen moderner Bauwerke und Stadtlandschaften. Später widmete sich Neubert auch der Naturfotografie und schuf mitunter poetische, teils mystisch anmutende Bildwelten. Eine Auswahl an Arbeiten von Sigrid Neubert wird aktuell im Rahmen einer Sonderausstellung im Museum für Fotografie der Staatlichen Museen zu Berlin präsentiert. Die Ausstellung läuft bis zum 03. Juni 2018.

Miriam Bers sprach mit den beiden Kuratoren der Ausstellung, dem Leiter der Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek Dr. Ludger Derenthal sowie dem Architekten und Kunsthistoriker Dr. Frank Seehausen.

MB: Herr Derenthal, nach welchen Kriterien erstellen Sie Ihr Programm?

LD: Wir zeigen im Museum für Fotografie die ganze Geschichte dieses so wichtigen Bildmediums von den Anfängen Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart, oft in Themenausstellungen, oft aus den Beständen unserer Sammlung.

MB: Wie kam es zur aktuellen Kooperation mit Ihnen und Frank Seehausen?

LD: Wir hatten das große Glück, aus dem großen Archiv Sigrid Neuberts eine repräsentative Auswahl zusammenstellen zu können, die wir in unsere Sammlung übernehmen durften. Da bot sich natürlich eine Ausstellung an, die ihr Gesamtwerk in der Natur- und Architekturfotografie umfasst. Wir haben die Ausstellung dann gemeinsam konzipiert, für die Natur war ich vor allem zuständig, für die Architektur Frank Seehausen, der auch das Buch über Sigrid Neuberts Architekturfotografie verfasst hat, das anlässlich der Ausstellung in Kürze bei Hirmer erscheinen wird.

MB: Architekturfotografie kann sehr aufwendig sein. Mit welcher Technik arbeitete Sigrid Neubert? Wurde sie regelmäßig von einem Team begleitet?

FS: Neubert arbeitete meistens alleine und nutzte dabei nur wenige technische Hilfsmittel. Über 30 Jahre lang setzte sie eine Laufbodenkamera ein und fotografierte bis in die 1970er Jahre am liebsten in Schwarz-Weiß auf 9×12 Glasnegativen. Das ermöglichte besonders kontrastreiche Aufnahmen in perfekter technischer Qualität. Diese für ihre Arbeit so charakteristischen harten Kontraste waren aber nicht nur Stilmittel, sondern glichen auch die schlechte Druckqualität so mancher Architekturzeitschrift aus. Sigrid Neubert war es besonders wichtig, mit den Bauwerken, die sie gewissermaßen als Stellvertreter der Persönlichkeit des jeweiligen Architekten auffasste, in einen intensiven Dialog zu treten.

Fotos: © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Sigrid Neubert

Ausstellungsinfo

GoArt! Fotografie Touren

MB: Die aktuelle Ausstellung zu Arbeiten von Sigrid Neubert in vier Stichpunkten zusammengefasst?

FS: Die Architekturfotografie zeigen wir in vier thematischen Kapiteln als Kern von Neuberts Lebenswerk, mit vielfältigen Bezügen zur ihren freien Arbeiten. Damit sollen die Besucher angeregt werden, selber auf die Suche nach Standpunkten, Motiven, Ähnlichkeiten und Unterschieden zu gehen. Durch Archivalien und vor allem durch Architekturzeichnungen wird der Dialog zwischen der Fotografin und den Architekten nachvollziehbar.

LD: Für die Naturfotografie sind für mich zwei Aspekte wichtig: Sigrid Neubert hat hier die Fotografie sowohl als Ausdrucksmedium von Gefühlszuständen wie auch als Medium für die Entwicklung einer ganz eigenen Formensprache eingesetzt, und das steht in einem sehr lehrreichen Kontrast zueinander.

MB: Wie sehen Sie das Verhältnis der Architekturfotografie Sigrid Neuberts in Bezug auf das Neue Sehen? Dem Pressetext entnehmen wir zudem einen Verweis auf die amerikanische Fotografie der 50er Jahre …

FS: In der Architekturfotografie hat Neubert sich zunehmend von den US-amerikanischen Einflüssen der 1950er Jahre gelöst und sukzessive einen eigenen formalen und inhaltlichen Ansatz entwickelt, indem sie nicht nur die Plastizität der Baukörper sorgfältig herausarbeitete, sondern auch das Zusammenspiel der Bauten mit der Umgebung und den Bewohnern. Zum Vergleich zeigen wir auch Aufnahmen von Julius Shulman, der Neubert in den 1950er Jahren beeinflusst hat.

MB: die aktuelle Ausstellung beinhaltet gleichfalls Landschaftsfotografie – stimmungsvolle Interpretationen derselben – auf die sich die Künstlerin in den letzten Jahrzehnten konzentriert hat. Wie erklären sie Ihre Hinwendung zur Natur?

LD: Nach langen Jahren der Auftragsarbeit für Architekten und Zeitschriften hat sich Sigrid Neubert hier ihr ganz eigenes Feld künstlerischer Wirkung geschaffen. Sie hat dabei immer in Werkblöcken gearbeitet, manche Themen jahrzehntelang verfolgt. Dies zeigt, wie intensiv sie über das Medium Fotografie und seine Möglichkeiten nachgedacht hat.

MB: Last but not least zu Ihnen, den beiden Kuratoren der Ausstellung: was für Fotografie hängt in Ihrem Wohnzimmer?

LD: Ein Leuchtkasten mit einem Schwarzweiß-Foto von Reiner Leist mit einem Blick in das Hochhausgewirr New Yorks.

FS: Ein Architekturfoto von Franz Lazi aus Stuttgart von 1950.

Weniger ist mehr – New Yorks Armory Show 2018

March 15, 2018

Die diesjährige Armory Show präsentierte sich mit sehr einladendem und übersichtlichem Layout und etwas weniger Galerien als in den Vorjahren. Das professionell-gastfreundliche Handling von Einladungen für Fachpublikum und Sammler, ansprechende Stand-Architektur mit ausreichend Zwischenräumen für skulpturale Arbeiten sowie perfektes Licht-Setting und helle Böden bis hin zu zentral positionierten Bars und Lounges machten die wichtigste New Yorker Kunstmesse zu einem photogenen und stimulierenden Event.

Wie die Frieze und die Art Basel ist die Armory Show vor allem eine Verkaufsausstellung, ohne Anspruch einer Übersicht sämtlicher zeitgenössischer Kunsttrends. Zugleich erhielt der Besucher einen Eindruck von den anspruchsvollen Must Haves der nächsten Saison. So wurden auf der einen Seite extrem hochwertige moderne Werke der 50er bis 70er Jahre angeboten, unter ihnen kleinformatige Gerhard Richter Gemälde (je über 600.000 Dollar), Cy Twombly’s, eine große Nam Jun Paik Installation bei Gagosian und schöne David Hockney’s, die nicht nur Sammler- Herzen höher schlagen ließen.

Zum anderen und auch ohne ganzheitlichen Anspruch auf einen allumfassende Übersicht globaler Tendenzen in der zeitgenössischen Kunst, präsentierten die kuratierten Shows der Messe Fokus und Platform/The Contigent spannende aktuelle Positionen vor politisch und kulturellem Hintergrund. Spektakulär war das von der Armory Show, den Deitch Projects und Artsy präsentierte und auf einer der Fassaden der Messhalle installierte Foto-Mural des bekannten französischen Street Art Künstlers JR (Foto rechts). Gegenüber der Ellis Island, die von 1892 bis 1954 rund 12 Millionen Migranten und Flüchtlinge durchlaufen mussten, zeigt JR seine kürzlich in syrischen Flüchtlingslagern geschossenen Aufnahmen im Stil der Archiv-Fotos des Museum of Immigration der Ellis Island.

Einige Galerien warteten zudem mit gut kuratiertem Stand Design auf, so etwa Wetterling aus Stockholm (u.a. mit Arbeiten von Jim Dine, Foto links), New Yorker Marianne Boesky (mit Arbeiten von Hannah van Bart and Hans Op de Beek) oder die Mizuma Art Galerie aus Tokyo (Installationen des Japanisch –Australischen Paares Ken + Julia Yonetani, Foto oben).

Eine weitere sehr schöne auffällige Arbeit war Cry Havoc der jungen südafrikanischen Künstlerin Mary Sibande (Galerie MOMO aus Johannisburg und Kapstadt, Foto links), die sich mit überkochender Wut diskriminierter Frauen beschäftigt. Last but not least und eine zumindest aus europäischer Sicht Entdeckung in der Abteilung Focus waren die aussagestarken Collagen, Textilbilder und Prints der 1938 in the USA geborenen Afro-Amerikanerin Emma Amos (Ryan Lee Gallery, New York), die sich sei jeher mit Gender, rassischen und geographischen Gesichtspunkten auseinandersetzt.

 

Art Consulting

J.R. Foto: Teddy Wolff, courtesy of The Armory Show

Andere Fotos: courtesy of GoArt! Berlin

Berliner Food Festival: Interview mit eat! berlin Initiator Bernhard Moser

February 27, 2018

Das Berliner Food Festival eat! berlin tagt 2018 zum siebten Mal. Es findet jährlich statt und zählt inzwischen zu den kulinarischen Highlights der Hauptstadt. Rund 50 Veranstaltungen mit mehr als 60 KöchInnen in den besten Restaurants summieren 30 Michelin Sterne und 496 Punkte im Gault&Millau. Auch das Luxusreise- und Lifestyle Magazin Travellers’ World hat das Festival 2016 ausgezeichnet und es zu den 10 Besten der Food Festivals der Welt nominiert. Kooperationen wie etwa das mit dem Tipi am Kanzleramt und Frau Luna machen die Veranstaltung nicht nur dem Berliner Publikum schmackhaft. Auch Tim Raue oder Sebastian Frank um nur zwei der bekannten Köche nennen – zählen zu den Highlights von eat! berlin. Miriam Bers sprach mit dem Initiator des Berliner Food Festivals, Bernhard Moser.

MB: Was hat Sie 2011 motiviert das Berliner Food Festival ins Leben zu rufen und wie kamen Sie zum Essen?

BM: Ich komme aus einem Dorf in Österreich. Da gab es nur zwei Berufsmöglichkeiten: Landwirtschaft oder Gastronomie. Da wir keinen Bauernhof hatten, wurde ich Koch/Kellner, habe danach die Ausbildung zum Diplom-Sommelier gemacht. So entdeckte ich nach und nach den Genuss für mich. Die Motivation das Festival zu gründen kam daher, dass ich Berlin seit langem als Gourmetmetropole wahrnehme, außerhalb Berlins wurden wir aber in der Zeit noch als Currywurststadt wahrgenommen. Das hat mich und viele befreundete Spitzenköche genervt. Eines Abends saß ich mit einer netten Runde zusammen, darunter die Inhaber der Mattheis-Werbeagentur und ein bekannter Journalist. An diesem Abend wurde die eat! berlin gegründet.

MB: Welches sind die Auswahlkriterien für eine Teilnahme an dem Berliner Food Festival eat!berlin?

BM: Ich arbeite gerne mit herausragenden Köchen und Gastronomen zusammen. Dabei orientiere ich mich an eigenen Erfahrungen und am Gault&Millau. Idealerweise hat das Restaurant mit dem wir arbeiten mindestens 15 Punkte und steht für irgendwas. Also nicht nur so eine 08/15 Pinzettenküchen-Nachkocherei, sondern eine herausragende Stellung in der Gastronomie. Da wir im Rahmen des Festivals sehr eng mit den Menschen arbeiten, ist es auch wichtig, dass ich die- oder denjenigen mag. Für mein Team versuche ich die Egomanen vorher zu erkennen. J
MB: Kann man von kulinarischen Trends, von Moden sprechen?

BM: Ja, aber wir versuchen sie zu meiden. Gutes Essen und Trinken sind unser Trend, aber Dinge wie „Superfood“ und ähnlicher Humbug interessiert uns nicht.
MB: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei den Köchen?

BM: Bei uns eine riesige, bei den Köchen eine wachsende. Der Feinschmecker genießt ja nicht nur, er übernimmt im Idealfall auch Verantwortung für seinen Konsum. Regionalität der Lebensmittel, E-Mobilität etc. sind uns enorm wichtig. Zudem sind wir das weltweit einzige Feinschmeckerfestival, das ausschließlich mit Leitungswasser versorgt wird.

MB: Welches sind die diesjährigen Berliner Food Festival Highlights, was ist neu?

BM: Bei uns ist fast immer alles neu, weil ich Wiederholungen nicht so gerne mag. Die Entwicklung des Programmes ist mir total wichtig, insofern kann ich auch keine Highlights benennen. Ich stehe hinter jeder meiner Veranstaltungen und freue mich auf jede einzelne.
MB: Mit wie vielen Besuchern rechnen Sie dieses Jahr und kann man sagen, dass das Festival inzwischen internationales Publikum anzieht?

BM: Wir werden in diesem Jahr ca. 7.000 Besucher haben, genau kann ich das nicht sagen, da wir bei den „Berliner Käsetage“ eine relativ lange Zeit offene Türen haben und die Besucherzahl nur geschätzt werden kann. Es könne so auch 9.000 werden. Als ich heute da war, war es jedenfalls rappevoll.
International erfahren wir, vor allem seit der Wahl unter die 10 besten Foodfestivals der Welt, enorm viel Aufmerksamkeit. Das ist gut, weil nur so der Imagewandel in Berlin vollzogen werden kann. Wir sind eben nicht nur Partystadt.

MB: Ihr Lieblingsort in Berlin?

BM: Gastronomisch kann ich ihn nicht benennen. Mein liebster Ort ist auf der Couch, mit meiner Tochter im Arm, Zeichentrickfilme schauend.

MB: Ihr Sehnsuchtstort?

BM: Ich möchte unbedingt 2019 zu Heston Blumenthal ins „The Fat Duck“.

MB: Kochen Sie privat?

BM: Darf ich nur, wenn wir Gäste haben. Köche kochen anders, wir brauchen zu viele Töpfe und machen zu viel Unordnung. Da gibt’s Ärger.

MB: Eine Rezeptidee?

BM: Nehmen Sie ein wachsweich gekochtes Bio-Ei, hauen Sie einen Klecks Schmand drauf und nehmen Sie Malossol-Kaviar dazu, so viel wie Sie sich leisten wollen. Aber bitte aus guten Zuchtbetrieben in Ihrer Nähe. Ich schätze den Brandenburger Kaviar von der Forellen- und Störfarm Rottstock, betrieben von Susanne und Matthias Engels. Genuss braucht oft nur 3 Komponenten.

Fotos: courtesy of eat! Berlin

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